«Toxischer Präsident» Warum Macron vom Hoffnungsträger zum Risiko für ganz Europa wird

Gregoire Galley

18.2.2026

Emmanuel Macron erlebt einen turbulenten zweiten Fünfjahreszeitraum.
Emmanuel Macron erlebt einen turbulenten zweiten Fünfjahreszeitraum.
IMAGO/ZUMA Press Wire

«Ein toxischer Präsident» – so nennt Journalist Etienne Campion Emmanuel Macron in seinem neuen Buch. Im Gespräch mit blue News spricht er über Manipulation, politische Isolation und die Frage, ob Macrons zweite Amtszeit historisch scheitern könnte.

Gregoire Galley

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Journalist Etienne Campion bezeichnet Emmanuel Macron in seinem Buch als «toxisch».
  • Er wirft dem Präsidenten vor, Menschen strategisch zu verführen und fallen zu lassen.
  • Campion sieht in Macrons zweiter Amtszeit einen politischen Wendepunkt – mit Risiken für 2027.

Ein neues Buch sorgt in Frankreich für Wirbel: Journalist Etienne Campion zeichnet ein düsteres Porträt von Emmanuel Macron. Im Interview mit blue News erklärt er, warum er den Präsidenten für «toxisch» hält – und weshalb er dessen zweite Amtszeit als Wendepunkt sieht.

Herr Campion, wie entstand die Idee zu Ihrem Buch über Emmanuel Macron?

«Als Journalist habe ich lange empirisch zu Emmanuel Macron gearbeitet. Zunächst interessierte ich mich für die Intellektuellen, die ihn umgaben. Jeder Präsident hatte eine Art Intelligentsia um sich. Bei Macron fiel mir auf, dass ab 2023 kaum noch solche Persönlichkeiten an seiner Seite standen.»

«In vielen Gesprächen mit ehemaligen Vertrauten zeichnete sich ein Muster ab. Macron hat eine Methode: Er verführt Menschen strategisch, zieht sie an sich – und lässt sie dann fallen. Er ist ein Super-Verführer, aber seine Verführung ist oft ohne Zukunft.»

Warum nennen Sie ihn «toxisch»?

«Normalerweise beschreibt man einen Präsidenten mit Begriffen, die ihn über die Masse erheben. ‹Toxisch› wirkt weniger nobel – aber es passt. Macron nutzt zwischenmenschliche Beziehungen in ihrer unvorteilhaftesten Form.»

«Er ist fähig, Menschen intensiv zu umwerben und sich dann abrupt von ihnen abzuwenden. Deshalb haben viele Mühe, sich emotional von ihm zu lösen. Er zählt für andere – bindet sich selbst aber kaum. In gewisser Weise ist er ein Manipulator.»

Sie schreiben von einer Methode des «mort-vivant», des Untoten. Was meinen Sie damit?

«Macron ist von den gemeinsamen Gefühlen entkoppelt. Er kann Menschen stark an sich binden, sie politisch fallenlassen – und später wieder kontaktieren, als sei nichts gewesen. Die Methode besteht darin, jemanden politisch zu ‹töten›, ihm aber die Illusion einer möglichen Rückkehr zu lassen.»

War die Auflösung der Nationalversammlung 2024 ein Wendepunkt?

«Für viele war diese Entscheidung unverständlich. Vielleicht wollte Macron sein eigenes Lager bestrafen oder eine Koexistenz mit dem Rassemblement National erzwingen, um sich selbst als Verteidiger der Institutionen zu inszenieren.»

«Niemand bezeichnet sich heute noch stolz als Macronist.»

Etienne Campion

Journalist und Buchautor

«Zwei Jahre später zeigt sich: Das Manöver hat nicht funktioniert. Viele Umfragen belegen, dass die Franzosen das Gefühl haben, das Land befinde sich in einer Krise. 2017 wollte Macron die Extreme stoppen und Europa stärken. Heute muss man feststellen, dass er sein Ziel verfehlt hat.»

Wie wird Macrons Präsidentschaft enden?

«Er hat bereits 2022 die absolute Mehrheit verloren. Viele Weggefährten distanzieren sich inzwischen. Niemand bezeichnet sich heute noch stolz als Macronist.»

«Sollte Marine Le Pen oder Jordan Bardella 2027 gewinnen, wird die Geschichte Macron als jenen Präsidenten sehen, der dem Rassemblement National den Weg bereitet hat. Seine zweite Amtszeit ist bereits jetzt eine Phase der politischen Erosion.»

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