PolitikEstlands Verteidigungsminister: Nato-Kampfjets schiessen Drohne ab
SDA
19.5.2026 - 13:27
ARCHIV – Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur spricht im Verteidigungsministerium. Foto: Alexander Welscher/dpa
Keystone
Nato-Kampfjets haben über Estland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war.
Keystone-SDA
19.05.2026, 13:27
19.05.2026, 14:58
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Nach Angaben von Verteidigungsminister Hanno Pevkur handelt es sich um den ersten Abschuss dieser Art. Rumänische F-16-Jets hätten die Drohne über dem Võrtsjärv-See im Süden des Landes vom Himmel geholt. Sie stürzte demnach in einem sumpfigen Gebiet ab, die Suche dauere noch an. Die estnische Sicherheitspolizei leite die Ermittlungen.
Pevkur zufolge soll es sich vermutlich um ein ukrainisches Flugobjekt handeln, das mutmasslich auf russische Ziele gerichtet war. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es zunächst nicht. Nach Angaben des estnischen Brigadegenerals Riivo Valge sei die Drohne vor dem Abschuss visuell gesichtet und mit der ersten Rakete getroffen worden.
Estland grenzt im Osten an Russland. Die Streitkräfte hatten zuvor Warnungen über eine mögliche Bedrohung für den Süden des Baltenstaats veröffentlicht. Auch im benachbarten Lettland wurde die Bevölkerung von mehreren Regionen nahe der Grenze zu Russland gewarnt. Nach Armeeangaben durchquerte höchstwahrscheinlich eine Drohne den lettischen Luftraum. Ob es sich dabei um dasselbe Flugobjekt handelte, das über Estland abgeschossen wurde, blieb zunächst unklar.
Estlands Aussenminister: Nato funktioniert
Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die Nato sichert deshalb bereits seit 2004 den baltischen Luftraum. Dazu verlegen die Verbündeten im regelmässigen Wechsel Kampfflugzeuge samt Personal in die Ostseestaaten im Nordosten Europas. Die rumänischen Maschinen sind auf der litauischen Luftwaffenbasis Siauliai stationiert.
«Der Abschuss einer Drohne, die in den estnischen Luftraum eingedrungen war, beweist eines ganz klar: Die Nato funktioniert», schrieb Aussenminister Margus Tsahkna auf der Plattform X. Die schnelle Reaktion zeige, dass die Verbündeten zusammenstünden und bereit seien, jeden Zentimeter des Nato-Gebiets zu verteidigen.
Nach einem Bericht des estnischen Rundfunks wurde die nordwestliche Region Russlands am Morgen wiederholt von Drohnenangriffen getroffen. Bei ukrainischen Angriffen waren in jüngster Zeit wiederholt fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und teils abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte.
Tsakhna betonte, dass nicht Estland Ziel des Drohnenangriffs gewesen sei und machte Russland für die jüngsten Drohnenvorfälle verantwortlich. «Diese Vorfälle sind eine direkte Folge von Russlands Krieg», schrieb er.
Ukraine entschuldigt sich
Die Ukraine bat die baltischen Staaten um Entschuldigung für solche «unbeabsichtigten Zwischenfälle», wie das Aussenministerium in Kiew mitteilte. Es stellte die These einer Umleitung der Drohnen durch russische Störsender auf: «Russland steuert weiterhin ukrainische Drohnen in das Baltikum mit Mitteln der elektronischen Kriegführung. Und Moskau tut dies absichtlich, zusammen mit intensivierter Propaganda», hiess es.
Pevkur bekräftigte, dass Estland ausser seinen Verbündeten niemandem die Nutzung seines Luftraums gestattet habe und auch die Ukraine dies nicht beantragt habe. Moskau hatte zuvor Estland – wie auch Lettland und Litauen – wiederholt vorgeworfen, der Ukraine ihren Luftraum zur Verfügung zu stellen.
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