Eine Mauer für den Gast — Indien bereitet sich auf Trump-Visite vor

AP

19.2.2020 - 00:00

Mauerbau für Trump: Das Bollwerk soll nach Ansicht von Kritikern verhindern, dass der US-Präsident ein Elendsviertel mit mehr als 2000 Einwohnern zu Gesicht bekommt, wenn er kommende Woche in Ahmedabad ist.
Bild: Ajit Solanki/AP/dpa

Premierminister Modi hat Trump in seinen Heimatstaat Gujarat eingeladen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren — zum Ärger armer Einwohner. Denn die soll der US-Präsident natürlich nicht zu Gesicht bekommen.

Der Besuch aus den USA soll offenbar keinen schlechten Eindruck bekommen. Und so haben die Behörden im indischen Unionsstaat Gujarat in aller Eile etwas gebaut, was Präsident Donald Trump durchaus gefallen könnte: eine Mauer. Nicht ganz so mächtig, wie das, was Trump für die Südgrenze seines Landes vorschwebt, aber einen halben Kilometer lang ist sie immerhin.

Das Bollwerk soll nach Ansicht von Kritikern verhindern, dass der Präsident ein Elendsviertel mit mehr als 2000 Einwohnern zu Gesicht bekommt, wenn er kommende Woche in Ahmedabad zu einer Veranstaltung unter dem Titel «Namaste Trump» (Sei gegrüsst, Trump) fährt. Mit der Kundgebung in einem Cricket-Stadion will sich Premierminister Narendra Modi für einen ähnlichen Empfang revanchieren, den ihm Trump im September in Texas bereitet hat. Damals hiess es «Howdy Modi» (Hallo Modi).



Behörden geben Sicherheitsgründe an

Die Einwohner sind befremdet. «Weshalb verstecken sie uns arme Leute», fragt Keshi Saraniya, die in dem Viertel wohnt. «Wenn sie so viel Geld für die Mauer ausgeben, warum nutzen sie es nicht, um unseren Slum zu verbessern und für uns bessere Einrichtungen zu schaffen?»

Die Behörden versichern, sie wollten nichts verbergen. Die Mauer sei aus Sicherheitsgründen gebaut worden, sagt die Regierungsbeamte Bijal Patel und setzt hinzu: «Die Mauer ist auch Teil einer Kampagne für Verschönerung und Sauberkeit.»

Wie so oft, wenn es um Trump und eine Mauer geht, gab es viel öffentliche Aufmerksamkeit. Medien berichteten, die Mauer solle stellenweise mehr als zwei Meter hoch werden. Doch nach so viel Rummel haben sich die Bauherren mit 1,20 Meter begnügt.

Politiker kritisieren die Mauer und stellen die Frage, was Modi für Vorstellungen von Entwicklung in seinem Heimatstaat Gujarat habe, den er zwölf Jahre regiert hat, bevor er 2014 indischer Premierminister wurde.

US-Präsident Donald Trump soll offenbar keine Armen sehen müssen.
Bild: KEYSTONE/AP/Alex Brandon (Archivbild)

Einwohner werden vertrieben

Am Montag haben die Behörden auch noch 45 Familien Räumungsbefehle zugestellt, die in einem anderen Slum in der Nähe des Cricket-Stadions wohnen. Sie seien wegen einer bevorstehenden Veranstaltung aufgefordert worden, zu verschwinden, sagen Einwohner. Die Stadtverwaltung bestreitet das. Die Grundstücke gehörten einer öffentlichen Körperschaft und die Räumungen seien rechtmässig, betont der Beamte Kishore Varna. Er sagt allerdings nicht, weshalb die Räumungsbefehle nur wenige Tage vor dem Trump-Besuch zugestellt worden sind.

«Wir haben hier in den vergangenen 20 Jahren gelebt und jetzt wird uns plötzlich gesagt, wir sollten räumen, weil ein wichtiger Staatschef die Stadt für einen Tag besucht», klagt der Einwohner Sanjay Patani. «Das ist ungerecht.»


Bilder des Tages

Zurück zur Startseite