Unfreundlicher ÜbernahmeversuchElon Musk beschimpft Ryanair-CEO – dieser macht daraus PR
Stefan Michel
23.1.2026
Musk lässt auf X über den Kauf von Ryanair abstimmen. Ryanair reagiert mit einer Extra-Billig-Aktion für Musk und andere Idioten auf X.
Ryanair
Ryanair verzichtet auf den Einbau von Starlink in seinen Jets aus Kostengründen. Elon Musk nennt den CEO der Fluggesellschaft daraufhin einen Idioten. Dieser kontert mit dem «Big Idiots Seat Sale».
Stefan Michel
23.01.2026, 04:30
23.01.2026, 04:31
Stefan Michel
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Ryanair verzichtet auf den Einbau des Starlink-Satelliten-Systems in seinen Flugzeugen, weil sich die Kosten dafür nicht wieder einspielen liessen.
Ryanair-CEO Michael O'Leary und Starlink-CEO Elon Musk bezeichnen sich daraufhin gegenseitig als Idioten.
Musk lässt die X-User darüber abstimmen, ob er Ryanair kaufen soll, was 76,5 Prozent gutheissen.
Ryanair lanciert darauf den «Big Idiots Seat Sale» und gibt bekannt, die Buchungen seien in den letzten Tagen um 2 bis 3 Prozent angesteigen. Ausserdem würde eine europäische Airline alle Landerechte in Europa verlieren, wenn sie von einem Nicht-Europäer übernommen würde.
Elon Musk hat wieder einen Menschen gefunden, mit dem er sich öffentlichkeitswirksam streiten kann: Michael O'Leary, CEO der britischen Billigfluglinie Ryanair.
Hintergrund sind die offenbar gescheiterten Verhandlungen zum Einbau von Starlink in den Ryanair-Jets. Dank Musks Satelliten-Internetdienstes hätten alle Fluggäste während dem Fliegen surfen können.
Doch die Ryanair-Chefetage kam zum Schluss, dass sich das nicht rechnet. Der zusätzliche Luftwiderstand wegen der nötigen Satellitenantenne am Flugzeugrumpf sowie das zusätzliche Gewicht hätten den Treibstoffverbrauch zu stark erhöht. Zusammen mit den weiteren Kosten würde Internet an Bord jeden Fluggast bis zu drei Dollar kosten – ein Preis, den die Kunden der Billigfluglinie nicht zu zahlen bereit seien.
Elon Musk und Michael O'Leary beschimpfen einander
Das wollte Musk nicht auf sich und Starlink sitzen lassen. Der Ryanair-CEO habe sich beim Luftwiderstand um den Faktor 10 verrechnet, behauptete er. O'Leary, auch nie um einen öffentlich ausgetragenen Streit verlegen, sagte wenig später gemäss DPA einem irischen Radiosender: «Ich würde Elon Musk überhaupt keine Beachtung schenken, er ist ein Idiot.»
Musk bezeichnete O'Leary daraufhin als Idioten und zurückgebliebenen Trottel und fragte die X User, ob er Ryanair kaufen solle. Fast eine Million Stimmen gingen ein, 76,5 Prozent votierten für den Kauf.
Welchen Ryan Musk als «rechtmässigen Herrscher» über Ryanair einsetzen will, verrät er nicht. Der Gründer der Fluglinie, Tony Ryan, ist seit 2007 tot.
Buy Ryan Air and restore Ryan as their rightful ruler
Der Fluglinien-CEO berief daraufhin eine Medienkonferenz ein und erklärte genüsslich, dass Nicht-Europäer keine europäische Fluggesellschaft kaufen können. Das EU-Recht verbiete dies. Elon Musk ist gebürtiger Südafrikaner und hat das US-Bürgerrecht. «Aber wenn er in Ryanair investieren möchte, halten wir das für eine sehr gute Investition», sagte O'Leary und fügt an, «sicher viel besser als, was er mit X verdient.»
Als gewiefter Verkäufer nutzte O'Leary den Social Media Schlagabtausch für eine PR-Aktion, sein IT-Team habe den «Big Idiot Seat Sale» lanciert, frei übersetzt die Grosse-Idioten-Ticket-Aktion. 100'000 Sitze werden für 16,99 Dollar an Elon Musk und «andere Idioten auf X» verkauft. Wer sich ein solches Ticket kauft, bestätigt also, dass er ein Idiot ist.
The delightful Michael O'Leary hands Elon Musk his arse on a plate over his "Idiot" and "Retarded Twat" comments and discusses Starlink on planes and the poll for Elon to buy Ryanair.
Insgesamt seien die Buchungen seit dem Streit mit dem X-CEO um 2 bis 3 Prozent angestiegen, erklärt er an einer Medienkonferenz. «Wir möchten Elon Musk dafür danken, dass er uns diesen Boost ermöglich hat», fährt er fort und erklärt, dass sie im Irland-Büro von X ein Gratis-Idioten-Ticket für Elon Musk ausgeliefert hätten.
Nebenbei erklärt Michael O'Leary, dass es sich nicht beleidigt fühle, wenn er Idiot und Trottel genannt werde, als solche würden ihn seine vier Kinder im Teenageralter andauernd bezeichnen. Er bleibe aber bei seiner Analyse, dass Starlink ein sehr gutes System sei, dessen Einbau in Ryanair-Jets sich aber nicht lohne.
EU-Recht verhindert Übernahme durch Nicht-Europäer
Eine Reaktion von Elon Musk auf die letzten Äusserungen O'Learys ist nicht bekannt. Dem Druckmittel einer Übernahme scheint das EU-Recht tatsächlich die Luft abzulassen. Ryanair ist äusserst profitabel und entsprechend an der Börse hoch bewertet – aktuell rund 30 Milliarden Dollar. Swiss-Besitzerin Lufthansa ist rund 10 Milliarden wert.
Mit einem nicht-europäischen Mehrheitsbesitzer würde Ryanair aber ihre Landerechte auf europäischen Flughäfen verlieren, wie das «Handelsblatt» erklärt. Diese müsste sie mit jedem Staat neu aushandeln und dürfte so lange in Europa nicht fliegen, was eine enorme finanzielle Belastung darstellen würde. Leisten könnte sich der reichste Mann der Welt dies womöglich. Trotzdem ist das Vorhaben selbst für einen wie Musk eher unwahrscheinlich.