Einigung mit NatoTrump vollzieht Wende bei Strafzöllen – das sind die wichtigsten Punkte
Helene Laube
22.1.2026 - 05:26
Trump: Doch keine Zölle gegen Europäer ab 1. Februar
Doch keine Zölle gegen Europäer: US-Präsident Donald Trump will seine Drohung von Strafzöllen gegen Deutschland und andere europäische Länder zum 1. Februar doch nicht wahr machen.
21.01.2026
US-Präsident Trump will Grönland den Vereinigten Staaten einverleiben. Daran lässt er in Davos keinen Zweifel. Dann kommt eine überraschende Wendung.
DPA, Helene Laube
22.01.2026, 05:26
22.01.2026, 08:26
dpa
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Erst droht US-Präsident Donald Trump den Europäern im Grönland-Konflikt, dann rudert er wieder zurück.
Trump hat im Streit um Grönland seine angedrohten Strafzölle gegen mehrere europäische Staaten zurückgezogen.
Grund ist eine Absprache mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte zur Sicherheit in der Arktisregion.
Im Folgenden findest du die wichtigsten Punkte dazu.
Erst hält Donald Trump eine Rede voller Feindseligkeiten gegenüber Europa – dann scheint es plötzlich eine Annäherung im Grönland-Konflikt zu geben. Auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos GR überschlagen sich am Mittwochabend die Ereignisse zu Trumps Ansinnen, Grönland den USA einzuverleiben. Hier die wichtigsten Fragen:
Was sagt Trump jetzt?
Der US-Präsident will seine Zollandrohung gegen mehrere europäische Länder zum 1. Februar in Höhe von 10 Prozent auf Warenimporte in die USA nun doch nicht wahr machen. Der Grund: Es gab ein Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Was genau besprochen wurde, ist kurz danach ziemlich unklar. Trump verkündet in den sozialen Medien lediglich, es sei ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden – daher sollen doch keine Zusatzzölle kommen. Rutte bestätigte Trumps Angaben zu einem Rahmen für ein mögliches Grönland-Abkommen.
"Based upon a very productive meeting that I have had with the Secretary General of NATO, Mark Rutte, we have formed the framework of a future deal with respect to Greenland and, in fact, the entire Arctic Region. This solution, if consummated, will be a great one for the United… pic.twitter.com/24b99begbb
Nur wenige Stunden zuvor hatte das EU-Parlament im Gegenzug zu Trumps Zollandrohung die Ratifizierung des Handelsdeals mit den USA gestoppt.
Womit hatte Trump gedroht?
Es ist nicht einmal eine Woche her, dass der US-Präsident in einem beispiellosen Schritt unter Verweis auf den Grönland-Konflikt die Zölle ausgesprochen hatte – es sollten acht Nato-Länder damit bestraft werden, die Widerstand gegen Trumps Besitzansprüche auf die Arktisinsel geäussert haben. Nach den ersten 10 Prozent sollten die Zölle zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen – auf alle Waren, die in die USA gesendet werden. Aktuell gilt seit Sommer für die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.
Erst droht Donald Trump den Europäern im Grönland-Konflikt, dann rudert er wieder zurück. Und morgen kann schon wieder alles anders sein: Nato-Generalsekretär Mark Rutte (l.) und der US-Präsident treffen sich am Mittwochabend am Rande des WEF in Davos.
Bild:Keystone/AP Photo/Evan Vucci
Was sagt Nato-Chef Rutte?
Rutte sieht beim politischen Streitthema Grönland noch viel Arbeit vor den beteiligten Parteien. In Gesprächen mit Trump am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sei man am Mittwoch übereingekommen, dass man die Arktisregion gemeinsam schützen müsse, sagte der Niederländer dem US-Sender Fox News. Natürlich würden die USA aber auch ihre Gespräche mit Grönland und Dänemark fortsetzen, wenn es etwa darum gehe, einen Zugang Russlands und Chinas zur Wirtschaft Grönlands zu verhindern.
Er halte das für ein «sehr gutes Ergebnis», sagte Rutte und schob nach: «Es gibt noch viel zu tun.» Man habe vereinbart, an der Frage zu arbeiten, was die Nato gemeinsam zum Schutz der gesamten Arktisregion beitragen könne. Es gebe viel zu tun, um sicherzustellen, dass alles Notwendige zu Land, zu Wasser und in der Luft unternommen werde, um diesen wichtigen Teil der Welt und des Nato-Gebiets zu schützen.
Was haben Trump und Rutte vereinbart?
Konkrete Details dazu, wie der Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung aussehen soll, liess Trump zunächst offen. Auf die Frage, ob es um einen Deal zum Besitz Grönlands gehe, sagte Trump dem US-Sender CNBC nur, es sei «etwas komplex». Er betonte allerdings, die Vereinbarung wäre «für immer». Dabei gehe es unter anderem um Sicherheitsfragen.
«Der Tag endet besser, als er begonnen hat», sagte der dänische Aussenminister Lars Løkke Rasmussen dem dänischen Rundfunk. «Zwei Dinge nehme ich aus Davos mit: Dass Trump sagt, dass er Grönland nicht angreift (...) und dass der Zoll-Krieg auf Standby ist. Das ist positiv.»
Angaben aus informierten Kreisen in Davos deuteten darauf hin, dass es bei der Übereinkunft zwischen Trump und Rutte nicht um den Besitz der ganzen Insel zu gehen scheint. Demnach soll ein zwischen den USA und Dänemark 1951 geschlossenes Verteidigungsabkommen für Grönland neu ausgearbeitet werden. Zudem soll es um das Thema Investitionskontrolle gehen – die Amerikaner wollen mit entscheiden, wer auf Grönland investiert und zum Beispiel Rohstoffe abbaut. Teil der Übereinkunft soll den Angaben nach auch ein stärkeres Engagement der europäischen Nato-Staaten im arktischen Raum sein.
Was ist mit den Militärstützpunkten?
Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Teil der Diskussion in der Nato über einen möglichen Kompromiss sei, dass Dänemark den Vereinigten Staaten die Souveränität über kleine Gebiete Grönlands übertragen könnte, auf denen die USA dann Militärstützpunkte errichten könnten. In dem Bericht wurde aber auch klar, dass noch vieles im Fluss zu sein scheint.
Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung »(F.A.Z.) wiederum berichtete am Mittwochabend unter Berufung auf Nato-Kreise, dass Rutte einen Vorschlag in das Gespräch eingebracht habe, der neben der Einrichtung einer neuen Überwachungsmission der Allianz im hohen Norden auch die Übernahme von Militärstützpunkten in Grönland durch die USA vorsieht.
Über entsprechende Überlegungen hatte die F.A.Z. bereits am Dienstag exklusiv berichtet. Nun will die Zeitung aus zwei Nato-Quellen erfahren haben, dass sich der Plan am Vorbild britischer Militärbasen auf Zypern orientiert.
Gehört Grönland weiter zu Dänemark?
Die Frage, ob der Rahmen für ein mögliches Grönland-Abkommen, den Trump zuvor verkündet hatte, vorsehe, dass die weitgehend autonome Arktisinsel weiterhin zum Hoheitsgebiet Dänemarks gehöre, beantwortete Rutte nicht abschliessend. Das Thema sei in seinen Gesprächen am Mittwochabend nicht mehr zur Sprache gekommen, sagte er. Der Schwerpunkt dabei lag demnach auf dem Schutz Grönlands.
«Golden Dome» auf Grönland?
Trumps Grönland-Ansprüche und die damit verbundenen Drohungen haben die Europäer in eine schwierige Lage gebracht: Sie können nicht einfach den Bruch mit Trump riskieren, denn ihre Länder sind militärisch von den Vereinigten Staaten abhängig. Oder wie Trump es sagt: Die Nato wäre ohne ihn nichts.
Immer stärker deutet sich an, warum Trump es auf Grönland abgesehen haben könnte: Auf der Insel plant er den Bau des grössten «Golden Dome», den es je gegeben hat. Das wäre ein Verteidigungssystem, ähnlich wie Israel es nutzt. Der Schutzschild soll Nordamerika verteidigen. Die Übereinkunft mit Rutte könnte Trump nun die Möglichkeit eröffnen, diesen «Dome» auf Grönland zu errichten. Trump kündigte in seinem Post vom Mittwochabend an, dass es weitere Gespräche über die Errichtung des geplanten Raketenabwehrsystems geben werde.
Schon länger beansprucht die Trump-Regierung die Kontrolle über die sogenannte Hemisphäre mit dem Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln. Das zeigen viele Beispiele: Die Umbenennung des Golfs von Mexiko in «Golf von Amerika», Angriffe auf angeblich mit Drogen beladene Schiffe in der Karibik und im Ost-Pazifik, der Sturz des autoritär regierenden venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro – und jetzt der Besitzanspruch auf Grönland.
Wie geht es weiter?
Mit den weiteren Verhandlungen über ein Abkommen zu Grönland beauftragte Trump seinen Vizepräsident J.D. Vance, Aussenminister Marco Rubio und den Sonderbeauftragten Steve Witkoff.