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Anwohner Butschas berichten von Gräueltaten +++ Kriegsverbrechen von Russland offenbar geduldet

Agenturen/red

3.4.2022

Women stay next to a car as smoke rises in the air in the background after shelling in Odessa, Ukraine, Sunday, April 3, 2022. (AP Photo/Petros Giannakouris)
Feuer und Rauchsäulen in Odessa am 3. April 2022.
Keystone

«Gräueltaten», «Massaker», «Kriegsverbrechen»: Berichte über die mutmasslich gezielte Tötung zahlreicher Zivilisten durch russische Truppen in einem mittlerweile von der ukrainischen Armee zurückeroberten Vorort von Kiew haben international für Entsetzen gesorgt. Die Ereignisse des Tages im Ticker.

Agenturen/red

3.4.2022

Nach dem Abzug der russischen Truppen aus dem Grossraum Kiew sind mehr als 400 tote Zivilisten in dem Gebiet gefunden worden. Die Leichen von 410 Zivilisten seien aus «den befreiten Gebieten in der Region Kiew in Sicherheit gebracht» worden, sagte die Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa am Sonntag im ukrainischen Fernsehen. Experten hätten bereits 140 Tote gerichtsmedizinisch untersucht.

Berichte über die mutmasslich gezielte Tötung zahlreicher Zivilisten durch russische Truppen in dem von der ukrainischen Armee zurückeroberten Vorort Butscha sorgten international für Entsetzen. Die ukrainischen Behörden hatten am Samstag mitgeteilt, in Butscha seien mehr als 300 Leichen gefunden worden. AFP-Reporter berichteten, dass zahlreiche Toten zivile Kleidung getragen hätten. Sie sahen auf einer einzigen Strasse in Butscha mindestens 20 Leichen liegen.

Westen wirft Moskau «Kriegsverbrechen» vor

Westliche Staats- und Regierungschefs sowie die EU und die Nato äusserten sich entsetzt über die Vorfälle in Butscha. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief dazu auf, die russischen Verantwortlichen für «diese Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen». Der britische Premierminister Boris Johnson erklärte, die «Angriffe Russlands auf unschuldige Zivilisten» in den Kiewer Vororten seien ein weiterer Beweis dafür, «dass Putin und seine Armee in der Ukraine Kriegsverbrechen begehen».

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte dem US-Sender CNN, eine solche «Brutalität gegen Zivilisten» sei in Europa seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen worden. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte «zutiefst schockiert» auf die «Bilder von getöteten Zivilisten in Butscha» und forderte eine «unabhängige Untersuchung». Nach Einschätzung des UN-Menschenrechtsbüros in Genf werfen die bisherigen Erkenntnisse «eindeutig ernsthafte und beunruhigende Fragen über mögliche Kriegsverbrechen und schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts auf».

Selenskyj erwartet weitere russische Angriffe

Nach ukrainischen Militärangaben gingen die Kämpfe auch im Osten weiter. Die Beschuss von Städten im Gebiet Luhansk dauere an. Es gebe Kämpfe bei Popasna und Rubischne. Nach russischen Angaben wurden in der Nacht zum Sonntag in der Ukraine insgesamt 51 Militäreinrichtungen getroffen, darunter vier Kommandoposten und zwei Raketenabwehrsysteme. Diese Angaben liessen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet heftige russische Angriffe im Osten und Süden. «Was ist das Ziel der russischen Armee? Sie wollen sowohl den Donbass als auch den Süden der Ukraine erobern», sagte Selenskyj in einer Videobotschaft in der Nacht zum Sonntag.

«Und was ist unser Ziel? Wir wollen uns, unsere Freiheit, unser Land und unsere Menschen schützen.» Um den russischen Plänen entgegenzuwirken, werde die Abwehr der ukrainischen Streitkräfte in östlicher Richtung verstärkt. «Und das wohl wissend, dass der Feind Reserven hat, um den Druck zu verstärken.»


Die Ereignisse des Tages im Überblick:

Das Wichtigste in Kürze

  • Ukrainische Politiker werfen den vor gut fünf Wochen einmarschierten russischen Truppen gezielte Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor.
  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den russischen Truppen angesichts von Gräueltaten gegen Zivilisten einen Genozid vorgeworfen.
  • Ukrainische Truppen haben die Region Kiew nach eigenen Angaben wieder komplett unter Kontrolle.
  • Im der zurückeroberten Stadt Butscha nordwestlich von Kiew haben ukrainische Einheiten Dutzende erschossene Zivilisten gefunden.
  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky rechnet nun mit verstärkten russischen Angriffen im Donbass und im Süden des Landes.
  • Die Entwicklungen vom Samstag findest du hier.
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  • 22.43 Uhr
    Bürgermeister von Tschernihiw: Stadt zu 70 Prozent zerstört

    Die nordukrainische Stadt Tschernihiw ist nach Angaben des dortigen Bürgermeisters inzwischen zu 70 Prozent zerstört. Die Folgen der russischen Angriffe seien schwerwiegend, «wie in Butscha und Charkiw, und vielleicht sogar wie in Mariupol», sagte Wladyslaw Atroschenko am Sonntag nach Angaben der Zeitung «Ukrainska Prawda» im Einheitsprogramm des ukrainischen Fernsehens.

    Atroschenko mache sich Sorgen um die Heizperiode, es gebe Löcher im städtischen Haushalt, die Wirtschaft funktioniere nicht. Dies mache ihm nicht weniger Sorgen als die Luftangriffe.

    Das Stadtbild Tschernihiws ist durch zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Klöster geprägt. Die Ukraine strebte für das Zentrum den Status als Weltkulturerbe an. Vor dem Krieg zählte die Stadt mehr als 285'000 Einwohner.

  • 22.15 Uhr
    Ukraines Aussenminister: Geplante neue EU-Sanktionen reichen nicht aus

    Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba erhofft sich nicht viel von den für die nächsten Tage angekündigten verschärften EU-Sanktionen gegen Russland. Er kenne die aktuellen Entwürfe für das geplante fünfte Paket mit Strafmassnahmen schon. Daher könne er vorhersagen, dass sie nicht ausreichten, sagte er am Sonntag in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft. Nötig seien jetzt insbesondere ein Öl-, Gas- und Kohle-Embargo gegen Russland, ein Ausschluss aller russischen Banken aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift sowie eine Schliessung aller Häfen für russische Schiffe und Waren. Diese Forderung richte sich auch an die Wirtschaftsmächte der G7.

    Der deutsche Kanzler Olaf Scholz hatte zuvor am Abend neue Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt, das vor gut fünf Wochen in das Nachbarland Ukraine einmarschiert war. «Wir werden im Kreis der Verbündeten in den nächsten Tagen weitere Massnahmen beschliessen», kündigte der SPD-Politiker an, ohne weitere Details zu nennen.

    Kuleba sagte ausserdem, gerade angesichts der Gräueltaten an Bewohnern der ukrainischen Stadt Butscha könne es nun keine Ausreden und kein Zögern mehr geben bei Waffenlieferungen an sein Land. «Wir brauchen Waffen – jetzt!», sagte er, und zwar besonders Flugzeuge, Panzer sowie schwere Flugabwehrsysteme.

  • 21.45 Uhr
    Papst: Vatikan hat in Russlandbeziehungen nichts zu verbergen

    In den Beziehungen zwischen Russland und dem Vatikan gibt es laut Papst Franziskus nichts zu verbergen. «Alles, was ich den Autoritäten gesagt habe, ist veröffentlicht», sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag auf dem Rückflug von Malta nach Rom vor Journalisten. Nichts sei dabei nur ihm vorbehalten gewesen, erklärte der 85-Jährige weiter. «Ich verwende dabei keine Doppelzüngigkeit.»

    Franziskus kritisierte abermals die Kämpfe in der Ukraine. Krieg geschehe immer zu Unrecht. Das Schema des Krieges kenne mit Investitionen und Waffenkäufen nicht das Prinzip des Friedens. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei eine Welle der Arbeit für den Frieden aufgekommen, sagte Franziskus. «Aber nach 70 Jahren haben wir das vergessen», mahnte er. «Krieg ist gegen den menschlichen Geist. Er ist eine Grausamkeit.»

    Russland war vor gut fünf Wochen in das Nachbarland Ukraine einmarschiert. Zuvor hatte Moskau wochenlang Truppen an den Grenzen zusammengezogen.

  • 21.43 Uhr
    Tote und Verletzte bei Angriffen im Süden und Osten der Ukraine

    Bei einem russischen Angriff auf ein Spital in Rubischne im Osten der Ukraine sind am Sonntag ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden. Eine feindliche Granate habe das Krankenhaus der Stadt getroffen, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Gayday, am Sonntagabend im Messengerdienst Telegram mit. Er veröffentlichte ein Foto von Rettungshelfern, die Trümmer durchsuchen.

    Die Stadt in der Nähe von Luhansk in der Region Donbass war seit dem Beginn der russischen Invasion immer wieder Ziel von Bombenangriffen.

    Auch in der südukrainischen Stadt Mykolajiw starb ein Mensch bei einem russischen Angriff. 14 weitere Menschen seien verletzt worden, darunter ein 15-Jähriger, teilte der Gouverneur Vitali Kim auf Telegram mit. Auch in der Schwarzmeerstadt Otschakiw habe es einen Bombenangriff gegeben, fügte er hinzu. Dort habe es ebenfalls Tote und Verletzte gegeben, die genaue Zahl sei unklar.

  • 21.20 Uhr
    Moskau wirft Kiew Sabotage von Fluchtkorridoren aus Mariupol vor

    Russland hat der Ukraine einmal mehr fehlende Kooperation bei der Evakuierung von Zivilisten aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol vorgeworfen. Knapp 2000 Menschen hätten zwar in den vergangenen 24 Stunden selbstständig aus Mariupol flüchten können, teilte das russische Verteidigungsministerium am Sonntagabend mit. Hilfskonvois aber wären wegen ukrainischem Beschuss nicht in die Stadt am Asowschen Meer durchgekommen. Das liess sich zunächst nicht überprüfen. Moskau und Kiew werfen sich seit Wochen gegenseitig vor, die Flucht von Einwohnern aus Mariupol zu sabotieren.

    Für diesen Montag hätten die russischen Truppen auf Vermittlung der Türkei hin einem weiteren Evakuierungsversuch zugestimmt, hiess es aus Moskau weiter.

    Aus Mariupol und nahe gelegenen Städten geflüchtete Menschen kommen in Saporischschja an. Es war zunächst unklar, ob es in einer von Russland verkündeten Feuerpause für die schwer zerstörte Hafenstadt Mariupol gelingen würde, Einwohner aus der umkämpften Stadt zu bringen.
    Aus Mariupol und nahe gelegenen Städten geflüchtete Menschen kommen am 2. April in Saporischschja an. Es war zunächst unklar, ob es in einer von Russland verkündeten Feuerpause für die schwer zerstörte Hafenstadt Mariupol gelingen würde, Einwohner aus der umkämpften Stadt zu bringen.
    Bild: Felipe Dana/AP/dpa
  • 21.17 Uhr
    Menschenrechtler: Kriegsverbrechen von Russland offenbar geduldet

    Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in der Ukraine sind nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch keine Ausnahmen und werden von der russischen Armee offenbar geduldet. «Einzelfälle sind das bestimmt nicht», sagte der Deutschland-Direktor der Organisation, Wenzel Michalski, am Sonntagabend in der ARD. Er wies auf Tötungen, Vergewaltigungen und den Beschuss ziviler Wohnblöcke hin. «Das deutet eigentlich darauf hin, das zumindest Kriegsverbrechen geduldet werden. Vielleicht ist das nicht systematisch geplant. Allerdings: Der Beschuss ziviler Wohngegenden und die Benutzung von geächteten Waffen deuten darauf hin, dass man das in Kauf nimmt und mit als Kriegstaktik benutzt.»

    Michalski forderte eine von den Vereinten Nationen mandatierte Untersuchungskommission. Wichtig sei, dass die Toten jetzt nicht begraben würden, um keine Beweise zu vernichten. «Wir fordern von der russischen Regierung, dass diese Verbrechen untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden», sagte er weiter, gab sich aber nicht zuversichtlich, dass dies geschehen wird.

  • 20.31 Uhr
    Ukraine wirft Russland gezielte Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor

    Ukrainische Politiker werfen den vor gut fünf Wochen einmarschierten russischen Truppen gezielte Gewalt gegen Frauen und Mädchen vor. Der Parlamentsabgeordnete Olexij Gontscharenko berichtete in einem am Sonntag auf Twitter veröffentlichten Video von nackten Frauenleichen, die unweit von Kiew am Strassenrand gefunden worden seien. «Sie verstehen, was passiert ist», sagte er – und deutete damit offensichtlich Vergewaltigungen an. Die Russen hätten versucht, die Leichen der Frauen zu verbrennen, sagte Gontscharenko weiter. Das liess sich zunächst nicht überprüfen.

    Im Ort Irpen unweit von Kiew seien Frauen und Mädchen erschossen worden, sagte Bürgermeister Olexander Markuschyn der Deutschen Welle. «Dann sind sie mit Panzern überfahren worden.» Von russischer Seite gab es zunächst keine Reaktion zu den Vorwürfen.

    Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba sagte in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft zu den berichteten Gräueltaten, je schneller die ukrainische Armee die von Russland besetzen Gebiete «befreien» könne, desto mehr würden die Menschenrechte dort gewahrt: «Frauen werden nicht vergewaltigt. Kinder werden nicht mitansehen müssen, wie ihre Mütter vergewaltigt werden. Zivilisten werden nicht getötet.» Er fügte hinzu, sein Land brauche daher Unterstützung. «Wir brauchen Waffen - jetzt.»

  • 20.11 Uhr
    Anwohner Butschas berichten von Gräueltaten durch russische Truppen

    Anwohner der ukrainischen Stadt Butscha haben erschütternde Berichte über die Tötung von Zivilisten durch russische Soldaten abgegeben. Sie erklärten, russische Truppen hätten in der Stadt nahe der Hauptstadt Kiew Zivilisten ohne ersichtlichen Grund erschossen.

    Anwohner erklärten, russische Soldaten seien von Gebäude zu Gebäude gegangen und hätten Menschen aus den Kellern geholt, in denen sie sich vor den Kämpfen versteckt hatten. Sie hätten deren Telefone nach Beweisen für antirussische Aktivitäten durchgesucht und Menschen mitgenommen oder sie erschossen.

    Auf einem Logistikgelände, das nach Angaben von Anwohnern von den russischen Streitkräften als Stützpunkt genutzt wurde, waren die Leichen von acht Männern auf dem Boden zu sehen, einige davon mit auf dem Rücken gefesselten Händen.

    Das russische Verteidigungsministerium hat Berichte über Gräueltaten an Zivilisten in Butscha und anderen Vororten Kiews zurückgewiesen und als «Provokation» bezeichnet. Das Ministerium erklärte, kein einziger Zivilist sei in Butscha gewalttätigen Handlungen des russischen Militärs ausgesetzt gewesen.

  • 20.08 Uhr
    Russland bestätigt Luftangriffe bei Kiew und Mykolajiw

    Russland hat mehrere Luftangriffe auf Militäreinrichtungen und Treibstofflager in den ukrainischen Regionen Kiew und Mykolajiw bestätigt. Unweit von Kiew sei in Wassylkiw ein Kontrollzentrum der Luftwaffenbasis zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow, am Sonntagabend.

    Zudem seien Treibstofflager in der südukrainischen Region Mykolajiw sowie im Gebiet Riwne im Nordwesten mit Raketen attackiert worden. Zuvor hatte bereits der Bürgermeister von Mykolajiw, Olexander Senkewytsch, von mehrereren Raketeneinschlägen berichtet. Der Gouverneur des Mykolajiwer Gebiets, Witalij Kim, schrieb später auf Telegram, dass elf Menschen bei dem Angriff verletzt worden seien und einer getötet.

    Bei russischen Angriffen unter anderem auch im Gebiet Mykolajiw, seien russischen Angaben zugolge, einige Dutzend militärische Objekte zerstört worden sein. Foto: Vincenzo Circosta/ZUMA Press Wire/dpa
    Bei russischen Angriffen unter anderem auch im Gebiet Mykolajiw, seien russischen Angaben zufolge, einige Dutzend militärische Objekte und Treibstofflager zerstört worden sein. (Archivbild)
    Bild: Vincenzo Circosta/ZUMA Press Wire/dpa
  • 19.46 Uhr
    Schweiz unterstützt Untersuchungen zu Massaker-Bericht bei Kiew

    Die Schweiz unterstützt Untersuchungen zu mutmasslichen Verletzungen des humanitären Völkerrechts in der Ukraine. Berichte aus Butscha bei Kiew lassen schwere Verstösse befürchten, wie das Aussendepartement in Bern am Sonntagabend mitteilte.

    Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nannte in seiner Mitteilung auf Twitter ausdrücklich Untersuchungen des Internationalen Strafgerichtshofes, aber auch solche anderer Institutionen. Die Schweiz rufe alle Seiten auf, das humanitäre Völkerrecht strikt einzuhalten und die Zivilbevölkerung zu schützen, schrieb das EDA.

  • 19.30 Uhr
    Scholz wirft Russland «Kriegsverbrechen» vor und kündigt weitere Sanktionen an

    Nach den Berichten über die Tötung zahlreicher Zivilisten während der russischen Besatzung des Kiewer Vororts Butscha hat der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) weitere Sanktionen gegen Moskau angekündigt. «Die Ermordung von Zivilisten ist ein Kriegsverbrechen», sagte Scholz am Sonntagabend in Berlin. «Diese Verbrechen der russischen Streitkräfte müssen wir schonungslos aufklären.»

    Die Täter und die Auftraggeber der «Gräueltaten» müssten «zur Rechenschaft gezogen werden», sagte Scholz. «Wir werden im Kreis der Verbündeten in den nächsten Tagen weitere Massnahmen beschliessen. Russlands Präsident Wladimir Putin und seine Unterstützer «werden die Folgen spüren, und wir werden der Ukraine weiterhin Waffen zur Verfügung stellen, damit sie sich gegen die russische Invasion verteidigen kann», betonte der Kanzler.

  • 18.46 Uhr
    Johnson wirft Putin Kriegsverbrechen vor

    Der britische Premierminister Boris Johnson hat die Gräueltaten an der ukrainischen Zivilbevölkerung scharf verurteilt. «Russlands verabscheuenswürdige Angriffe auf unschuldige Zivilisten in Irpin und Butscha sind weitere Beweise dafür, dass (der russische Präsident Wladimir) Putin und seine Armee in der Ukraine Kriegsverbrechen begehen», sagte Johnson einer Mitteilung vom Sonntag zufolge.

    Der britische Premier versprach, «alles in meiner Macht zu tun, um Putins Kriegsmaschinerie auszuhungern». London werde sowohl die Sanktionen gegen Moskau verschärfen als auch die Waffenlieferungen und die humanitäre Hilfe für die Ukraine erhöhen, fügte Johnson hinzu.

    Der Premier bekräftigte die britische Unterstützung für eine Untersuchung von Gräueltaten in der Ukraine durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. London werde die finanzielle Unterstützung dafür aufstocken und spezialisierte Ermittler entsenden, sagte Johnson.

    Boris Johnson, Premierminister von Grossbritannien, in London. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat den Druck auf den angeschlagenen Politiker nach Ansicht von Experten deutlich abgeschwächt.
    «Wir werden nicht ruhen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist», erklärt Boris Johnson. (Archivbild)
    Bild: Matt Dunham/AP/dpa
  • 18.34 Uhr
    Wirtschaftsminister der Slowakei: «Notfalls zahlen wir in Rubel»

    Der slowakische Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Richard Sulik will notfalls lieber russische Zahlungsbedingungen für Gasimporte akzeptieren als die eigene Wirtschaft zu schädigen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagte er am Sonntag: «Das Gas darf nicht abgedreht werden. Deshalb sage ich, auch wenn das manchen als zu pragmatische Position erscheinen mag: Wenn die Bedingung ist, in Rubel zu bezahlen, dann zahlen wir in Rubel.» Die slowakische Industrie könne nicht völlig auf das russische Gas verzichten, erklärte Sulik.

    Die Forderung Russlands, Gasimporte in Rubel zu bezahlen, verurteilte Sulik als Verletzung bestehender Verträge. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Slowakei derzeit 85 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland beziehe. Zwar arbeite man daran, diese Abhängigkeit unter anderem durch den Import von Flüssiggas zu verringern. Bis aber die technischen Voraussetzungen geschaffen seien, russisches Gas völlig zu ersetzen, werde man noch Jahre brauchen, erklärte Sulik, der auch Parteichef der liberalen zweitgrössten Regierungspartei SaS ist.

  • 18.04 Uhr
    Russland bestreitet Tötung von Zivilisten in Kiewer Vorort Butscha

    Russland hat die Tötung von Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha dementiert. «Während der Zeit, in der diese Ortschaft unter der Kontrolle der russischen Streitkräfte stand, ist kein einziger Einwohner Opfer von Gewalttaten geworden», erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntag. Alle Einwohner hätten die Möglichkeit gehabt, Butscha «in nördlicher Richtung frei zu verlassen», während der Ort von Süden aus «rund um die Uhr von ukrainischen Truppen beschossen» worden sei.

    Die Fotos und Videos von Leichen in den Strassen von Butscha bezeichnete das russische Verteidigungsministerium als «eine weitere Produktion des Kiewer Regimes für die westlichen Medien».

    Die russischen Soldaten hatten sich nach Angaben des Ministeriums am Mittwoch aus Butscha zurückgezogen. Einen Tag zuvor hatte Russland angekündigt, seine militärischen Aktivitäten im Norden der Ukraine deutlich zu reduzieren.

  • 18.01 Uhr
    Selenskyj wirft russischen Truppen «Völkermord» vor

    Angesichts der grausamen Taten gegen Zivilisten im ukrainischen Butscha hat sich Ukraines Präsident Selenskyj fassungslos gezeigt. Russland weist währenddessen jede Schuld von sich.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den russischen Truppen angesichts von Gräueltaten gegen Zivilisten einen Genozid vorgeworfen.

    «Das ist in der Tat ein Völkermord», sagte Selenskyj dem US-Sender CBS am Sonntag laut Übersetzer auf eine entsprechende Frage der Moderatorin. «Wir sind Bürger der Ukraine und wollen nicht der Politik der Russischen Föderation unterworfen werden. Und das ist der Grund, warum wir zerstört und ausgelöscht werden. Und das geschieht im Europa des 21. Jahrhunderts.» Nicht nur der russische Präsident Wladimir Putin, auch die für Gräueltaten verantwortlichen russischen Militärs müssten auf der Grundlage geltenden Rechts zur Rechenschaft gezogen werden.

    Selenskyj zeigte Fassungslosigkeit angesichts der Gewalt. «Wenn wir Menschen finden, deren Hände auf dem Rücken gefesselt sind und die enthauptet wurden, dann verstehe ich das nicht.» Den «Verbrechern» reiche es nicht, Kinder zu töten, sie würden sie noch dazu foltern.

    In der ukrainischen Stadt Butscha, 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew, bietet sich nach dem Rückzug der russischen Armee ein Bild des Grauens.
    Bild: dpa
  • 17.34 Uhr
    Italiens Regierungschef Draghi zu Butscha: Von Massakern erschüttert

    Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hat sich erschüttert geäussert über die Berichte von Gräueltaten russischer Soldaten an Zivilisten im ukrainischen Butscha und Konsequenzen für Russland gefordert. «Die Bilder der Verbrechen aus Butscha und anderen vom ukrainischen Heer befreiten Gebieten sind erschütternd», sagte der Regierungschef in Rom in einer Mitteilung vom Sonntag. «Die Grausamkeit der Massaker an hilflosen Zivilisten ist furchtbar und unerträglich.» Italien verurteile entschieden «diesen Horror» und spreche den Ukrainern seine Nähe und Solidarität aus.

    «Die Russen müssen sofort die Kriegshandlungen einstellen, die Gewalt gegen Zivilisten stoppen und für das Geschehene geradestehen», sagte Draghi weiter.

  • 17.23 Uhr
    Angelina Jolie besucht ukrainische Kinder in Vatikan-Klinik

    US-Schauspielerin Angelina Jolie («Mr. & Mrs. Smith») hat ukrainische Kinder im Vatikan-Kinderspital Bambino Gesù besucht. Die 46-Jährige sei am Mittwoch in die Klinik in Rom gekommen, wie das Spital am Donnerstag auf Facebook schrieb.

    In der Einrichtung werden Kinder behandelt, die wegen des Konflikts in der Ukraine nach Italien flüchteten. Auch Papst Franziskus besuchte die kleinen Patienten bereits. «Ich bete für ein Ende des Krieges», sagte die UN-Sondergesandte Jolie der Klinik zufolge. Dies sei der einzige Weg, um das Leiden und die Flucht aus dem Konfliktgebiet zu beenden.

    «Es ist schrecklich, Kinder zu sehen, die mit verlorenen Leben, geschädigter Gesundheit und Traumata den Preis dafür bezahlen», erklärte der Hollywood-Star weiter. Die Ex-Frau von Schauspieler Brad Pitt engagiert sich bereits seit Jahren über die UN-Organisation UNHCR für Flüchtlinge. Sie besuchte dafür zahlreiche Länder in Afrika und Asien. In Italien kamen nach jüngsten Angaben des Innenministeriums seit dem Kriegsausbruch Ende Februar bisher rund 30’000 Minderjährige aus der Ukraine an.

    Angelina Jolie besucht ein ukrainisches Kind im Vatikan-Kinderspital.
    Bild: dpa
  • 16.59 Uhr
    Russen melden Explosion in Dorf nahe Belgorod

    Nach einem Angriff auf ein Öllager nahe der russischen Stadt Belgorod vor wenigen Tagen soll es in dem Gebiet an der ukrainischen Grenze erneut zu einer Explosion gekommen sein. «Es gab einen Knall, Trümmer fielen auf den Boden», schrieb der Verwaltungschef des Stadtbezirks Jakowlewski, Oleg Medwedew, am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Es habe keine Verletzten gegeben.

    Der Verwaltungschef machte keine Angaben zu den Hintergründen des Vorfalls in dem Dorf Tomarowk. Die Trümmerteile würden untersucht und abtransportiert. Diese Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen. Am Freitag sollen nach russischer Darstellung zwei ukrainische Kampfhubschrauber in den russischen Luftraum eingedrungen sein und dann Luftschläge gegen das Öllager verübt haben. Die Ukraine gab eine Beteiligung nicht zu.

  • 16.56 Uhr
    Macron will Russland wegen Butscha zur Verantwortung ziehen

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will nach der Entdeckung zahlreicher getöteter Zivilisten in der Umgebung der ukrainischen Hauptstadt Kiew Russland zur Verantwortung ziehen. Die Bilder aus der Stadt Butscha mit «Hunderten feige ermordeter Zivilisten auf den Strassen» seien unerträglich, schrieb der Staatschef am Sonntag auf Twitter. «Die russischen Behörden müssen sich für diese Verbrechen verantworten.»

  • 16.28 Uhr
    Stoltenberg entsetzt über «Brutalität gegen Zivilisten»

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich entsetzt über den Tod zahlreicher Menschen in der Kiewer Vorstadt Butscha gezeigt. «Es ist eine Brutalität gegen Zivilisten, wie wir sie in Europa seit Jahrzehnten nicht gesehen haben», sagte Stoltenberg dem Sender CNN. «Es ist entsetzlich und absolut inakzeptabel, dass Zivilisten angegriffen und getötet werden.» Das unterstreiche die Notwendigkeit, dass der Krieg beendet werde und die Verantwortlichen für Gräueltaten zur Verantwortung gezogen würden.

    Nach dem Rückzug russischer Truppen aus dem Nordwesten der ukrainischen Hauptstadt sorgten Aufnahmen von Leichen auf den Strassen von Butscha international für Entsetzen.

    Stoltenberg sagte mit Blick auf den Abzug der russischen Truppen aus der Umgebung von Kiew: «Was wir sehen, ist kein wirklicher Rückzug, sondern wir sehen, dass Russland seine Truppen neu positioniert.» Man dürfe nicht zu optimistisch sein. «Die Angriffe werden weitergehen», sagte der Nato-Generalsekretär. «Wir sind auch besorgt über mögliche verstärkte Angriffe, vor allem im Süden und im Osten.»

  • 16.02 Uhr
    Litauischer Dokumentarfilmer Kvedaravicius in Mariupol getötet

    Beim Versuch, die von russischen Truppen belagerte ukrainische Stadt Mariupol zu verlassen, ist der litauische Regisseur Mantas Kvedaravicius getötet worden. Dies teilte der Pressedienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums am Sonntag im Onlinenetzwerk Twitter mit. Zuvor hatte bereits der russische Filmemacher Vitali Manski über den Tod seines 45-jährigen Kollegen berichtet. Dieser Er sei «mit der Kamera in der Hand» getötet worden, schrieb Manski im Internetdienst Facebook.

    Das litauische Aussenministerium zeigte sich «schockiert» über die Nachricht. Kvedaravicius sei in der Hafenstadt im Südosten der Ukraine gewesen, um «russische Kriegsgräuel zu dokumentieren». Mit seinem Film «Mariupolis» hatte er bereits die Belagerung Mariupols im Jahr 2014 durch russische Truppen dokumentiert. Der Film lief 2016 auf der Berlinale.

  • 15.44 Uhr
    US-Aussenminister Blinken entsetzt über Gräueltaten in Butscha

    US-Aussenminister Antony Blinken hat sich entsetzt über die Gräueltaten in der ukrainischen Stadt Butscha bei Kiew geäussert. «Man kann nicht anders, als diese Bilder als einen Schlag in die Magengrube zu sehen», sagte Blinken am Sonntag dem Sender CNN. Der Minister verwies darauf, dass die US-Regierung bereits im vergangenen Monat zu dem Schluss gekommen sei, dass russische Truppen in der Ukraine Kriegsverbrechen begingen. «Das ist die Realität, die sich jeden Tag abspielt, solange Russlands Brutalität gegen die Ukraine anhält. Deshalb muss es ein Ende haben.»

  • 14.52 Uhr
    Papst ruft zu Gebet für Ukraine auf

    Am letzten Tag seines Maltabesuchs hat Papst Franziskus Zusammenhalt mit der Ukraine gefordert. «Beten wir für den Frieden und denken an die humanitäre Tragödie der gemarterten Ukraine», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag in Floriana am Ende der Messfeier. Der Heilige Vater wich an dieser Stelle von seinem ursprünglichen Redetext ab. Das Land stehe immer noch unter Bombardierungen dieses «sakrilegischen Krieges», erklärte der 85-Jährige weiter.

    20’000 Menschen kamen dem Vatikan zufolge auf den grossen Platz Granaries Square in dem Vorort der Hauptstadt Valletta. Die Behörden des mehrheitlich katholischen Landes – das kleineste der EU – schätzten die Zahl niedriger ein.

    Bereits am Vortag sorgte der Papst mit deutlichen Worten in Richtung der Kriegsakteure und dem Erwägen einer Kiew-Reise für grosses Aufsehen. «Einige wenige Mächtige» provozieren und schüren nach den Worten des Heiligen Vaters Konflikte und schreiten eigenmächtig auf der Suche nach Einflusszonen voran. «Wir dachten, dass Invasionen aus anderen Ländern, brutale Strassenkämpfe und atomare Bedrohungen dunkle Erinnerungen an eine ferne Vergangenheit seien», erklärte der Argentinier.

    epa09867448 Pope Francis greets the crowd from his popemobile upon arrival to celebrate his Papal Mass at the Granaries in Floriana, Malta, 03 April 2022. The pontiff is on a two-day official visit to Malta from 02 to 03 April 2022.  EPA/DOMENIC AQUILINA
    Der Krieg braute sich laut Papst Franziskus (Foto) seit langem mit grossen Investitionen und Waffengeschäften zusammen. Kremlchef Wladimir Putin, Russland oder andere Konfliktparteien nannte der Papst während seiner Malta-Reise zwar nicht, jedoch hielten Beobachter seine Rede vor dem Diplomatenkorps am Samstag für bislang am deutlichsten mit Blick auf Russland.
    Bild: EPA
  • 14.34 Uhr
    Elf ukrainische Bürgermeister von russischen Streitkräften entführt

    Nach Angaben aus Kiew sind seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine elf Bürgermeister entführt worden. Amtsträger aus Gemeinden in den Regionen Kiew, Cherson, Charkiw, Saporischschja, Mykolajiw und Donezk befänden sich in russischer «Gefangenschaft», erklärte die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Sonntag. Die Bürgermeisterin von Motyschyn bei Kiew, Olga Suchenko, sowie deren Mann seien von russischen Soldaten festgenommen und dann getötet worden.

    Die ukrainische Staatsanwaltschaft hatte die Entführung von Suchenko und ihrem Mann vor einer Woche bekanntgegeben.

    «Wir informieren das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die UNO und alle möglichen Organisationen, genau wie bei den anderen verschwundenen Zivilisten», erklärte Wereschtschuk. Sie fordere «alle auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sie zurückzuholen».

  • 14.29 Uhr
    Von der Leyen entsetzt über Leichenfunde

    EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat sich nach der Entdeckung zahlreicher getöteter Zivilisten in der Region um Kiew entsetzt gezeigt. «Eine unabhängige Untersuchung ist dringend erforderlich», schrieb die Politikerin am Sonntag auf Twitter. Zugleich versicherte sie, dass die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen würden. In Butscha nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew waren nach dem Rückzug der russischen Armee zahlreiche Tote gefunden worden.

  • 14.05 Uhr
    Fast 23'000 Ukraine-Flüchtlinge in der Schweiz registriert

    In der Asylzentren des Bundes sind seit Samstag 1253 Geflüchtete aus der Ukraine registriert worden. Im gleichen Zeitraum erhielten 1608 Personen den Schutzstatus S.

    Die Gesamtzahl der Registrierten stieg damit auf 22'953 Personen, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Sonntag via Twitter mitteilte. Seit der Bundesrat den Schutzstatus S aktiviert hat, wurde dieser insgesamt 16'800 Menschen gewährt.

    Nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind bisher rund 4,2 Millionen Menschen vor dem russischen Angriff auf die Ukraine ins Ausland geflohen. Ungefähr 6,5 Millionen Menschen wurden innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben.

  • 13.42 Uhr
    Gewalt gegen Zivilisten: EU plant härtere Sanktionen gegen Moskau

    Die Deutsche Regierung hat als Reaktion auf die Funde zahlreicher Leichen im ukrainischen Ort Butscha härtere Sanktionen gegen Moskau und weitere Militärhilfen für Kiew angekündigt. Die Bilder der «hemmungslosen Gewalt» aus dem Vorort der Hauptstadt Kiew nach dem Rückzug der russischen Truppen seien «unerträglich», schrieb die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. «Die Verantwortlichen für diese Kriegsverbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.»

    Die «hemmungslose Gewalt» des russischen Präsidenten Wladimir Putin «löscht unschuldige Familien aus und kennt keine Grenzen», schrieb Baerbock. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck  sagte der «Bild»-Zeitung (Montagsausgabe): «Dieses furchtbare Kriegsverbrechen kann nicht unbeantwortet bleiben.» Er halte eine Verschärfung der Sanktionen für angezeigt. Dies werde mit «unseren Partnern in der EU» vorbereitet.

    Ähnlich hatte sich zuvor schon EU-Ratspräsident Charles Michel geäussert. Dieser zeigte sich in einem Tweet «schockiert» angesichts des mutmasslich von russischen Soldaten verübten Massakers und kündigte weitere EU-Sanktionen und Unterstützung an.

    Ukrainian soldiers collect bodies of civilians killed by the Russian forces at the destroyed bridge in Irpin close to Kyiv, Ukraine, Thursday, March 31, 2022. The more than month-old war has killed thousands and driven more than 10 million Ukrainians from their homes including almost 4 million from their country. (AP Photo/Efrem Lukatsky)
    Ukrainische Soldaten sammeln Ende März die Leichen von Zivilisten, die in Irpin bei Kiew getötet wurden.
    Bild: Keystone
  • 13.36 Uhr
    Kiew: Russische Aktionen «sehen exakt wie Kriegsverbrechen aus»

    Der Sprecher von Präsident Wolodymyr Selenskyj Sergei Nikiforov hat erklärt, nach dem Rückzug russischer Soldaten aus verschiedenen Gebieten der Ukraine, sähen viele ihrer Aktionen «genau wie Kriegsverbrechen aus». Vorgefunden habe man etwa die Leichen hingerichteter Zivilisten und auch Massengräber, sagte Nikiforov laut dem «Guardian» in einer Sendung der britischen BBC. 

    Weiter sagte der Regierungs-Sprecher, die Szenen seien schwer zu beschreiben. «Wir haben Massengräber gefunden. Wir fanden Menschen mit gefesselten Händen und gefesselten Beinen … und mit Schüssen in den Hinterkopf.» Bei den Toten habe es sich eindeutig um Zivilisten gehandelt, so Nikiforov. Auch habe man halb verbrannte Leichen gefunden. Er wertete das als Indiz dafür, dass jemand versucht habe, ein Verberchen zu vertuschen, aber nicht genug Zeit gehabt habe, es zu vollenden.

    02.04.2022, Ukraine, Bucha: Ein ukrainischer Soldat geht entlang von Leichen auf einer zerstörten Straße in Bucha. Fast 300 Zivilisten wurden entlang der Straße in Bucha, einer Pendlerstadt außerhalb der Hauptstadt, getötet. Die meisten Opfer versuchten, den Fluss Buchanka zu überqueren, um in das ukrainisch kontrollierte Gebiet zu gelangen, und wurden dabei getötet. Russland ist am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert und hat damit den größten Militärangriff in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Foto: Mykhaylo Palinchak/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
    Ein ukrainischer Soldat geht am 2. April 2022 entlang von Leichen auf einer zerstörten Strasse in Butscha. Fast 300 Zivilisten wurden angeblich entlang der Strasse in der Pendlerstadt ausserhalb der Hauptstadt, getötet. 
    Mykhaylo Palinchak/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
  • 13.12 Uhr
    Mehr als 300'000 Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland

    Die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland hat nach offiziellen Angaben die Marke von 300'000 überschritten. Wie das Bundesinnenministerium am Sonntag mitteilte, erfasste die Bundespolizei seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 303'474 Kriegsflüchtlinge. Überwiegend handelt es sich um Frauen, Kinder und alte Menschen. Binnen 24 Stunden kamen mehr als 3600 Neuankömmlinge hinzu.

    Vermutet wird, dass die tatsächliche Zahl der Flüchtlinge deutlich höher liegt, da es an den Grenzen keine festen Kontrollen gibt und sich Menschen mit ukrainischem Pass sich 90 Tage lang ohne Visum in der EU aufhalten dürfen. Die meisten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind im Nachbarland Polen: mehr als 2,4 Millionen Menschen.

    A volunteer in a red vest helps refugees from the Ukraine after they arrived at the main train station in Berlin, Germany, Wednesday, March 16, 2022. The Ukraine war has turned the basement of BerlinâÄ™s glass-and-steel main train station into a sprawling refugee town where a small army of volunteers in yellow and orange vests offer everything from shampoo to cell phone chargers to exhausted refugees. Sign in the background reads: Berlin Main Station. (AP Photo/Markus Schreiber)
    Am Hauptbahnhof in Berlin sind Mitte März Flüchtlinge in der Ukraine angekommen. (Archiv)
    Bild: Keystone
  • 12.12 Uhr
    Kiews Bürgermeister wirft Russland Völkermord vor

    Nach dem Rückzug russischer Truppen aus dem Gebiet rund um die ukrainische Hauptstadt Kiew sorgen Fotos von getöteten Menschen in der zurückeroberten Stadt Butscha für Entsetzen. «Das, was in Butscha und anderen Vororten von Kiew passiert ist, kann man nur als Völkermord bezeichnen», sagte der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko am Sonntag der «Bild». Zugleich machte er Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich dafür verantwortlich. «Es sind grausame Kriegsverbrechen, die Putin dort zu verantworten hat. Zivilisten, die mit verbundenen Händen erschossen wurden.»

    Klitschko forderte: «Für die ganze Welt und insbesondere Deutschland kann es nur eine Konsequenz geben: Kein Cent darf mehr nach Russland gehen, das ist blutiges Geld, mit dem Menschen abgeschlachtet werden.» Ein Embargo auf russisches Gas und Öl müsse sofort kommen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau nahm zu den Vorwürfen zunächst nicht Stellung.

  • 11.57 Uhr
    Ukraine will neuen Anlauf zu Evakuierung aus Mariupol starten

    Gemeinsam mit dem Roten Kreuz will die Ukraine an diesem Sonntag einen neuen Versuch zur Evakuierung von Menschen aus der belagerten Hafenstadt Mariupol unternehmen. «Sieben Busse werden versuchen, näher an Mariupol heranzukommen», teilte Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk im Nachrichtenkanal Telegram mit. Diese Busse würden von Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz begleitet.

    In der umkämpften und inzwischen auch schwer beschädigten Stadt halten sich nach Schätzungen noch etwa 100 000 Einwohner auf. In den vergangenen Tagen hatte es schon mehrere Versuche gegeben, Mariupol zu erreichen. Russland wirft dem Roten Kreuz vor, die Evakuierung schlecht vorbereitet zu haben. Am Samstag habe ein Konvoi aus unbekannten Gründen mit grosser Verspätung nicht einmal die Stadt Berdjansk als geplante Zwischenstation erreicht, hiess es aus Moskau.

    Wereschtschuk zufolge standen am Sonntag 17 Busse in der Nähe von Berdjansk bereit. Zehn davon seien für die Einwohner von Mariupol bestimmt. Wenn die Busse nicht durchkämen, sollten sie in Berdjansk warten. Zudem sei über einen anderen Fluchtweg die Fahrt mit privaten Pkw von Mariupol in das nordwestlich gelegene Saporischschja möglich.

  • 11.46 Uhr
    EU will Untersuchung von russischen «Gräueltaten» unterstützen

    Die EU will nach Angaben von Ratspräsident Charles Michel die Untersuchung von «Gräueltaten» der russischen Armee in Vororten von Kiew unterstützen. Michel zeigte sich am Sonntag im Onlinedienst Twitter «erschüttert» über Bilder aus dem ukrainischen Ort Butscha und sprach von einem «Massaker». Die EU werde bei der «Sammlung der notwendigen Beweise für die Verfolgung vor internationalen Gerichten» helfen, kündigte er an.

  • 11.22 Uhr
    London macht Russland für Minen im Schwarzen Meer verantwortlich

    Grossbritannien hat Russland für Seeminen verantwortlich gemacht, die im Schwarzen Meer gesichtet wurden. Die Minen seien «beinahe sicher bedingt durch die russischen See-Aktivitäten in der Gegend», heisst es in einem am Sonntag veröffentlichten Bericht des Verteidigungsministeriums in London. Das Ministerium schränkte ein, dass es keine hundertprozentige Sicherheit dafür gebe. Die Gefahr durch die Minen zeige aber, wie Russland mit seinem Angriff auf die Ukraine die Interessen ziviler oder neutraler Parteien beeinträchtige.

    Nach Erkenntnissen der britischen Geheimdienste halten russische Seestreitkräfte weiterhin ihre Blockade der ukrainischen Küste aufrecht. Die russischen Truppen seien auch in der Lage, mit Amphibien-Fahrzeugen an Land zu gehen. Ein solcher Einsatz sei aber zunehmend «hochriskant», weil die Ukrainer inzwischen Zeit zur Vorbereitung hatten, hiess es in der Mitteilung weiter.

    Einem Bericht der «Sunday Times» zufolge arbeitet die britische Regierung derzeit daran, der Ukraine Waffensysteme zur Verteidigung gegen Schiffe zur Verfügung zu stellen. Der russische Botschafter in London, Andrej Kelin, warnte davor. Einem Bericht der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge kündigte er an, entsprechende Lieferungen würden zu einem «legitimen Ziel» russischer Truppen werden, sobald sie ukrainisches Gebiet erreichten.

  • 10.49 Uhr
    Russland greift Raffinerie und Treibstofflager bei Odessa an

    Russland hat nach eigenen Angaben Ziele nahe der ukrainischen Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer angegriffen. Von Schiffen und Flugzeugen aus seien Raketen auf eine Ölraffinerie und drei Treibstofflager abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntag in Moskau mit. Der Stadtrat der Metropole mit etwa einer Million Einwohnern hatte zuvor schon von Bränden im Stadtgebiet berichtet.

    Nach russischen Angaben wurden in der Nacht zum Sonntag in der Ukraine insgesamt 51 Militäreinrichtungen getroffen, darunter vier Kommandoposten und zwei Raketenabwehrsysteme. Diese Angaben liessen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Seit Beginn des Kriegs am 24. Februar soll die russische Armee nach eigener Darstellung insgesamt 125 ukrainische Flugzeuge und 88 Hubschrauber, 383 Drohnen, 221 Raketenabwehrsysteme sowie 1903 Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge zerstört haben.

    Moskau behauptet, nur militärische Ziele im Nachbarland anzugreifen. Dagegen wirft die Ukraine Russland vor, auch zivile Infrastruktur und Wohngebiete unter Beschuss zu nehmen.

    Feuer nach russischem Beschuss auf eine Raffinerie und Treibstofflager im ukrainischen Odessa.
    Keystone
  • 10.15 Uhr
    Russland pumpt weiter Gas durch Ukraine

    Der russische Staatskonzern Gazprom setzt nach eigenen Angaben seine Gaslieferungen durch die Ukraine in Richtung Westen in großem Umfang fort. Ungeachtet des Kriegs sollen an diesem Sonntag 108,4 Millionen Kubikmeter durch das Leitungssystem des Nachbarlands gepumpt werden, wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mitteilte. Dies entspricht nach russischen Angaben der bestellten Menge. Am Samstag waren es Gazprom zufolge 108,1 Millionen Kubikmeter. Die vertraglich mögliche maximale Auslastung liegt bei 109 Millionen.

    Damit gingen auch am Wochenende die russischen Lieferungen nach der Umstellung der Zahlungen auf Rubel weiter.

  • 9.28 Uhr 
    Moskau dämpft Hoffnungen auf Treffen der Präsidenten

    Russland hat Hoffnungen der Ukraine auf ein baldiges Spitzentreffen der beiden Präsidenten Wladimir Putin und Wolodymyr Selneknskyj zur Beendigung des Kriegs gedämpft. Es gebe noch viel zu tun, sagte der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski am Sonntag der Nachrichtenagentur Interfax. «Ich teile leider nicht den Optimismus von Arachamija.» Zuvor hatte der ukrainische Chefunterhändler David Arachamija im ukrainischen Fernsehen von einem möglicherweise baldigen Treffen der beiden Staatschefs gesprochen.

    Die Entwürfe der entsprechenden Dokumente seien bereits so weit fortgeschritten, dass ein «direktes Gespräch der beiden Staatschefs» möglich sei, sagte Arachimija. Die Ukraine hatte auch schon Zugeständnisse angedeutet. Der russische Chefunterhändler Medinski betonte hingegen, dass Russlands Position in Bezug auf die Krim und den Donbass «unverändert» sei.

  • 7.55 Uhr
    Reihe von Explosionen aus Odessa gemeldet

    Aus der strategisch wichtigen ukrainischen Küstenstadt Odessa sind am Sonntag mehrere Explosionen gemeldet worden. Die Detonationen in der Stadt am Schwarzen Meer im Südwesten des Landes waren am frühen Morgen zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. Zudem waren mindestens drei schwarze Rauchsäulen und Flammen vermutlich über einem Industriegebiet zu sehen. Die Metropole ist der grösste Hafen der Ukraine und zentral für die Wirtschaft des gesamten Landes.

    Es war nicht sofort klar, ob es sich um Beschuss durch russische Kampfflugzeuge oder um andere Raketen handelte. «Odessa wurde aus der Luft angegriffen», erklärte der Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Heraschtschenko. «In einigen Gebieten wurden Brände gemeldet. Ein Teil der Raketen wurde von der Luftabwehr abgeschossen. Es wird empfohlen, die Fenster zu schliessen».

    Am Samstag hatte die ukrainische Armee nach eigenen Angaben nach wochenlangen Kämpfen die Region um die Hauptstadt Kiew und weitere Gebiete im Norden wieder vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die Militärführung ging davon aus, dass sich die russischen Truppen in der Folge mehr auf den Süden und Osten des Landes konzentrieren würden.

  • 5.01 Uhr 
    Kiews Bürgermeister appelliert an Hilfe der Schweiz

    Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat in einem Interview an die Hilfe der Schweiz appelliert. Die Ukraine kämpfe auch für die demokratischen Werte der Schweiz. Er bat darum, der Ukraine zu helfen und beizustehen. Es zeichne sich eine humanitäre Katastrophe ab.

    Die Russen hätten die Infrastruktur zerstört, die Logistik sei zusammengebrochen. Zudem seien viele Versorgungswege in die Stadt Kiew versperrt, sagte Klitschko in einem Interview mit der «SonntagsZeitung», das per Video geführt wurde. Sie würden Hilfsgüter an Frauen und ältere Menschen verteilen. Die Supermärkte würden zwar noch funktionieren, es sei aber gefährlich, auf die Strasse zu gehen.

    Klitschko sagte, dass es noch Reserven für ein paar Wochen gebe. Aber im Osten der Ukraine zeichne sich eine «riesige humanitäre Katastrophe» ab. «Wir brauchen Reserven an Lebensmitteln und Medikamente. Wir sind weiter auf jede Hilfe angewiesen», sagte Klitschko im Interview.

    Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat in einem Interview die Schweiz um weitere Hilfe gebeten. In der Ukraine zeichne sich eine humanitäre Katastrophe ab. (Archivbild)
    Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat in einem Interview die Schweiz um weitere Hilfe gebeten. (Archiv)
    Bild: Keystone
  • 4.32 Uhr
    Kiews Präsidentenberater: Viele tote Zivilisten in Butscha

    Ukrainische Truppen haben in der zurückeroberten Stadt Butscha nordwestlich von Kiew Dutzende tote Zivilisten entdeckt. Viele von ihnen seien von russischen Soldaten erschossen worden, twitterte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Samstagabend. «Sie waren nicht beim Militär, sie hatten keine Waffen, sie stellten keine Bedrohung dar», schrieb er. «Wie viele derartige Fälle ereignen sich gerade in den besetzten Gebieten?»

    Auf einem Foto, das Podoljak in seinem Tweet teilte, waren erschossene Männer zu sehen, bei einem von ihnen waren die Hände auf dem Rücken gefesselt. Die Echtheit des Bildes konnte nicht unabhängig geprüft werden. Auch weitere Berichte ukrainischer Medien über vermeintliche Gräueltaten russischer Soldaten konnten nicht unabhängig überprüft oder bestätigt waren.

    Die Behörden beerdigten unterdessen rund 280 Zivilisten in Butscha in einem Massengrab. Die Leichen konnten während der russischen Besatzungszeit nicht beigesetzt werden, verlautete nach Angaben der «Ukrajinksa Prawda» aus der Verwaltung.

    Ukrainische Soldaten rücken am 2. April 2022 im Kiewer Vorort Butscha vor. 
    Bild: Keystone
  • 3.57 Uhr
    Ex-Botschafter schätzt Chance der Schweiz auf Vermittlerrolle gering ein

    Der ehemalige Schweizer Botschafter in Moskau, Yves Rossier, schätzt die Chancen, dass die Schweiz im Ukraine-Krieg noch für eine Vermittlerrolle in Frage kommt, als gering ein.  Die Schweiz hatte bereits seit Beginn des Angriffskriegs ihre Rolle als Vermittlerin angeboten. Nun scheint diese Rolle aber die Türkei übernommen zu haben, wo nun Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Vertretern stattfinden. Die Türkei habe das geschickt eingefädelt, sagte Rossier im Interview mit der «SonntagsZeitung».

    Yves Rossier hat beim EDA gekündigt. (Archivbild)
    Yves Rossier war von 2016 bis 2020 Botschafter der Schweiz in Moskau. (Archiv)
    Bild: Keystone/AP/PAVEL GOLOVKIN
  • 3 Uhr
    Polens Vize Regierungschef offen für Stationierung von US-Atomwaffen

    Polens Vize-Regierungschef Jaroslaw Kaczynski ist offen für eine Stationierung amerikanischer Atomwaffen in seinem Land. «Wenn die Amerikaner uns bitten würden, US-Atomwaffen in Polen einzulagern, so wären wir dafür aufgeschlossen. Es würde die Abschreckung gegenüber Moskau deutlich verstärken», sagte der nationalkonservative Politiker der «Welt am Sonntag». Im Moment stelle sich diese Frage nicht, «aber das kann sich bald ändern». Die Initiative müsste von den Amerikanern ausgehen, sagte er. Aber grundsätzlich ergebe es Sinn, die nukleare Teilhabe auf die Nato-Ostflanke auszuweiten.

    Auch würde es Polen nach Kaczynskis Worten begrüssen, wenn die Amerikaner künftig ihre Präsenz in Europa wegen der zunehmenden Aggressivität Russlands von derzeit 100 000 Soldaten auf 150 000 Soldaten erhöhen würden. Davon sollten nach seiner Ansicht 75 000 Soldaten fest an der Ostflanke, also an den Grenzen zu Russland, stationiert werden, 50 000 Soldaten alleine im Baltikum und in Polen. Er sagte: «Soldaten der Nuklearmacht Amerika schrecken Russland am stärksten von einem Angriff auf die Nato-Länder ab und geben uns am meisten Sicherheit.»

    Der polnische Vizeregierungschef Jaroslaw Kaczynski.
    Der polnische Vizeregierungschef Jaroslaw Kaczynski. (Archiv)
    Bild: Uncredited/Pressebüro des ukrainischen Präsidenten via AP/dpa
  • 1.47 Uhr
    London sagt Ukraine weitere Unterstützung zu

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vom britischen Premier Boris Johnson die Zusage für weitere Unterstützung im Kampf gegen die russische Armee erhalte. «Eine sehr spürbare Unterstützung», sagte Selenskyj dazu in der Nacht zum Sonntag. «Wir haben uns über eine neue Unterstützung für die Verteidigung der Ukraine unterhalten, ein neues Paket», fasste der ukrainische Staatschef das Gespräch mit Johnson zusammen. Details nannte er aber nicht.

    Aus der Downing Street verlautete zu dem Telefonat, dass Johnson «Unterstützung für die Verteidigungsbemühungen zugesagt» habe. «Beide waren sich einig über die Bedeutung weiterer Sanktionen, um den wirtschaftlichen Druck auf (Präsident Wladimir) Putins Kriegsmaschinerie zu erhöhen, solange sich noch russische Truppen auf ukrainischem Gebiet befinden», zitierte die Agentur PA einen Sprecher der Downing Street.

  • 0.40 Uhr
    Selenskyj erwartet Angriffe im Donbass und im Süden

    Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Umgebung der ukrainischen Hauptstadt Kiew rechnet Präsident Wolodymyr Selensky nunmehr mit russischen Angriffen im Donbass und im Süden des Landes. «Was ist das Ziel der russischen Armee? Sie wollen sowohl den Donbass als auch den Süden der Ukraine erobern», sagte Selenskyj in einer Videobotschaft in der Nacht zum Sonntag. «Und was ist unser Ziel? Wir wollen uns, unsere Freiheit, unser Land und unsere Menschen schützen.»

    Um den russischen Plänen entgegenzuwirken, werde die Abwehr der ukrainischen Streitkräfte in östlicher Richtung verstärkt. «Und das wohl wissend, dass der Feind Reserven hat, um den Druck zu verstärken.» Zugleich verfolgten ukrainische Einheiten die nördlich von Kiew und bei Tschernihiw zurückweichenden russischen Truppen, sagte Selenskyj. Auch sorge der Kampf um die «heroische» Hafenstadt Mariupol dafür, dass grosse russische Verbände gebunden seien.

  • 0.18 Uhr
    Russland will Fluchtkorridore für Ausländer öffnen

    Das russische Militär hat für Sonntag die Öffnung von Fluchtkorridoren für Ausländer in den Hafenstädten Mariupol und Berdjansk am Asowschen Meer angekündigt. Wie Generalmajor Michail Misinzew in der Nacht nach Angaben der Agentur Tass sagte, könnten Ausländer die schwer umkämpfte Hafenstadt Mariupol in Richtung Berdjansk verlassen.

    Auch die in der besetzten Hafenstadt Berdjansk lebenden ausländischen Staatsb&#x