Late Night USAEpstein-Skandal: «Es gibt einen Unterschied zwischen einer 15-Jährigen und einer 5-Jährigen»
Philipp Dahm
14.11.2025
Von links: Jeffrey Epstein, Donald Trump und Josh Johnson sind eine explosive Kombination.
YouTube/The Daily Show
Wer meint, beim Epstein-Skandal bereits alles Unappetitliche erfahren zu haben, dürfte die allerjüngsten Enthüllungen noch nicht kennen, zu denen auch Donald Trumps eigene Partei beigetragen hat. Comedian Josh Johnson legt in der «Daily Show» genüsslich den Finger in die Wunde.
Als die Demokraten drei E-Mails veröffentlicht haben, in denen Jeffrey Epstein über «seinen besten Freund» Donald Trump geschrieben habe, sei das politische Washington explodiert, leitet Josh Johnson die «Daily Show» ein.
Doch der Präsident wisse seine Partei hinter sich. «Und Ihr wisst, dass diese Weltklasse-Strategen einen Plan haben, wie sie diese Story von der Titelseite holen können», sagt der 35-Jährige. Es folgt ein «Newsmax»-Ausschnitt, der besagt, dass auch die Republikaner Material veröffentlicht haben: 20'000 Dokumente, die mit Epstein zu tun haben.
Die Hilfe von Freunden ist nicht immer hilfreich, weiss Josh Johnson.
YouTube/The Daily Show
«Oh, nein», kreischt Johnson. «Das ist das Problem, wenn Leute wirklich hinter dir stehen. Sie waren im Prinzip so: ‹Er hat nichts zu verbergen, hier sind 20'000 weitere E-Mails.› Habt Ihr keine Ahnung, wie man etwas verschleiert? Das ist, als würde man verbergen, dass man sich angepinkelt hat, indem man sich anscheisst.»
Epstein will Trump seine Freundin «gegeben» haben
Johnson kommt in Fahrt: «Trumps Leute haben ein Jahr damit zugebracht, zu sagen, es gebe keine Epstein-Akten. Jetzt gibt es 20'000 Seiten, und das sind noch nicht mal die Epstein-Akten.» Es gehe darin nicht bloss um Ungesetzliches: «Viel davon war einfach merkwürdige Bruder-Sch***** über Frauen, mit denen sie zusammen waren.»
Im CNN-Einspieler ab 1:29 Minute heisst es, Epstein habe geschrieben, er habe Fotos von «Donald [Trump] und Mädchen im Bikini in meiner Küche». Weiter hält der Pädophile 2015 fest, er sei 1993 mit einer 20-Jährigen zusammen gewesen, die er «nach zwei Jahren Donald gegeben» habe.
CNN-Bericht über Epsteins E-Mails.
YouTube/The Daily Show
Das ist starker Tobak. Josh Johnson sagt: «Mann, ich bin froh, dass Hillary [Clinton] den Typen getötet hat» – und lässt damit bei den Anhängern von Verschwörungstheorien wahrscheinlich alle Alarmglocken läuten. Dabei sagt er das doch bloss, weil es keine schlimmere Art gebe, sich von jemandem zu trennen, als diese Person mit Trump zu verkuppeln.
Epstein wird vom Freund zum Feind
«Wenn jemand mit mir Schluss machen und sagen würde: ‹Ich verdiene dich nicht. Aber weisst du, wer?› Und Donald Trump kommt rein? Ich würde sagen: ‹Verdammt, ich wusste nicht, dass du mich hasst?!›» Gerüchteweise soll es sich bei der Frau um die Erbin eines norwegischen Kosmetik-Imperiums handeln, die Celina Midelfart heisst.
«Sie hat bestritten, dass sie mit einem der beiden zusammen war, was ich verstehe», sagt Johnson. «Aber viel wichtiger ist: Wie kann man nur Celina Midelfart heissen?»
Celina Midelfart an der Seite von Epstein und Trump: Sie ist eigentlich nur wegen ihres Namens wichtig für die Show.
YouTube/The Daily Show
Die neu veröffentlichten Dokumente würden nicht nur von der Freundschaft zwischen Epstein und Trump zeugen. Sie seien auch ein Beleg für ihre Feindschaft, die daraus erwuchs. «Donald ist f****** crazy, ich habe es dir gesagt», schreibt der Pädophile über den New Yorker, der «Borderline-verrückt» sei und dem Epstein eine «Frühform von Demenz» attestiert.
Lose-Lose-Situation für Trump
An anderer Stelle schreibt eine Frau: «Trump ist so eklig.» Epstein antwortet: «Noch schlimmer im echten Leben und aus der Nähe.» «Verdammt», staunt Johnson. «Das hat ein Pädophiler über dich gesagt? Das ist wild! Das ist, als käme der Teufel raus und würde sagen: «‹Hey Leute, [Sean Combs alias] Diddy ist echt eklig.›»
Late Night USA – Amerika verstehen
blue News
50 Staaten, 330 Millionen Menschen und noch mehr Meinungen: Wie soll man «Amerika verstehen»? Wer den Überblick behalten will, ohne dabei aufzulaufen, braucht einen Leuchtturm. Die Late-Night-Stars bieten eine der besten Navigationshilfen: Sie sind die perfekten Lotsen, die unbarmherzig Untiefen bei Land und Leuten benennen, und dienen unserem Autor Philipp Dahm als Komik-Kompass für die Befindlichkeit der amerikanischen Seele.
Mit einem Pädophilen befreundet zu sein, bringe einen in eine Situation, in der man nur verlieren kann, weiss der Moderator. «Wenn sie sagen, «Der Typ ist widerlich, und ich bin ein Pädophiler», ist das schlecht. Aber wenn sie andererseits sagen, «Ja, ich kenne ihn, und man kann ziemlich gut mit ihm abhängen», ist das auch schrecklich.»
Man müsse sich seine Freunde eben genau aussuchen: Wenn an etwas Peinliches vor einem Freund mache, erschaffe das eine Erinnerung. Wenn der Freund zum. Feind wird, wird aus der Erinnerung jedoch Munition, warnt Johnson. Im «ABC News»-Einspieler ab 4:58 Minute wird das verdeutlicht.
Die Nase, das Glas und eine Schlussfolgerung
Laut einer Epstein-Mail von 2015 ist Trump nämlich angeblich gegen eine Glasscheibe gelaufen und habe sich die Nase gestossen, weil ihn «junge Frauen, die im Pool schwammen», so abgelenkt hätten.
«Es kann nicht sein, dass der Typ [comicmässig] notgeil ist», sagt Johnson. «Es gibt den normalen Perversen, und es gibt den Perversen auf Cool-Aid-Man-Level. ‹Hey Donald, willst du ein paar Mädchen im Pool sehen?› ‹Oh, yeah!›»
Falls du den durchbrechenden Cool-Aid-Man nicht kennst, voilà:
Er wolle ja auch gar nicht behaupten, dass Trump einen Mikropenis habe. «Aber es ist komisch, dass er aufgegeilt wurde, und als Erstes trifft seine Nase auf das Glas.»
Die Republikaner hätten dem Präsidenten also keinen Gefallen getan mit ihren Veröffentlichungen. Doch auf die rechten TV-Kommentatoren hätten versagt.
«Diese ganze Epstein-Sache ist ein bisschen vorgespielt»
Im Zusammenschnitt ab 6:10 Minute fallen Worte wie «lächerlich», «Ablenkung», «journalistisches Fehlverhalten» und «Drama». Es wird sogar erkannt: «Diese ganze Epstein-Sache, sie ist ein bisschen vorgespielt.» Das reiche wohl nicht aus, um das Ganze herunterzukochen: Wie redet sich Megyn Kelly die Angelegenheit schön?
Spoiler-Alarm: Megyn Kelly wird Josh Johnson schockieren.
YouTube/The Daily Show
Das ist a 6:54 Minute zu sehen: «Was Epstein angeht: Er stand nicht auf 8-Jährige, sondern er mochte die sehr jungen Teenager-Typen», sagt die Anwältin in ihrer Talkshow. Und: «Wisst Ihr, es gibt einen Unterschied zwischen einer 15-Jährigen und einer 5-Jährigen.»
«Wie zur Hölle konnte Megyn Kelly je Anwältin sein?», fragt Johnson. «Ma'am, jeder weiss, dass einen grossen Unterschied zwischen einer 15-Jährigen und einer 5-Jährigen gibt. Aber jeder weiss auch, dass es nie einen guten Grund gibt, um über diesen Unterschied zu sprechen.»