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Polizei beim Kampf gegen den Mob, der das US-Kapitol erstürmt.
Bild: KEYSTONE
Drei Polizeibeamte, die beim Sturm auf den US-Kongress am 6. Januar 2021 im Einsatz waren, schalten sich in den Wahlkampf ein. Ihre Mission: Sie wollen nicht, dass Donald Trump mit seinen Lügen durchkommt.
Aquilino Gonell hat sich weitgehend erholt von den brutalen Angriffen durch Anhänger Donald Trumps am 6. Januar 2021. Aber nicht vollständig. Der rechte Fuss des ehemaligen Polizisten im US-Kapitol wird nach einer Operation noch von Schrauben und einer Metallplatte zusammengehalten, auch seine Schulter ist noch eingeschränkt. Die emotionale Genesung fällt ihm ebenfalls schwer.
Der Besuch Trumps am Sitz der US-Regierung im Juni war für Gonell ein Rückschlag. Der Ex-Präsident sprach von einem «Heldenempfang» durch die republikanischen Abgeordneten, die der Polizist und seine Kollegen 2021 vor den Randalierern beschützt hatten. Und in der vergangenen Woche erklärte Trump in einer Fernsehdebatte fälschlich, viele der Aufständischen – seine Anhänger – seien «von der Polizei hereingeholt» worden.
Trumps Besuch im Kongress sei ein Trigger für seine Posttraumatische Belastungsstörung gewesen, sagt Gonell, der wegen seiner Verletzungen 2022 in den Ruhestand ging und sich in jüngster Zeit bei Wahlkampfveranstaltungen für Präsident Joe Biden engagiert. «Wir haben das Nötige getan, um die Sicherheit dieser gewählten Amtsträger zu gewährleisten, und anstatt sich auf unsere Seite, die Seite der Beamten zu stellen, haben sie sich auf die Seite einer Person gestellt, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt hat.»
Dreieinhalb Jahre nach dem Sturm auf das Kapitol hält Trump an der Lüge fest, die Wahl sei ihm gestohlen worden. Er versprach, im Fall eines Wahlsiegs seine Anhänger zu begnadigen, die Polizeibeamte schlugen und ins Kapitol einbrachen um die Einsetzung von Biden als Präsident zu verhindern. Um den Falschinformationen entgegenzutreten, arbeiten Gonell und zwei Kollegen, die ebenfalls am 6. Januar 2021 im Dienst waren, mit Bidens Wahlkampfteam zusammen. Sie nehmen an Kundgebungen in umkämpften US-Staaten teil, um sicherzustellen, dass die Wählerinnen und Wähler die Ereignisse von damals nicht vergessen.
Auch ein Video von Daniel Hodges war an diesem Tag durch die sozialen Medien gegangen. Darin war zu sehen, wie der Polizist zwischen zwei Türen geklemmt wurde. «Ich bin eine lebende Primärquelle zu einem wichtigen Tag in der amerikanischen Geschichte», sagt er. «Das versuche ich zu nutzen, damit die Menschen die Wahrheit von jemandem hören, der vor Ort war.»
Gemeinsam mit dem ehemaligen Kapitol-Polizisten Harry Dunn schildern Hodges und Gonell ihren Zuhörerinnen und Zuhörern, was sie am 6. Januar durchmachten, und versuchen, den Kontrast zwischen Biden und Trump deutlich zu machen. Das ist ein ungewöhnlicher Schritt für Polizeibeamte, die gewohnt sind, ihre politischen Ansichten für sich zu behalten.
«Ich bin eigentlich ein introvertierter Mensch und niemand, der gerne zum Mikrofon greift oder ein Publikum sucht», sagt Hodges. «Aber ich bin in dieser einzigartigen Position, in der die Menschen zuhören, was ich zu einem wichtigen Thema sage. Daher fühle ich mich moralisch dazu verpflichtet.» Bei Veranstaltungen in den US-Staaten Wisconsin, Nevada und Arizona in jüngster Zeit bezeichneten die drei Männer Trump als Gefahr für das Land.
«Nach dreieinhalb Jahren geht der Kampf für Demokratie weiter», sagt Dunn kürzlich vor einer Gruppe von Wählerinnen und Wählern in Phoenix in Arizona. «Donald Trump ist immer noch die Bedrohung. Sein gestörtes, egoistisches, obsessives Machtstreben ist der Grund dafür, dass gewaltsame Aufrührer meine Kollegen und mich angegriffen haben.»
Die Beamten widersprechen auch heftig Trumps Äusserungen in dem TV-Duell. Dort hatte er fälschlicherweise erklärt, es habe sich um eine «relativ kleine» Gruppe von Demonstranten gehandelt, die die Polizei ins Kapitol gelassen habe. Mehr als 1400 Menschen wurden in Zusammenhang mit dem Aufstand angeklagt. In dem Bemühen, weitere Eindringliche aus dem Gebäude fernzuhalten, wurden Polizisten verletzt, einige von ihnen schwer.
Dunn sagt nach der Debatte, die Behauptungen des Expräsidenten seien «ein Schlag ins Gesicht, aber das war von Donald Trump nicht anders zu erwarten». Die drei Polizisten stehen nach eigenen Worten weiter fest hinter Biden, auch wenn dieser für seinen Auftritt in dem Duell stark kritisiert wurde. «Er hätte etwas energischer sein können, aber ich ziehe die Person, die keinen Mob schickt, um mich und meine Kollegen zu töten, der anderen Person vor», sagt Gonell, der im vergangenen Jahr ein Buch über seine Erlebnisse veröffentlichte. «Ich werde an jedem einzelnen Tag an diesen schrecklichen Tag erinnert. Jedes Mal, wenn ich meine Schuhe anziehe, sehe ich meine Narbe.» Gonell war am 6. Januar in einige der schwersten Kämpfe gegen Trump-Anhänger verwickelt.
In den Wochen darauf hatten Dunn, Hodges und er viel öffentliche Anerkennung erhalten. Mit ihrer Kritik an Trump fielen sie jedoch in den vergangenen Jahren bei Teilen der Republikaner in Ungnade. Bei einem Besuch im Parlament von Pennsylvania wurden Gonell und Dunn im Frühjahr von republikanischen Abgeordneten ausgebuht. Doch davon lassen sich die Polizisten nicht abschrecken: Sie kämpfen weiter dafür, dass der 6. Januar nicht in Vergessenheit gerät.