Auftritt bei AfD ging viralEr empörte als «Hitler-Redner» – jetzt bricht Alexander Eichwald sein Schweigen
Bruno Bötschi
16.12.2025
Alexander Eichwald sorgte bei der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugendorganisation «Generation Deutschland» als Redner im Adolf-Hitler-Sound für viel Aufregung.
Bild:Screenshot AfD TV
Grosse Aufregung, als bei der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugend vor zweieinhalb Wochen ein Redner im Adolf-Hitler-Duktus auftritt. Viele fragten sich danach: Wer ist das? Jetzt spricht Alexander Eichwald.
Alexander Eichwald sorgte bei der AfD-Jugend als Redner im Adolf-Hitler-Sound für Aufregung. Nach dem Auftritt fragte sich manch eine*r: Wer ist das? Und war das vielleicht Satire?
Jetzt erklärt sich der 30-Jährige in je einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» und der Wiener Zeitung «Der Standard» selbst.
Er wolle vor der AfD warnen, behauptet Eichwald, wenngleich er gewisse Ansichten der grössten rechtsextremen Partei Deutschlands durchaus teile.
Sein Auftritt an der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugendorganisation «Generation Deutschland» vor zweieinhalb Wochen sorgte für viel Aufregung und ging danach rasch viral:
Alexander Eichwald fiel mit Hitler-ähnlichen Aussagen, kantiger Gestik und einem rollenden R auf – was auf dem ganzen politischen Spektrum für Irritation sorgte.
Der 30-Jährige sagte Sätze wie: Man teile «Liebe und Treue zu Deutschland» und es sei eine «nationale Pflicht», die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen. Der Auftritt wirkte wie eine überzeichnete Imitation von Massenmörder Adolf Hitler.
Danach fragten sich viele Menschen: Wer ist dieser Typ? Handelt es sich um eine eingeschleuste Figur, die sich über die AfD lustig machen will? Oder war es Satire?
Treffen mit Eichwald findet auf Friedhof statt
Nachdem die «Zeit» und andere Medien vergeblich nach Alexander Eichwald gesucht haben, erklärt er sich jetzt in der «Süddeutschen Zeitung», kurz «SZ», und in der Wiener Zeitung «Der Standard».
Das Treffen mit der «SZ» fand auf einem Friedhof in Herford statt, seiner Heimatstadt im Bundesland Nordrhein-Westfalen – und scheinbar ohne Bezahlung, entgegen früherer Meldungen.
Der 30-Jährige zeigt dem «SZ»-Journalisten im Verlauf des Gespräches auch seinen Personal- und seinen AfD-Parteiausweis: Alexander Eichwald steht da tatsächlich.
Damit scheint zumindest eines geklärt: Er ist keine Kunstfigur.
Eichwald gibt sich während den Interviews freundlich und entschuldigt sich zudem für die Umstände. Aber es sei nun eben so, dass er vor Rechten und vor Linken gleichermassen Angst haben müsse.
Ja, seine Rede bei der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugendorganisation sei eine «geplante Aktion» gewesen. Um der AfD zu schaden? «Nein, das nicht.»
Er sei in seinen Aussagen gemässigt gewesen, behauptet Eichwald in der «Süddeutschen Zeitung», also verglichen mit Kevin Dorow, der bei der Gründungsveranstaltung «Generation Deutschland» eine Parole der Hitlerjugend zitierte.
Eichwald: «Ich bin die Stimme von vielen Menschen»
Entschieden habe vielmehr sein Tonfall, so Eichwald. Er könne das R als Russlanddeutscher aber nicht anders aussprechen. «Scheinbar das Einzige, was die AfD von der NSDAP in den Augen der AfDler unterscheidet, ist das rollende R.»
Dieser AfD-Redner irritiert alle
Mit rollendem «R», Hitler-Duktus und der Anrede «Parteigenossen und -genossinnen» hat Alexander Eichwald beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugend in Giessen für Kopfschütteln gesorgt.
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Seine Worte seien «massgeschneidert» auf das Publikum gewesen, die Jugend, der die AfD-Führung zugestehe, radikaler aufzutreten. Einige Teile seiner Rede, so Eichwald in der «SZ», habe er ernst gemeint, etwa, dass Minderheiten sich an die Mehrheit anpassen sollten und nicht umgekehrt.
Den Vergleich von Menschen unterschiedlicher Herkunft mit Kühen und Schweinen sehe er selbst nicht so. Das sei «überspitzt» gewesen, aber er habe damit «einen Nerv getroffen». Und zwar «als Politiker».
Und weiter: «Ich bin die Stimme von sehr, sehr vielen Menschen in der Gesellschaft, und wenn ich dann der Buhmann dafür bin, dann – alles gut, ich kann das auf mich nehmen.»
Eichwald behauptet, in der AfD hätten Neonazis das Sagen
Im Gespräch mit der «SZ» wehrt sich Alexander Eichwald vehement gegen den Begriff Satire. Er sei kein Künstler, habe nichts mit Jan Böhmermann, nichts mit der Zeitschrift «Titanic» und auch nichts mit dem «Zentrum für politische Schönheit» zu tun.
Aber eine «Aktion» sei sein Auftritt vor der AfD-Jugend eben doch gewesen. Was derzeit politisch passiere, das sei «Weimar 2.0». In der AfD hätten Neonazis das Sagen. Das habe er zeigen wollen.
Im Gespräch mit dem «Der Standard» sagt Alexander Eichwald: «Wir können uns nicht hinstellen und sagen, die AfD ist unsere letzte Hoffnung. Ich bin nicht bereit, denen das Zepter in die Hand zu geben.»
Andererseits gebe es schon Aspekte der AfD-Politik, die er gut finde: «Die Themen Grenzschutz und innenpolitische Sicherheit werden im Vergleich mit anderen Parteien von der AfD am gewissenhaftesten behandelt.»
Eichwald räumt zudem ein, dass er mit Inhalt, Stil und Tonfall seiner Rede durchaus eine Absicht gehabt habe: «Sie sollte für Aufmerksamkeit sorgen. Ich wollte Gesellschaftskritik üben.»
Denn: «Wir müssen in Deutschland darüber reden, dass ich Dinge geäussert habe, die viele hinter verschlossenen Türen oder hinter vorgehaltener Hand, am Stammtisch und in der AfD sagen.»
Alexander Eichwald wird seinen Job verlieren
Mit seiner Aktion ist Alexander Eichwald zufrieden, da die Rede danach ein grosses Thema war. Was er an der Gründungsveranstaltung der AfD-Jugendorganisation «Generation Deutschland» gezeigt habe, sei «nichts anderes als ein Spiegel unserer heutigen Politik».
Wer könne zwischen Satire und Wirklichkeit überhaupt noch unterscheiden, fragt er. Bei US-Präsident Donald Trump? Beim deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz?
Eigentlich, so Eichwald, würde er gern politisch aktiv bleiben. Wobei er natürlich abwarten müsse, ob er sich durch den Auftritt nicht «verbrannt» habe. «Ich hoffe, ich habe Deutschland damit mehr geholfen als geschadet», sagt er beim Abschied dem «SZ»-Journalisten.
Aktuell lebt Eichwald laut eigenen Aussagen zurückgezogen. Seine Wohnung verlasse er nur bei Dunkelheit. Seinen Job als Personaldisponent werde er wegen seines AfD-Auftrittes verlieren. Die Gespräche über die Trennung von seinem Arbeitgeber würden bereits laufen.
Dass es so kommen würde, hat Alexander Eichwald geahnt. «Die Message zu versenden, war mir wichtiger», sagt er im «Der Standard».
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