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Die ehemalige Sprecherin Wolodymyr Selenskyjs erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Boss. (Archivbild)
Bild: Sergi Kharchenkox / imago images / ZUMA Press
Für das Publikum von Tucker Carlson ist Wolodymyr Selenskyj ein Monster mit Kokainproblem und einer Vorliebe für NS-Methoden. Nun bekam es scheinbar Bestätigung – von Selenskyjs Ex-Sprecherin.
Noch vor wenigen Jahren wusste Wolodymyr Selenskyjs Ex-Sprecherin nur Positives über den ukrainischen Präsidenten zu berichten. In einem aufsehenerregenden Interview mit Tucker Carlson teilt sie gegen ihren Ex-Boss nun so sehr aus, dass sogar dem selbst vor kontroversen Aussagen selten zurückscheuenden rechten Journalisten kurz der Gesichtsausdruck entgleitet.
Julia Mendel war von 2019 bis 2021 – also vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – Pressesprecherin Selenskyjs. Beschrieb sie in Büchern, die kurz nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt erschienen, den Präsidenten noch äusserst positiv, erhebt sie nun umso schwerere Vorwürfe gegen ihn.
«Vor der Kamera ist er ein Teddybär», sagt sie in dem auf YouTube veröffentlichten Gespräch mit Carlson, «doch sobald das Licht ausgeht, verwandelt er sich in einen Grizzlybären und vernichtet Menschen».
Empathie besässe der ukrainische Regierungschef nicht, sein Drogenmissbrauch – konkret habe er ein Kokainproblem – sei ein «offenes Geheimnis». Sie selbst, sagt Mendel habe für Selenskyj «Goebbels-Propaganda» machen müssen.
Es ist diese Parallele zum Propagandaminister der Nationalsozialisten, bei der sich der sonst mit einem permanenten Pokerface agierende Carlson ein Lächeln nicht verkneifen kann. Für den ultrakonservativen Moderator und einstigen Verbündeten Donald Trumps ist die Aussage ein gefundenes Fressen.
«Sie bestätigt alles, was wir schon im Bauch gefühlt hatten», schreibt dann auch ein Zuschauer in den Kommentaren. Ein anderer spielt auf den jüdischen Glauben Selenskyjs an und schürt antisemitische Verschwörungstheorien, wenn er schreibt: «Der Sumpf ist koscher.» Damit spielt er auf eine Forderung Donald Trumps an, der verlangte, den Sumpf trockenzulegen, wobei der Sumpf für eine korrupte Elite steht.
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Carlson selbst hält sich in seiner Kritik Selenskyjs gegenüber zurück, den er bereits als «rattenähnlich» und einen «Verfolger von Christen» bezeichnet hat. Schon seit Beginn des Krieges in der Ukraine vertritt der ehemalige Fox-Moderator die Meinung, dass Selenskyj «kein Interesse an Freiheit und Demokratie» habe.
Viel mehr sei der ukrainische Präsident «ein Diktator, ein gefährlicher Autoritärer, der eine Hundert Millarden US-amerikanische Steuergelder genutzt hat, um in der Ukraine einen Ein-Parteien-Staat zu errichten». Was Julia Mendel behauptet, ist genau das, was Carlsons Publikum hören möchte.
Das gilt auch für ihre Behauptung, Selenskyj habe bei den im Frühjahr 2022 in Istanbul geführten Verhandlungen einer Abtretung des Donbass an Russland zugestimmt.
Nur: Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits nicht mehr im Amt und auch in keiner anderen Funktion an den Gesprächen beteiligt. Mendel ist der Auffassung, die Ukraine solle einer sofortigen Waffenruhe zustimmen, selbst wenn sie mit Gebietsverlust einhergehe.
Julia Mendel war schon vor dem Auftritt in Tucker Carlsons Sendung eine kontroverse Figur. Anfang des Jahres behauptete sie, der ehemalige Leiter des Präsidialamts der Ukraine, Andrij Jermak, würde «schwarze Magie» betreiben und Magier*innen beschäftigen, die Leichen das Wasser entziehen, das sie dann nutzen, um magische Puppen herzustellen, die Jermak in einer Box aufbewahre.
Ausserdem würde Jermak, der im November 2025 wegen Korruptionsvorwürfen zurücktrat, immer noch als «Puppenspieler» im Hintergrund agieren.