DeutschlandFriedensforscher: Europa rüstet massiv auf
SDA
10.3.2025 - 04:06
ARCHIV - Ein Panzer der polnischen Armee vom Typ Leopard 2 steht im Wald. Foto: Armin Weigel/dpa
Keystone
Der russische Angriff auf die Ukraine und die Unsicherheit über den aussenpolitischen Kurs von US-Präsident Donald Trump haben die Staaten Europas kräftig aufrüsten lassen. Entgegen dem weltweiten Trend nahmen die europäischen Importe schwerer Rüstungsgüter wie Kampfjets, Panzer und U-Boote im Vergleich der vergangenen beiden Fünfjahreszeiträume um satte 155 Prozent zu, wie aus einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervorgeht. Das globale Volumen solcher Rüstungseinfuhren sank im Gegensatz dazu minimal um 0,6 Prozent.
Keystone-SDA
10.03.2025, 04:06
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«Die neuen Waffentransferzahlen spiegeln deutlich die Aufrüstung wider, die als Reaktion auf die Bedrohung durch Russland unter Staaten in Europa stattfindet», erklärte der Sipri-Programmdirektor Mathew George. Dass das weltweite Volumen relativ unverändert blieb, hängt demnach damit zusammen, dass manche grosse Rüstungsimporteure wie Saudi-Arabien, Indien und China aus verschiedenen Gründen deutliche Importrückgänge verzeichneten – trotz auch der in ihren Regionen wahrgenommenen hohen Bedrohungslage.
Die Sipri-Daten beziehen sich auf das Volumen von Rüstungslieferungen, nicht auf deren finanziellen Wert. Da dieses Volumen von Jahr zu Jahr je nach Auftragslage stark schwanken kann und es den Friedensforschern in ihren Berichten um langfristige Trends geht, vergleichen sie Fünfjahreszeiträume statt Einzeljahre, diesmal also die Jahre 2020-2024 mit 2015-2019.
Aussagekräftige Zahlen zum Ukraine-Krieg
Wie stark der Ukraine-Krieg den Rüstungshandel in den vergangenen Jahren beeinflusst hat, zeigen unter anderem zwei Zahlen mit grosser Aussagekraft:
* 9.627 Prozent: Die Ukraine hat sich zum nunmehr grössten Waffenimporteur der Erde entwickelt und ihren Anteil an den weltweiten Waffeneinfuhren im Vergleich der Fünfjahreszeiträume von weniger als 0,1 auf nun 8,8 Prozent fast verhundertfacht. Während das Land vor dem russischen Einmarsch im Februar 2022 nur wenige schwere Waffen aus dem Ausland importierte, war es 2023 und 2024 der mit Abstand grösste Rüstungsimporteur der Welt. Grösste Waffenlieferanten waren dabei die USA (45 Prozent), Deutschland (12 Prozent) und Polen (11 Prozent). Die US-Regierung von Präsident Trump hat die Militärhilfen für die Ukraine jüngst jedoch vorläufig eingestellt. Zugleich exportierte die Ukraine selbst 72 Prozent weniger Rüstungsgüter ins Ausland – weil sie die Waffen eben selbst benötigt.
* Minus 64 Prozent: Auf der anderen Seite der Kriegsfront entspricht der russische Anteil an den weltweiten Rüstungsexporten mit 7,8 Prozent quasi nur noch einem Drittel der 21 Prozent des Vergleichszeitraums. Will heissen: Russland verkauft viel weniger Waffen ins Ausland, weil es sie zum einen selbst für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine benötigt. Zum anderen erschweren Handelssanktionen russische Rüstungsexporte. Die USA und ihre Verbündeten setzen andere Staaten zudem unter Druck, keine Waffen aus Russland mehr zu kaufen.
Wie Europas Rüstungsexporte mit Trump zusammenhängen
Europas Importsprung hat jedoch nicht nur mit der Ukraine zu tun, sondern auch mit politischen Kurswechseln in den USA: Schon in seiner ersten Amtszeit (2017-2021) hat US-Präsident Trump von den europäischen Nato-Partnern gefordert, ihre Verteidigungsausgaben drastisch zu erhöhen. Viele Europäer haben dem Folge geleistet, wie auch die Sipri-Zahlen untermauern: Die europäischen Nato-Länder haben ihre Rüstungseinfuhren demnach insgesamt mehr als verdoppelt (plus 105 Prozent).
Die transatlantischen Beziehungen haben sich seit Trumps erneutem Wahlsieg Ende 2024 dennoch weiter verschlechtert. Beim Rüstungshandel bleibt Europa zugleich stark von den USA abhängig: 64 Prozent der Einfuhren der europäischen Nato-Länder stammten in den vergangenen fünf Jahren aus den USA – und da kommt noch mehr: Laut Sipri haben die Europäer bis Ende 2024 allein 472 Kampfjets und 150 Kampfhubschrauber aus den Vereinigten Staaten bestellt, deren Lieferung noch aussteht.
Platzhirsch USA
Die Friedensforscher sehen aber auch Anzeichen dafür, dass sich Europa aus diesem Abhängigkeitsverhältnis befreien will: «Angesichts eines zunehmend kriegerischen Russlands und belasteter transatlantischer Beziehungen während der ersten Trump-Präsidentschaft haben die europäischen Nato-Staaten Schritte unternommen, um ihre Abhängigkeit von Rüstungsimporten zu verringern und die europäische Rüstungsindustrie zu stärken», sagte Sipri-Forscher Pieter Wezeman. Einfach wird das nicht: «Das transatlantische Waffenlieferungsverhältnis hat tiefe Wurzeln», stellte der Experte fest.
Bis auf weiteres bleiben die USA auf dem Rüstungsmarkt allein schon wegen ihrer Führungsrolle bei der Produktion von Kampfflugzeugen der absolute Platzhirsch: Zwischen 2020 und 2024 exportierten sie Rüstungsgüter in 107 Staaten, wobei sie ihre Waffenausfuhren um 21 Prozent weiter erhöhen und ihren weltweiten Exportanteil von 35 auf nunmehr 43 Prozent steigern konnten. Dahinter folgen – weit abgeschlagen – Frankreich (9,6 Prozent), Russland (7,8), China (5,9) und Deutschland (5,6).
Deutschland als fünftgrösster Waffenexporteur der Erde
Während andere grosse EU-Staaten wie Frankreich, Italien, Spanien und Polen ihre Anteile an den globalen Exporten teils kräftig steigern konnten, nahm der Anteil Deutschlands im Fünfjahresvergleich um 2,6 Prozent ab. Jeweils etwas mehr als ein Drittel der deutschen Waffenlieferungen ging dabei an Staaten im Nahen Osten – dort vor allem an Ägypten und Israel – sowie an europäische Länder, darunter in erster Linie die Ukraine.
«Schmerzhaft klar wird bei den Zahlen, wie dringend nötig ein restriktives deutsches Rüstungsexportkontrollgesetz ist, das die Ampel-Koalition zwar versprochen, aber nicht geliefert hat», erklärte der Abrüstungsexperte der Friedensorganisation Greenpeace, Alexander Lurz. Er monierte, dass ein grosser Teil der deutschen Waffen in die Krisenregion Nahost geliefert werde. «Deutschland ist weiterhin der fünftgrösste Waffenexporteur weltweit, wobei die Verkäufe eben nicht nur in Demokratien und angegriffene Staaten, sondern auch an Autokratien gehen.»
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«Die Szenen in Belfast letzte Nacht waren schockierend und völlig inakzeptabel (...) Es ist offensichtlich, dass Menschen letzte Nacht aufgrund ihrer Herkunft ins Visier genommen wurden, und das werde ich nicht tolerieren (...) Die Verantwortlichen werden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.»
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