Keine Belohnung für den Aggressor Europäer weisen Teile von Trump-Plan für Ukraine zurück

dpa

22.11.2025 - 17:11

Beim G20-Gipfel in Johannesburg stehen die Gespräche über den Ukraine-Krieg im Vordergrund.
Beim G20-Gipfel in Johannesburg stehen die Gespräche über den Ukraine-Krieg im Vordergrund.
Bild: dpa

Der US-Plan für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stösst in seiner derzeitigen Form auf Ablehnung bei den europäischen Verbündeten der Ukraine. Trumps Forderungen belohnen aus europäischer Sicht den Aggressor.

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DPA, Redaktion blue News

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  • Deutschland und andere führende Unterstützer der Ukraine lehnen den US-Plan für ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in der derzeitigen Form ab.
  • Zwar stelle der aktuelle Entwurf eine Grundlage dar, jedoch müsse weiter an dem Plan gearbeitet werden, heisst es in einer nach einem Krisentreffen am Rande des G20-Gipfels in Johannesburg veröffentlichten Erklärung.
  • Man sei bereit, sich einzubringen, um sicherzustellen, dass ein zukünftiger Frieden nachhaltig sei.

Zwar begrüsse man die amerikanischen Friedensbemühungen, doch stelle der Plan eine Grundlage dar, an der noch gearbeitet werden müsse, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs der EU, Kanadas und Japans vom Samstag. Sie seien bereit, sich zu engagieren, um sicherzustellen, dass ein künftiger Frieden dauerhaft sei.

«Wir halten klar am Grundsatz fest, dass Grenzen nicht mit Gewalt verändert werden dürfen. Wir sind zudem besorgt über die vorgeschlagenen Beschränkungen für die ukrainischen Streitkräfte, die die Ukraine bei künftigen Angriffen verwundbar machen würden», hiess es in der Erklärung weiter. Jeglicher Entscheidung in Bezug auf die NATO und die EU müssten die Mitgliedstaaten zustimmen.

Auch kleinere Runde mit Merz, Macron und Starmer

Am Rande des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Johannesburg kamen die europäischen Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter Kanadas, Australiens und Japans am Samstag zu einem Krisengespräch über den Ukraine-Plan von US-Präsident Donald Trump zusammen. Separat hätten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer über Wege zur Unterstützung Kiews beraten, teilte eine Gewährsperson mit.

Die US-Vorschläge verlangen Kiew aus Sicht von Kritikern grosse Zugeständnisse ab, während zahlreiche Forderungen Moskaus erfüllt würden. Unter anderem soll die Ukraine Gebiete an Russland abtreten, die sie derzeit erfolgreich verteidigt; ihre Armee verkleinern und auf einen Nato-Beitritt verzichten. Im Gegenzug soll sich Moskau verpflichten, künftig auf weitere Angriffe auf das Nachbarland zu verzichten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stimmte seine Landsleute in seiner allabendlichen Ansprache am Freitag auf «einen der schwierigsten Momente in unserer Geschichte» ein. Das Land stehe womöglich vor der Wahl, entweder seine «Würde zu verlieren oder das Risiko einzugehen, einen wichtigen Partner zu verlieren», sagte er mit Blick auf die Unterstützung durch die USA. Trump hat Kiew bis zum 27. November Zeit gegeben, auf seinen Plan zu reagieren.

Ukraine und europäische Partner sind in der Zwickmühle

US-Präsident Donald Trump will, dass die Ukraine den Plan bis kommenden Donnerstag im Wesentlichen akzeptiert. Nach Aussagen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj droht der Ukraine bei einem Nein zum Plan, die USA als Schlüsselpartner zu verlieren.

Ohne Unterstützung der grössten Militärmacht, die Waffen an die Ukraine verkauft und Daten für die Kriegsführung gegen Russland bereitstellt, würde eine Fortsetzung des Abwehrkampfs gegen die Invasoren deutlich erschwert.

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22.11.2025

Für Deutschland und die anderen europäischen Partner der Ukraine ist die Lage ebenfalls brenzlig. Sie befürchten, dass ein Friedensplan, der den Aggressor belohnt, keinen dauerhaften Frieden auf dem Kontinent bringen wird. Zugleich sind sie angesichts der angespannten Finanzlage und einer teilweise unterstützungsmüden Bevölkerung in vielen Ländern ebenfalls stark an einem Ende des Krieges interessiert. Allein die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben nach Angaben aus Brüssel bereits mehr als 187 Milliarden Euro für die Unterstützung der Ukraine ausgegeben.