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Jetzt meldenDonald Trump schwenkt auf Wladimir Putins Linie ein – und opfert dabei die Ukraine. Das läutet eine Zeitenwende ein, sagen drei Experten aus den USA, Grossbritannien und Deutschland: Sie warnen vor einem neuen, grösseren Krieg.
Es ist etwas faul im Staate Dänemark – sagt Premierministerin Mette Frederiksen. Nach Donald Trumps Kehrtwende in der Ukraine-Politik reagiert Kopenhagen entschieden.
Dänemark investiert zusätzlich 6,3 Milliarden in sein Militär. «Sieht die Welt unruhig aus? Ja. Gibt es Grund zu der Annahme, dass es bald vorbei sein wird? Nein», begründet Frederiksen diesen Schritt. Ihr Land wird damit 3 Prozent des BIP in die Verteidigung stecken.
Was die Stunde geschlagen hat, verdeutlicht dieser Satz: «Wenn wir nicht die beste Ausrüstung bekommen können, kaufen wir die nächstbeste. Jetzt zählt nur noch eines: Geschwindigkeit.»
Barry McCaffrey ist ein ausgezeichneter Soldat: Der Ex-General der US Army hat während seiner aktiven Laufbahn drei Purple Hearts erhalten, wurde mit zwei Silver Stars geehrt und hat zweimal das Distinguished Service Cross auf der Brust. Der 82-Jährige kennt sich also mit der Kriegsführung aus.

Der amerikanische Ex-General Barry McCaffrey glaubt, dass die Nato am Ende ist.
KEYSTONE
Nun malt McCaffrey ein düsteres Bild der Zukunft des Westens: Donald Trumps 180-Grad-Wende in der Ukraine-Politik sieht er den Anfang vom Ende der Nato. «Meine Sicht ist leider, dass der Schaden angerichtet ist», zitiert «Raw Story» den Ex-Militär. «Es ist jetzt unumkehrbar.»
Das Konzept der Abschreckung funktioniert nicht mehr, führt McCaffrey aus: «Unter den europäischen Mächten gibt es nicht das geringste rationale Argument, um dem Engagement der Vereinigten Staaten für die NATO und Artikel Fünf zu vertrauen.» Dass Trump etwa das Baltikum im Falle einer russischen Invasion verteidigen würde, glaubt keiner mehr.

Verwirrendes «Psychogelaber». Donald Trump (links) und Wladimir Putin im Juli 2018 in Helsinki.
KEYSTONE
«Über vier Generationen» habe die Nato den Frieden bewahrt: «Ich denke, das ist vorbei», beerdigt McCaffrey das Bündnis. Länder wie Finnland, Schweden, die baltischen Staaten oder Polen, die Russland näher liegen, «stehen unter Druck» weiss der Amerikaner. Mit Blick auf einen möglichen Wegfall der US-Rückendeckung müsse Europa froh sein, dass Briten und Franzosen über Atomwaffen verfügten.
«Andernfalls wäre auch die nukleare Sicherheit weg, die die USA unseren Verbündeten in Europa gewähren», so McCaffrey. Er sieht auch Trumps Grönland-Gelüste in dem Zusammenhang: Diese machten nur dann Sinn, wenn Trump einen Ausstieg aus der Nato erwäge, die auf der Insel eine Basis betreibt, die dann für die USA wegfallen könnte.
«Die US-Regierung hat eine Reihe von Psychogelaber-Ankündigungen gemacht, die die globale Führung verwirrt haben», fasst der Ex-General zusammen. «In Europa denken sie, dass wir für die Zeit der Trump-Regierung weg sind.» Und was bedeutet das für die Welt? «Nun, ich denke, es erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Krieges.»
Ist der Amerikaner McCaffrey nicht vielleicht ein bisschen zu pessimistisch? Was sagt ein Brite dazu, der einst der stellvertretende Oberkommandeur der Alliierten in Europa war? «Ich denke», sagt Ex-General Richard Shirreff dem «Times Radio», «die Ereignisse der letzten Woche haben die Wahrscheinlichkeit eines Krieges mit Russland innerhalb der nächste drei bis fünf Jahre viel, viel wahrscheinlicher gemacht.»
Indem Trump Putins Rhetorik übernommen habe, habe er sich «mit einem angeklagten Kriegsverbrecher ins Bett gelegt», ätzt der 69-Jährige. «Es sieht so als, als wenn [Trump] die Ukraine opfert.» Wenn Europa und Kanada nicht einspringen, wird es schwer für Kiew, prognostiziert er. Seiner Regierung rät er, die Verteidigungsausgaben auf mindestens 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufzustocken.

Generalleutnant Richard Shirreff 2011 bei einem Truppenbesuch in Afghanistan: Dass Trump Putin nach dem Mund rede, sei «ausserordentlich naiv», kritisiert der Brite.
Royal Army/Hernandez Fonte
«In Moskau könnten sie nicht mehr Freude haben», erzählt er weiter. «Russland wird sein Vorhaben nicht aufgeben, die Ukraine zu zerstören.» Die Annexion grosser Gebiete und die Einsetzung einer Marionetten-Regierung sei das Minimalziel des Kreml. «Trump schafft die Bedingungen, damit das passieren kann.» Shirreff erinnert an den US-Abzug aus Afghanistan, den Trump mit den Taliban arrangiert hat, ohne die Regierung zu konsultieren – mit der Folge, dass diese aus Kabul vertrieben wurde.
Trump fordere zu Recht, dass sich Europa mehr engagiert, doch sein Verhalten untergrabe den Nato-Artikel 5, nachdem der Angriff auf ein Mitglied eine Attacke auf das gesamte Bündnis ist. «Die Welt in dieser Woche ist eine andere als noch letzte Woche. Der Pax Americana ist erledigt. Es ist eine andere Welt.»
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Innerhalb der Nato müsse sich nun «eine Koalition der Willigen» formieren. Diese müsse sich nicht nur eine Strategie für die Ukraine überlegen, sondern auch, wie sie die US-Kapazitäten mit der Zeit ersetzten könne. Dazu brauche es «einen fundamentalen Wandel in Sachen Mentalität».
Dass Europa nur dann Friedenstruppen stellen kann, wenn Moskau dem zustimmt, sei ein Problem. Putin müsse sich in der Ukraine erst «eine blutige Nase» holen, bevor er einlenkt, meint der Ex-Militär. Sollte er das tun, müssten europäische Einheiten «echte militärische Muskeln» haben – denn «Russland wird wahrscheinlich irgendwann zurückkommen».
Torsten Heinrich ist kein Ex-Kommandeur, sondern Militärhistoriker. Der Deutsche bezeichnet sich selbst als «Salonstratege»: Auf seinen YouTube-Kanälen zeigt er entweder seine Katzen Siegfried, Etzel und Hjördis – oder er bespricht – stets ruhig und sachlich –, was an der Front in der Ukraine passiert. Seine Videos produziert Heinrich von Panama aus.
«Ich bin kein Linker», sagt Heinrich über sich selbst. Dein Publikum schickt ihm während seiner Streams oft Nachrichten, die mit «ganz patriotischen Grüssen» unterschrieben werden. Der Auswanderer ist aber kein Rechter: Er unterstützt die Ukraine und äussert sich immer klar pro-westlich.
Wie reagiert also dieser Deutsche auf Trumps Gebaren? Diese sei «ein kompletter Kulturbruch»: «Er zerstört damit was», zeigt sich Heinrich entsetzt. «Ich will es noch nicht so recht wahrhaben.» Mit Blick auf den neuen Präsidenten versichert er: «Ich habe versucht, das Positive zusehen.»
Doch damit ist es nun vorbei: «Ich betone in den ganzen Streams, wie pro-amerikanisch ich bin», sagt Heinrich, «aber seit heute Nacht denke ich darüber nach, wie man sich von den USA abkoppeln kann.»
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Auf die Frage hin, ob man Trump mit dem britischen Aussenminister Neville Chamberlain vergleichen kann, der meinte, mit dem Münchner Abkommen von 1938 Adolf Hitler vom Krieg abzubringen, hat der Militärhistoriker eine bestehende Antwort. Dieser Vergleich hinkt, sagt er nachvollziehbar, weil der Westen von Nazideutschland zumindest das Versprechen bekommen habe, dass Berlin seine Nachbarn nicht angreift.
Weil Putin derlei Garantien nicht geben will, zieht Heinrich einen anderen Sündenfall der Geschichte heran: Was Putin und Trump machen, erinnere eher an den Molotow-Ribbentrop-Pakt alias Hitler-Stalin-Pakt, in dem sich die Nazis und die Sowjets 1939 auf eine Aufteilung Osteuropas geeinigt haben.