Start am 6. Februar Experten halten Nasa-Mond-Sonde für unsicher 

Stefan Michel

24.1.2026

Seit dem 18. Januar stehen die Rakete und die Orion-Raumsonde
Seit dem 18. Januar stehen die Rakete und die Orion-Raumsonde
KEYSTONE

Die Nasa bereitet sich auf einen bahnbrechenden Schritt vor: den bemannten Flug rund um den Mond. Doch nicht alle Experten sind überzeugt, dass das Raumschiff sicher genug ist.

Stefan Michel

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  • Am 6. Februar startet die NASA mit Artemis II eine bemannte Mondumrundung, trotz anhaltender Sicherheitsbedenken wegen Schwächen im Hitzeschild der Raumkapsel Orion.
  • Anstatt den Schild auszutauschen, wurde die Flugbahn zur Entlastung des Materials angepasst, doch Experten wie Charlie Camarda warnen vor potenziell tödlichen Folgen.
  • Artemis II ist Teil eines langfristigen Programms zur Mondbesiedlung und Vorbereitung bemannter Marsflüge, getragen von internationalen Partnern.

Am 6. Februar brechen vier Nasa-Astronauten zu einem Flug um den Mond auf. Sie tun dies in einem Raumschiff, dessen Hitzeschild in der Vergangenheit nicht immer überzeugt hat.

Dieser ist die Problemzone der Raumsonde Orion: ein spezieller Schutzschild, der das Raumschiff beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor Temperaturen von über 2700 Grad Celsius schützen soll. Doch schon beim unbemannten Testflug Artemis I im Jahr 2022 zeigte sich: Der Schild hatte Schwächen. Unerwartete Materialverluste, Risse und massive Schäden liessen Experten aufhorchen.

«Das ist ein abweichender Hitzeschild», erklärte Dr. Danny Olivas, Ex-Astronaut und Mitglied eines Nasa-Prüfteams auf CNN. Das ist nicht der Schild, den Nasa eigentlich an ihre Astronauten übergeben möchte, erklärt er. Trotzdem glaubt Olivas, dass die Raumfahrtbehörde das Problem verstanden und im Griff habe.

Flugbahn statt Hitzeschild angepasst

Nach monatelangen Analysen entschied sich Nasa dennoch, die Artemis-II-Kapsel wie geplant zu verwenden – ein Austausch des bereits installierten Schildes war ohnehin nicht mehr möglich. Stattdessen wurde die Rückflugbahn leicht angepasst, um den Schild weniger zu belasten.

Nasa bleibt überzeugt: «Es gibt bei jeder Entscheidung Unsicherheiten», so die Behörde in einem Statement. Der neue Flugverlauf soll eine steilere Wiedereintrittsphase erzeugen und die Belastungsdauer reduzieren – ein Sicherheitsplus, so die Ingenieure.

Auch Artemis-II-Kommandant Reid Wiseman zeigte sich optimistisch: «Der Fehler wurde gefunden. Wenn wir dem neuen Plan folgen, wird der Schild sicher funktionieren.»

Doch nicht alle teilen diesen Optimismus.

Nasa-Veteran warnt

Dr. Charlie Camarda, selbst Ex-Astronaut und Hitzeschild-Experte, schlägt Alarm. Er kritisiert das Vorgehen der Nasa scharf: «Wir hätten das Problem längst lösen können», so Camarda, der seine Warnungen an die Nasa-Führung offenbar ungehört verhallen sah. Seine Sorge: Die Entscheidung könnte ein Fehler mit tödlichen Konsequenzen sein.

Der verwendete Werkstoff wurde schon in den Apollo-Missionen verwendet, allerdings in einer anderen Form, schreibt CNN. Um die Produktion effizienter zu gestalten, setzte man bei Orion auf grosse Blocksegmente anstelle der früheren Wabenstruktur. Das Resultat: Die neue Version war weniger durchlässig – ein Problem, wie sich beim Artemis-I-Test zeigte. Gase konnten nicht entweichen, Material platzte ab.

Der Schild für Artemis II hat jedoch keine der durchlässigen Bereiche, die sich beim Testflug als stabil erwiesen hatten. Trotzdem hält die Nasa an ihrem Plan fest. Eine Spezialeinheit habe sämtliche Risiken durchgerechnet, hiess es in einem vertraulichen Treffen. Olivas sagt: «Ich vertraue diesen Ingenieuren, sie haben einen phänomenalen Job gemacht.» 

CNN zitiert in ihrem Bericht weitere Fachleute und ehemalige Nasa-Mitarbeitende, die Orion nicht für sicher genug halten oder zumindest den Entwicklungsprozess der Sonde kritisieren.

Böse Erinnerungen an das Columbia-Desaster

Camarda hingegen bleibt skeptisch. Er kritisiert die eingesetzte Simulationssoftware als zu simpel. «Sie sagt nur, ob ein Riss entstehen könnte – nicht, wie er wächst.»

Für Camarda weckt die Debatte düstere Erinnerungen. Nach dem Columbia-Unglück 2003 war er Teil der ersten Crew, die nach dem Desaster wieder ins All flog. Er warnt davor, aus einem möglichen Erfolg von Artemis II falsche Schlüsse zu ziehen: «Wenn alles gutgeht, wähnen sich alle in Sicherheit. Das ist gefährlich.»

Auch Olivas warnt vor Selbstzufriedenheit: «Unsere Geschichte ist nicht perfekt. Manchmal haben wir einfach nur Glück – und halten das fälschlicherweise für Können.»

Der Bericht auf CNN erweckt den Eindruck, die Nasa lasse es darauf abkommen ob Orion den Wiedereintritt in die Atosphäre übersteht oder nicht – mit vier Menschen an Bord. So ist es aber nicht. Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass der Hitzeschild stark genug ist, allen Zweifeln zum Trotz.

Endziel Mars

Die Crew der Mission Artemis II wird in der Raumsonde Orion während rund zehn Tagen den Mond umrunden, bevor sie zur Erde zurückkehrt. Artemis II gilt der Vorbereitung auf eine bemannte Landung auf dem Mond (Artmis IV) und schliesslich einer permanent den Mond umkreisenden Raumstation. Diese soll dereinst auch als Zwischenstation für Flüge zum Mars genutzt werden können. Die Nasa treibt das Artemis-Programm zusammen mit internationalen Partnern voran.