Schweiz für den Ernstfall gewappnetEbola-Ausbruch in Teilen von Afrika – die 7 wichtigsten Fragen und Antworten
Lea Oetiker
21.5.2026
Seltene Variante des Ebola-Virus: «Ich habe Angst zu sterben» – Kongolesen fürchten neuen Ebola-Ausbruch
Die Angst vor Ebola breitet sich im Osten des Kongos rasant aus. Nach zahlreichen Todesfällen wegen des seltenen Bundibugyo-Stamms tragen viele Menschen wieder Schutzmasken – und erinnern sich mit Schrecken an frühere Epidemien.
20.05.2026
In der Demokratischen Republik Kongo und Uganda breitet sich eine spezielle Ebola-Variante aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Situation.
Die WHO hat wegen des Ebola-Ausbruchs im Kongo und in Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen, nachdem bereits Hunderte Verdachtsfälle und viele Todesfälle gemeldet wurden.
Besonders gefährlich ist die seltene Bundibugyo-Variante, gegen die es bisher weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine gezielte Therapie gibt.
Trotz schwieriger Bedingungen vor Ort unterstützen internationale Organisationen mit medizinischen Hilfsgütern und Experten, während Fachleute das Risiko einer Ausbreitung nach Europa derzeit als gering einschätzen.
Am Sonntag rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen eines Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda eine internationale Gesundheitsnotlage aus. blue News beantwortet dir die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist passiert?
Letzte Woche wurden erste Ebola-Fälle aus der Demokratischen Republik Kongo gemeldet. Aktuell ist vor allem die Provinz Ituri im Nordosten des Kongo betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete mehrere Hundert Verdachtsfälle, darunter auch viele Todesopfer. Auch aus Uganda wurden Fälle gemeldet.
Die WHO hat am Sonntag einen internationalen Gesundheitsalarm ausgerufen. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, er sei «sehr besorgt» über die Ausbreitung des Virus.
Was ist Ebola überhaupt?
Einfach erklärt: Ebola ist eine hochansteckende und häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die durch das Ebola-Virus ausgelöst wird. Insgesamt sind fünf verschiedene Virusarten bekannt, darunter der Zaire-Stamm, das Sudan-Ebola-Virus und das Bundibugyo-Virus.
Ebola-Viren gehören zu den sogenannten zoonotischen Erregern. Das bedeutet: Ein Ausbruch beginnt in der Regel mit der Übertragung vom Tier auf den Menschen. In der Folge verbreitet sich die Krankheit meist von Mensch zu Mensch, dafür ist direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder engem Körperkontakt erforderlich.
In der Demokratischen Republik Kongo ist das gefährliche Ebola-Fieber ausgebrochen. Behörden sind in Sorge. (Archivbild)
Bild:Keystone/AP/Jerome Delay
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen, beträgt 2 bis 21 Tage, im Durchschnitt 6 bis 10 Tage. Die ersten Krankheitszeichen sind unspezifisch und ähneln einer Grippe: Fieber, Unwohlsein, Müdigkeit und Gliederschmerzen. Im weiteren Verlauf können Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Hautausschläge, Atemnot oder Verwirrtheit auftreten.
Der erste bekannte Ebola-Ausbruch wurde 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, registriert. Benannt ist das Virus nach einem Fluss in der betroffenen Region.
Um welche Variante geht es?
Im aktuellen Fall geht es um die seltene Bundibugyo-Variante (BDBV). Für diese gibt es weder einen Impfstoff noch eine Therapie. Deshalb ist sie auch so gefährlich. Laut dem Robert-Koch-Institut, der biomedizinischen Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung, gebe es einen Impfstoff-Kandidaten, dieser sei jedoch noch nicht zugelassen.
Woher die Viren stammen, ist nicht bekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sie durch den Verzehr von Fledermäusen oder durch Kontakt mit deren Ausscheidungen in den Menschen gelangen. Bislang wurde BDBV jedoch nicht in Fledermaus- oder Flughundpopulationen der betroffenen Regionen nachgewiesen.
Die Bundibugyo-Variante ist neben der Zaire- und Sudan-Variante eine der drei für Menschen pathogenen Typen des Ebola-Virus, die grosse Ausbrüche verursacht haben. Der Name leitet sich ab von der Region Bundibugyo in Uganda, wo diese Virusvariante erstmals 2007 registriert wurde.
Genetisch ist sie dem Zaire-Virus am ähnlichsten, die Erbgutsequenz weicht jedoch um etwa 30 Prozent ab. Daher wirken die Medikamente und Impfstoffe, die es inzwischen gegen die Zaire-Form von Ebola gibt, bei der Bundibugyo-Variante nicht.
Hilfskräfte richten ein Ebola-Behandlungszentrum in Bunia, Kongo, ein.
Bild:Keystone
Nach Angaben des US-Gesundheitsinstitutes NIH hat die Bundibugyo-Variante eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent als beispielsweise die Zaire-Variante.
Bei einem Ausbruch des Zaire-Stamms in den Jahren 2014 und 2015 in Westafrika waren mehr als 11'000 Menschen gestorben. Beim letzten Ebola-Ausbruch in Kongo-Kinshasa starben in der südwestlichen Provinz Kasaï 45 Menschen zwischen September und Dezember 2025.
Menschen, die an der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus erkranken, entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder Malaria. Dies kann die Diagnose verzögern.
Laut dem kongolesischen Gesundheitsminister wurde die Entdeckung des Ebola-Ausbruchs zudem dadurch verzögert, dass die betroffenen Gemeinden zunächst an eine «mystische Krankheit» oder «Hexerei» geglaubt und sich daher nicht an Gesundheitseinrichtungen und die Behörden gewandt hätten.
Wie viele Personen sind betroffen?
Seit Beginn des jüngsten Ausbruchs wurden laut WHO mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmassliche Todesfälle registriert. Das sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. In der Provinz Ituri seien zudem 30 Infektionen bestätigt worden. Auch in Ugandas Hauptstadt Kampala gebe es einen bestätigten Fall sowie einen Todesfall.
Wie wird geholfen?
Seit dem offiziellen Ausbruch wurden innerhalb von 72 Stunden rund 11,5 Tonnen medizinische Hilfsgüter aus Kinshasa sowie aus Notfallzentren in Dakar und Nairobi in die betroffene Region geliefert. Mehr als 35 Experten und Ersthelfer der WHO sowie des Gesundheitsministeriums sind bereits im Einsatz, weitere Teams sollen folgen. Ziel ist es, Krankheitsüberwachung, klinische Versorgung, Infektionsprävention und die Aufklärung der Bevölkerung rasch auszubauen.
Unterstützt wird die Hilfe durch die UN-Mission Monusco, die Lufttransporte organisiert und den Zugang zu abgelegenen Gebieten erleichtert. Auch Ethiopian Airlines hilft mit angepassten Flugplänen bei der schnellen Lieferung von Hilfsgütern wie Schutzkleidung, medizinischen Sets, Zelten sowie Wasser- und Hygieneartikeln.
Deutschland hat zudem einen mit Ebola infizierten US-Arzt aufgenommen, der sich in der Demokratischen Republik Kongo angesteckt hatte. Er wurde mit einem Spezialflugzeug von Uganda nach Berlin gebracht und wird nun in der Charité behandelt. Zusätzlich wurden sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko nach Deutschland gebracht.
Ein Konvoi aus Polizei und Feuerwehrautos mit einem amerikanischen Ebola-Patienten aus dem Kongo kommt am Charité Campus Virchow Klinikum an.
Bild:Keystone
Anders als Deutschland hat die Schweiz bisher keine Anfragen für die Aufnahme von Ebola-Erkrankten erhalten. Das teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit.
Für den Ernstfall wäre die Schweiz aber gewappnet: Zuständig für Ebola-Patientinnen und -Patienten wären die Universitätsspitäler Genf und Zürich. Sie sind seit 2019 die nationalen Referenzspitäler für Ebola und ähnliche hoch ansteckende Krankheiten. Sie verfügten über die nötige Infrastruktur und geschultes medizinisches Personal, um im Ernstfall Patientinnen und Patienten aufnehmen zu können, so das BAG.
Mögliche Anfragen würden immer gemeinsam mit den Referenzspitälern evaluiert, hiess es weiter. Grund dafür sei der sehr hohe Bedarf an medizinischem und nicht-medizinischem Personal bei der Behandlung solcher Fälle.
Wie ist die Situation der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten?
Die Lebensbedingungen in den betroffenen Regionen erschweren die Eindämmung des Ebola-Ausbruchs erheblich. Viele Menschen lebten in Armut und in engem Kontakt mit möglichen tierischen Überträgern, oft ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, sagte Charité-Virologe Gertler am Montag gegenüber dem «Deutschlandfunk».
Zugleich sei die politische Lage von Gewalt geprägt: Marodierende Banden und Rebellengruppen verunsicherten die Bevölkerung und behinderten den Einsatz von Helfern, die teilweise selbst bedroht würden. Eine verlässliche Gesundheitsversorgung existiere vielerorts nicht, medizinische Behandlungen müssten häufig aus eigener Tasche bezahlt werden.
Die Hilfsorganisation «Ärzte ohne Grenzen» ist seit Beginn des Ausbruchs mit Notfallteams vor Ort. Man habe auf medizinisches Personal zurückgreifen können, das bereits in der Region tätig gewesen sei, sagte Christian Katzer, Geschäftsführer der deutschen Sektion, dem «Tagesspiegel».
Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung bereitet sich darauf vor, die Temperatur eines Besuchers zu messen, als vorbeugende Massnahme gegen Ebola am «National Institute of Biomedical Research» in Goma, Kongo.
Bild:Keystone
Dieses habe ursprünglich die Basisversorgung sichergestellt und Krankheiten wie Masern und Cholera behandelt. Zur Bekämpfung des aktuellen Ebola-Ausbruchs seien zusätzlich Spezialistenteams entsandt worden, die vor Ort weiteres Personal rekrutieren.
Eine ursächliche Therapie für den Bundibugyo-Virustyp gibt es bislang nicht. Die Behandlung beschränkt sich daher auf symptomlindernde Massnahmen wie Schmerz- und fiebersenkende Medikamente. Zudem habe «Ärzte ohne Grenzen» die Erfahrung gemacht, dass Therapien zur Stabilisierung des Flüssigkeitshaushalts – etwa Infusionen – den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können, so Katzer.
Kann sich Ebola auch in der Schweiz und Europa ausbreiten?
Eine weltweite Ausbreitung des Ebolavirus gilt nach Einschätzung von Fachleuten als sehr unwahrscheinlich. Der Erreger werde vor allem durch engen Körperkontakt übertragen und nach bisherigen Erkenntnissen erst dann weitergegeben, wenn Infizierte bereits Symptome zeigen. In diesem Stadium seien Erkrankte meist kaum noch reisefähig.
Entsprechend sieht die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC derzeit keinen Anlass zur grossen Sorge. Das Risiko, dass sich Europäer im Kongo infizieren, wird als gering eingestuft. Noch niedriger bewertet die Behörde die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung innerhalb Europas.
Unabhängig von der aktuellen Lage in Zentralafrika warnen Experten jedoch vor grundlegenden Defiziten im globalen Pandemieschutz. Das von WHO und Weltbank eingesetzte Global Preparedness Monitoring Board hält in seinem jüngsten Bericht fest: «Die Gesundheitsnotfälle der vergangenen zehn Jahre – von Ebola bis zu Mpox – zeigen, dass die Welt vor deren Auswirkungen nicht wesentlich sicherer geworden ist: Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten steigen, der Zugang zu medizinischen Gegenmassnahmen verschlechtert sich, die Finanzierung geht zurück, und die Gesellschaften werden ärmer, ungleicher und gespaltener.»