Rechte Radiolegende

Gegen «Tunten» und «Feminazis» – Rush Limbaugh ist gestorben

dpa/phi

18.2.2021 - 10:47

Rush Limbaugh hat als konservativer Kommentator Millionen gescheffelt und Millionen gegen sich aufgebracht. Für die Rechten in den USA war er ein Radio-Gott, für die Linken eine Reinkarnation des Satans. Nun ist er tot.

Es ist gut ein Jahr her, dass der Zigarrenliebhaber bekannt gemacht hat, dass er an Lungenkrebs leidet. Doch Rush Limbaugh hat weitergemacht: Der Radiomoderator hat noch den kompletten Wahlkampf mitgemacht, wo der rechte Medienmann natürlich für Donald Trump trommelte.

Nun ist Limbaugh seiner Krankheit erlegen: Er ist am 17. Februar in Palm Beach, Florida, im Alter von 70 Jahren gestorben. Mit ihm verlieren die Konservativen in den USA ein Zugpferd, einen Königsmacher – und natürlich einen Rammbock.

Denn Limbaugh hat einerseits die beliebteste Radioshow der Nation moderiert und ein Millionenpublikum in seinen Bann gezogen. Doch andererseits teilte er auf dem Äther auch gern mal unter der Gürtellinie aus. Unverschämt konservativ und parteiisch, mit einem Talent für Sarkasmus, Häme und Bosheit – so arbeitete sich Limbaugh ab 1971 nach oben.

Schauspieler Michael J. Fox warf er einmal vor, er würde seine Parkinson-Krankheit übertreiben. Barack Obama nannte er einen «Zauberneger», Schwule «Schwuchteln» und die damals zwölfjährige Präsidententochter Chelsea Clinton «einen Hund». Als Aids in den 80er Jahren grassierte, verspottete er Sterbende.

Eine Jurastudentin, die besseren Zugang zu Verhütungsmitteln forderte, bezeichnete er als «Flittchen» und unterstellte, das von den Demokraten geforderte Schwangerschaftsrecht hätte dazu geführt, dass die Jungfrau Maria Jesus abgetrieben hätte. Immerhin hat Limbaugh sich bei diesem Opfer für seine Wortwahl entschuldigt.

«Tunten», «Spinner» und «Feminazis»

Oft bestimmte Limbaugh das politische Gespräch im ganzen Land und die politische Richtung der Republikaner. Er machte Schimpfwörter wie «Tunten», «Spinner» und «Feminazis» scheinbar sendefähig und prägte Moderatoren wie Sean Hannity, Glenn Beck, Bill O’Reilly und ungezählte weitere konservative Kommentatoren, die wie er die Grenzen des Sagbaren im öffentlichen Diskurs immer weiter verschoben.

Er liebte Zigarren: Limbaugh im Februar 2001 beim Golfen in Pebble Beach, Kalifornien.
Er liebte Zigarren: Limbaugh im Februar 2001 beim Golfen in Pebble Beach, Kalifornien.
KEYSTONE

Rechte Politiker dankten es Limbaugh. «Sie sind die erste Stimme des Konservatismus geworden», schrieb ihm sein Idol Ronald Reagan 1992. Der frühere Präsident George W. Bush sagte, Limbaugh sei die Stimme von Millionen Amerikanern. Donald Trump verlieh ihm am 4. Februar 2020 die Freiheitsmedaille – die höchste zivile Auszeichnung des Landes.

Limbaugh charakterisierte sich selbst wahlweise als «intellektuellen Motor der konservativen Bewegung», «Wahrheitsanzeiger», «Doktor der Demokratie» und «rundum guten Kerl», der sich sein Talent von Gott geliehen habe. Fast 600 Radiostationen übernahmen an Wochentagen seine Dreistundensendung.

Als konservatives Zugpferd ein Vermögen verdient

«Was er getan hat, war, eine hysterische, und wirklich gemeine, widerliche Rhetorik und aufgedrehte Parteilichkeit massenkompatibel zu machen», urteilte der Politologe Martin Kaplan von der Universität Südkalifornien. Doch sein Mund machte den Mann auch reich: 2018 hat er laut «Forbes» 84 Millionen Dollar (gut 75 Millionen Franken) verdient, sein Vermögen wird auf 600 Millionen Dollar (538 Millionen Franken) geschätzt.

Rush Limbaugh wird am 4. Februar 2020 im Kapitol von First Lady Melania Trump die Freiheitsmedaille überreicht. Links neben ihm seine Frau Kathryn.
Rush Limbaugh wird am 4. Februar 2020 im Kapitol von First Lady Melania Trump die Freiheitsmedaille überreicht. Links neben ihm seine Frau Kathryn.
KEYSTONE

Als Schüler war der 1951 in Missouri geborene Limbaugh übrigens eher schüchtern, entdeckte aber früh seine Leidenschaft fürs Radio. Manchmal stellte er die Fernsehübertragung eines Baseballspiels ab, um selbst zu kommentieren. Noch als Schüler bekam er die erste Anstellung beim Radio. Anfangs präsentierte er Hits, garniert mit witzigen Kommentaren, die immer mehr zu seinem Markenzeichen wurden. 

2003 räumte Limbaugh ein, von Schmerzmitteln abhängig geworden zu sein. Später einigte er sich mit der Staatsanwaltschaft auf die Zahlung von 30'000 Dollar. Zu dieser Zeit verlor er zudem sein Gehör, konnte seine Karriere aber nach einer Operation fortsetzen. Der Radiostar war insgesamt vier Mal verheiratet, hatte aber keine Kinder. Seinen Tod hat seine letzte Ehefrau auf seiner Website bekanntgegeben.

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dpa/phi