Französin im Nachthemd abgeführt Hetzte ein Erbe ICE-Beamte auf seine 85-jährige Stiefmutter? 

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17.4.2026 - 20:29

Marie-Thérèse Ross-Mahé (l.) und Bill Ross im Januar 2024 beim Kauf eines Fahrzeugs.
Marie-Thérèse Ross-Mahé (l.) und Bill Ross im Januar 2024 beim Kauf eines Fahrzeugs.
Bild: Screenshot «New York Times»/X

Für eine späte Liebe war sie aus der Bretagne in die USA gezogen. Doch nach dem Tod ihres Ehemanns führten ICE-Beamte die 85-jährige Französin in ihrem Nachthemd ab – und brachten sie in ein überfülltes Abschiebezentrum.

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Verhaftung einer 85-jährigen Französin, die der Liebe wegen von Frankreich in die USA gezogen war, sorgte für Empörung in ihrem Heimatland.
  • Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes entbrannte ein erbitterter Erbstreit mit dessen Söhnen, der nun in der dramatischen Verhaftung von Marie-Thérèse Ross-Mahé gipfelte.
  • Die Witwe wurde am 1. April von ICE-Beamten festgenommen und in ein überfülltes Abschiebezentrum in Louisiana gebracht.
  • Mittlerweile ist die Frau wieder freigelassen worden.

Eine 85-jährige Französin in einem überfüllten Abschiebezentrum: Sie war in die USA gezogen, um ihren Jugendfreund aus den 1950er-Jahren zu heiraten. Doch am 1. April wurde Marie-Thérèse Ross-Mahé von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen und nur in Nachthemd, Morgenmantel und Unterwäsche gekleidet abgeführt, wie die «New York Times» berichtete.

Die Familie von Marie-Thérèse Ross-Mahé machte sich grosse Sorgen. Französische Konsularbeamte versuchen, ihre Freilassung zu erreichen. Ein Sohn sagte der Zeitung «Ouest-France», die ICE-Beamten hätten seine Mutter wie eine Schwerverbrecherin behandelt. «Für uns ist es dringend, sie aus dem Abschiebezentrum zu holen und nach Frankreich zurückzubringen», erklärte er. «Angesichts ihrer Gesundheit wird sie einen Monat unter solchen Haftbedingungen nicht überleben.»

Das South Louisiana Processing Center in Basile ist eines der grössten ICE-Abschiebezentren im US-Bundesstaat Louisiana, in denen Hunderte von Frauen festgehalten werden. Laut Berichten herrschen harte Haftbedingungen. (8. April 2025)
Das South Louisiana Processing Center in Basile ist eines der grössten ICE-Abschiebezentren im US-Bundesstaat Louisiana, in denen Hunderte von Frauen festgehalten werden. Laut Berichten herrschen harte Haftbedingungen. (8. April 2025)
Bild: Keystone/AP Photo/Gerald Herbert

Sie leidet an Herz- und Rückenproblemen. Man habe ihnen mitgeteilt, dass sie mit 70 anderen Häftlingen festgehalten werde. Er berichtete, dass er und seine Geschwister eine Woche lang nichts von ihrer Mutter gehört hatten. Erst dann durften französische Konsularbeamte sie besuchen.

In ihrem Heimatland Frankreich löste die Verhaftung grosse Empörung aus, der Druck auf die Regierung war entsprechend hoch. Am Freitag schliesslich verkündete Aussenminister Jean-Noël Barrot, Marie-Thérèse Ross sei «am Freitagvormittag nach Frankreich zurückgekehrt, und wir sind sehr erfreut darüber».

Liebe, die ein halbes Jahrhundert überdauerte

Marie-Thérèse Ross-Mahé stammt aus der Bretagne. Sie zog in die USA, nachdem sie ihre Liebe mit Bill Ross wiederbelebt hatte. Er war ein ehemaliger US-Soldat, in den sie sich in den 1950er-Jahren verliebt hatte. Damals arbeitete sie als zweisprachige Sekretärin auf einem Nato-Stützpunkt nahe dem französischen Atlantikhafen Saint-Nazaire, berichtete der «Guardian». Das Paar trennte sich, als er 1966 in die USA zurückkehrte. 

Im Jahr 2010 fanden die beiden über soziale Medien wieder zueinander. Beide waren damals mit anderen Partnern verheiratet und die beiden Paare trafen sich. Nachdem ihre jeweiligen Partner verstorben waren, entschied sich Marie-Thérèse Ross-Mahé für einen Umzug nach Anniston im US-Bundesstaat Alabama. Das Paar heiratete im April 2025.

Ungelöster Aufenthaltsstatus nach dem Tod des Ehemannes

Als Bill Ross im Januar 2026 starb, hatte Ross-Mahé noch keine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Sie hatte laut der «New York Times» in einem vor ihrer Festnahme eingereichten Gerichtsantrag angegeben, dass sie versucht habe, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Das Ministerium für Inlandsicherheit, dem ICE unterstellt ist, teilte in einer nicht unterzeichneten Erklärung lediglich mit, dass sie die Gültigkeitsdauer ihrer 90-tägigen Aufenthaltsgenehmigung um etwa vier Monate überschritten habe.

Ross-Mahé hatte einen Anwalt engagiert, der sich um ihre Papiere kümmerte. Am 1. April, acht Tage vor der Anhörung vor einem lokalen Gericht, erschienen die ICE-Beamten, um sie festzunehmen.

Soweit der offizielle Grund. Allerdings ging der Festnahme ein Erbstreit mit den Söhnen von Bill Ross voraus, der bereits am Tag nach dessen Tod seinen Lauf nahm. Einer der Söhne soll ihr zu Hause Wasser, Strom und Internet abgestellt und unter anderem zwei Fahrzeuge mitgenommen haben.

Erbstreit eskaliert

Der Fall eskalierte, als die für den Nachlass von Ross zuständige Nachlassrichterin einen schwerwiegenden Verdacht äusserte: Sie glaubt, dass der jüngere Sohn, ein pensionierter Polizist, der nun bei einem Bundesgericht in Anniston arbeitet, seine Position und Kontakte missbraucht hat, um die Verhaftung seiner Stiefmutter zu veranlassen.

Obwohl der Sohn dies vor Gericht bestritt, schrieb die Richterin in ihrer Verfügung, dass er einen Tag vor der Festnahme über die bevorstehende Aktion informiert wurde. Ausserdem erhielt er keine Stunde nach der Festnahme eine SMS, in der diese bestätigt wurde. Zwei Stunden nach ihrer Festnahme, so die Richterin, begab sich der andere Sohn von Ross zum Haus des Vaters und tauschte die Schlösser aus.

Ross-Mahés Sohn hat nach eigenem Bekunden seit ihrer Festnahme keinen Kontakt zu seiner Mutter aufnehmen können, da das ICE-Abschiebezentrum, in dem sie festgehalten wird, keine Auslandsgespräche zulässt. Stattdessen kommuniziert sie über ihre Nachbarn in Anniston, die sich wie das französische Konsulat für ihre Freilassung einsetzten. 


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