WHO schlägt Alarm Kein Gegenmittel: Wie gefährlich ist die Ebola-Epidemie?

dpa

19.5.2026 - 21:21

Mehr als 130 Tote innerhalb weniger Tage, Hunderte Verdachtsfälle und Angst vor einer weiteren Ausbreitung: Der neue Ebola-Ausbruch im Kongo versetzt Gesundheitsbehörden weltweit in Alarmbereitschaft.

DPA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo letzte Woche hat bislang mehr als 130 Menschenleben gefordert.
  • Die WHO rief wegen der schnellen Ausbreitung eine internationale Gesundheitsnotlage aus.
  • Besonders beunruhigend ist die seltene Virusvariante, gegen die bislang weder ein erprobter Impfstoff noch eine gezielte Therapie existiert.

Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat international Besorgnis ausgelöst. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit der dortigen Epidemie ist innerhalb weniger Tage auf über 130 gestiegen. Insgesamt wurden bislang etwa 500 Verdachtsfälle gemeldet. Wegen der Verbreitung der seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus, gegen die es kein Gegenmittel gibt, gilt seit Sonntag eine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite», die zweithöchste Alarmstufe der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Müssen sich auch Menschen hierzulande Sorgen machen?

Wie ungewöhnlich und kritisch ist der Ausbruch?

In den letzten 50 Jahren ist es in der Demokratischen Republik Kongo zu 17 Ebola-Ausbrüchen gekommen. Dabei handelte es sich laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC hauptsächlich um den am häufigsten vorkommenden Zaire-Ebolavirus, für den ein Impfstoff entwickelt wurde.

Erst zum dritten Mal ist laut Africa CDC nun die seltene Bundibugyo-Variante ausgebrochen. Zuvor war der Bundibugyo-Stamm 2007 erstmals in Uganda aufgetreten, dann 2012 im Kongo. Aufgrund seiner Seltenheit gibt es laut der WHO für diese Variante keinen zugelassenen Impfstoff und keine Therapie.

Allerdings hat die Bundibugyo-Variante nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Beim Zaire-Stamm liege diese bei bis zu 90 Prozent.

Kann der Ausbruch vor Ort eingedämmt werden?

Der Ausbruch begann nach Angaben der Africa CDC vermutlich in der dritten Aprilwoche, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet. Die späte Erkennung habe dazu geführt habe, dass Kontaktpersonen gereist seien und die Epidemie nun mit über 130 Todesfällen weit fortgeschritten sei, sagte Caitlin Jeanne Brady, die Landesdirektorin des Dänischen Flüchtlingsrats im Kongo. Dazu handele es sich um eine Region, die noch nie zuvor mit Ebola konfrontiert war. Dies könnte bedeuten, dass die Menschen Gesundheitspersonal misstrauten und stattdessen auf traditionelle Heilmittel setzten, so Brady.

Wie verläuft die Krankheit genau?

Die Krankheit beginnt zunächst oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut. Dann werde die Erkrankung allerdings schwerwiegender, unter anderem mit Blut im Stuhl. Letzteres trete bei dieser Virusvariante allerdings nicht immer auf, was es schwieriger mache, die Krankheit zu erkennen.

Letztlich sterben die meisten Menschen Leendertz zufolge an einem Multiorganversagen. «Die Übertragung von Ebolaviren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen beziehungsweise deren Körperflüssigkeiten», erklärt Florian Klein, Direktor am Institut für Virologie an der Universität zu Köln. 

Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Krisen sei das Fehlen eines zugelassenen Impfstoffs für diesen spezifischen Ebola-Typ. «Dieses Werkzeug haben wir gerade nicht in der Hand und deswegen ist das schon etwas, was wir sehr ernst nehmen müssen», so Leendertz. 

Wie wahrscheinlich ist eine Ausbreitung nach Europa?

Leendertz schätzt das Risiko für eine grossflächige Ausbreitung des Ebola-Virus in Europa als gering ein. Zwar seien Einzelfälle durch Reiserückkehrer nicht völlig auszuschliessen, doch weitere Ausbrüche in Ländern mit guten Gesundheitssystemen halte er für «extrem unwahrscheinlich».

Krankheiten, die schwere Symptome hervorrufen und eine hohe Sterblichkeit aufweisen, seien laut Leendertz grundsätzlich weniger dafür geeignet, eine Pandemie auszulösen als Krankheiten wie Covid. Denn Krankheiten mit schwereren Verläufen seien leichter zurückzuverfolgen, während beispielsweise bei Covid häufiger die leichteren Verläufe unentdeckt blieben. 

In einem funktionierenden Gesundheitssystem mit guten Überwachungsmöglichkeiten könne man Infektionsketten durch gezielte Rückverfolgung und Beobachtung von Kontaktpersonen schnell unterbrechen. Auch schon in einigen Nachbarländern der Demokratischen Republik Kongo seien die Gesundheitssysteme besser und ein Ausbruch damit unwahrscheinlicher. 

Was bedeutet der internationale Gesundheitsnotstand der WHO?

Die hohe Alarmstufe löst für derartige Fälle gedachte Mechanismen wie eine weltweite Koordination von Gegenmassnahmen und internationale Ressourcenmobilisierung aus. Die WHO stellt unter anderem rund 430'000 Euro für Sofortmassnahmen bereit. 

Zehn Nachbarländer des Kongo wurden bislang offiziell gewarnt. Dazu gehören Uganda und Südsudan, die direkt an die betroffene kongolesische Provinz Ituri angrenzen. Es handle sich jedoch um keinen Pandemie-Alarm, stellte die WHO klar.

Vogelgrippe: Was Haustierbesitzer jetzt beachten sollten

Vogelgrippe: Was Haustierbesitzer jetzt beachten sollten

Laut dem deutschen Friedrich-Loeffler-Institut ist es auch möglich, dass sich Säugetiere mit dem Virus infizieren. Besonders Freigänger-Katzen sind gefährdet.

15.11.2025