Neue Enthüllungen aus US-AktenEpstein versuchte Treffen mit Putin zu arrangieren
Gabriela Beck
9.2.2026
Die Epstein-Akten sorgen weltweit für Aufregung. (Archivbild)
dpa
Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein suchte offenbar gezielt den Kontakt zum Kreml. Neue Dokumente zeichnen das Bild eines Netzwerks aus Politik und Oligarchen – und werfen Fragen über mögliche Geheimdienstinteressen auf.
Redaktion blue News
09.02.2026, 23:35
Gabriela Beck
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Neue Dokumente zeigen, dass Jeffrey Epstein über Jahre hinweg versuchte, Kontakte zu hochrangigen russischen Politikern aufzubauen.
Dabei nutzte er internationale Netzwerke aus Diplomaten, Investoren und Unternehmern.
Hinweise auf direkte Geheimdienstverbindungen sind bislang nicht belegt, sorgen aber für politische Debatten.
Neue, vom US-Justizministerium veröffentlichte Dokumente legen nahe, dass der verurteilte Sexualstraftäter und Finanzier Jeffrey Epstein über Jahre hinweg versuchte, Kontakte zur russischen Führung aufzubauen. In E-Mails aus den Jahren 2013 bis 2018 bat Epstein demnach wiederholt internationale Vermittler, ihm Gespräche mit russischen Spitzenpolitikern zu ermöglichen – darunter Präsident Wladimir Putin und Aussenminister Sergej Lawrow.
Eine zentrale Rolle spielte dabei der damalige Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland wie der US-Sender CNN analysiert. So teilte Jagland Epstein in einer Mail am 14. Mai 2013 mit, dass er Putin in Epsteins Namen eine Nachricht übermitteln wolle, dass Epstein von Nutzen sein könne. «Ich habe einen Freund, der Ihnen helfen kann, die notwendigen Schritte einzuleiten (und Sie dann vorzustellen) und zu fragen, ob ein Treffen mit Ihnen für ihn von Interesse sei», schrieb Jagland.
Epstein antwortete: «Er befindet sich in einer einzigartigen Position, etwas Grossartiges zu leisten, ähnlich wie Sputnik für das Weltraumrennen. Sie können ihm ausrichten, dass wir beide uns nahestehen und dass ich Gates berate. Dies ist vertraulich. Ich würde ihn gerne treffen, aber mindestens für zwei bis drei Stunden, nicht kürzer.»
Im Jahr 2018 schlug Epstein Jagland vor, Aussenminister Sergej Lawrow könne durch ein Gespräch mit ihm «Einblicke gewinnen». Jagland erklärte, er wolle den Vorschlag weiterleiten. Ermittlungen der norwegischen Behörden gegen den Politiker laufen inzwischen. Jagland bestreitet ein Fehlverhalten.
Kontakte zu Diplomaten, Oligarchen und Investoren
Auch frühere Kontakte des Milliardärs zu russischen Diplomaten werden in den Unterlagen sichtbar, schreibt CNN. Epstein traf demnach regelmässig den 2017 verstorbenen russischen UN-Botschafter Witali Tschurkin in New York und bot an, dessen Sohn beruflich zu unterstützen.
Die Dokumente zeigen zudem Beziehungen zu russischen Wirtschaftsakteuren. Epstein bezeichnete den ehemaligen russischen Regierungsbeamten Sergej Beljakow, später Manager staatlicher Investitionsfonds, als engen Freund und bot internationalen Investoren Treffen mit ihm an. Beljakow war mit dem St. Petersburger Wirtschaftsforum verbunden, einer wichtigen Plattform für russische Wirtschafts- und Aussenpolitik.
Epstein behauptete ausserdem, den Oligarchen Oleg Deripaska beraten zu haben, der 2018 von den USA mit Sanktionen belegt wurde. Ob es tatsächlich zu persönlichen Treffen kam, bleibt unklar.
Ein weiterer Kontakt war die Unternehmerin Mascha Drokowa Bucher, eine frühere Aktivistin einer kremlnahen Jugendorganisation, die zeitweise als PR-Managerin für Epstein arbeitete. Sie bestritt später finanzielle Verbindungen zu russischen Oligarchen.
Spekulationen über Geheimdienstverbindungen
Politische Brisanz erhielten die Veröffentlichungen durch Äusserungen des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Er kündigte Ermittlungen zu möglichen Verbindungen Epsteins zu russischen Geheimdiensten an und warnte vor möglichem kompromittierendem Material gegen westliche Führungspersonen.
Der Kreml wies entsprechende Vermutungen zurück. Sprecher Dmitri Peskow erklärte, die Theorie einer Steuerung Epsteins durch russische Dienste sei «nicht ernst zu nehmen».
Analysten sehen in den Dokumenten bislang vor allem Hinweise auf Epsteins Versuch, sich als internationaler Machtvermittler zu inszenieren. Belege für ein Treffen mit Präsident Putin oder eine direkte Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten enthalten die Unterlagen nicht.
Epsteins reiste mehrmals nach Russland
Flugprotokolle bestätigen mehrere Russlandreisen Epsteins, darunter einen Besuch in Moskau und St. Petersburg im Jahr 2002 gemeinsam mit Ghislaine Maxwell. Ein Foto zeigt ihn zudem in den späten 1990er-Jahren in der geschlossenen Wissenschaftsstadt Sarow, einem früheren Zentrum sowjetischer Nuklearforschung. Kurz vor seiner Festnahme im Jahr 2019 bemühte sich Epstein laut E-Mails erneut um ein russisches Visum.
Die Dokumente zeichnen das Bild eines Mannes, der internationale politische Kontakte suchte – auch in Russland. Ob diese Kontakte über persönliche und geschäftliche Interessen hinausgingen, bleibt weiterhin ungeklärt.
Das Leben von Jeffrey Epstein
Der US-Finanzier und verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein pflegte einflussreichen Kontakte in Politik, Wirtschaft und Entertainment. 2019 wurde er erneut verhaftet. Doch Wochen später starb er unter ungeklärten Umständen in seiner Zelle.