Grenzöffnung der USA lässt Europäer aufatmen

Von Andrej Sokolow und Christiane Jacke, dpa

21.9.2021 - 05:54

Passagierflugzeuge aus Europa dürfen bald wieder in die USA fliegen – zumindest mit Geimpften an Bord.
Bild: dpa

Seit eineinhalb Jahren können Europäerinnen und Europäer – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – nicht mehr in die USA einreisen. Dass sich das jetzt ändert, freut viele. 

Von Andrej Sokolow und Christiane Jacke, dpa

21.9.2021 - 05:54

Für Schweizer*innen mit Fernweh öffnet sich eine neue Perspektive, denn das lange Warten auf Reisen nach Amerika hat bald ein Ende. Ab November können Ausländer*innen mit einer vollständigen Corona-Impfung wieder in die Vereinigten Staaten einreisen. Das gab der Covid-Koordinator des Weissen Hauses, Jeffrey Zients, am Montag bekannt.

Der Ankündigung zufolge müssen Erwachsene bestätigen, dass sie vollständig geimpft sind, bevor sie ins Flugzeug in die USA einsteigen können. Zusätzlich müssen Reisende – wie bisher – einen maximal drei Tage alten negativen Corona-Test vorweisen. Die Fluggesellschaften sollen Kontaktinformationen von Passagieren 30 Tage lang aufheben, damit sie nach eventuellen Corona-Fällen benachrichtigt werden können.

Genaue Vorgaben, wie diese Nachverfolgung ablaufen soll, würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben, sagte die Sprecherin des Weissen Hauses, Jen Psaki, am Montag in Washington. Das Gleiche gelte für die Frage, welche Impfstoffe von den USA anerkannt werden und wie eine Impfung nachgewiesen werden muss. In den USA sind bislang nur drei Impfstoffe zugelassen: die Präparate von Pfizer/Biontech, Moderna sowie Johnson & Johnson. Psaki betonte, die Regelungen sollten ab Anfang November gelten.

Die Lockerungen kommen nach gut eineinhalb Jahren eines weitgehenden Einreisestopps für Menschen aus zahlreichen Ländern. Die Reisebranche und die Wirtschaft dürften damit aufatmen, aber auch viele Privatleute, die über Monate von Familienmitgliedern und Freunden getrennt waren.

Europäer freuen sich

EU-Kommissar Thierry Breton begrüsst die Lockerung und spricht von einem logischen Schritt angesichts des Erfolgs der Impfkampagne in Europa. Der britische Premierminister Boris Johnson bezeichnete die Entscheidung als «fantastischen Schub für Wirtschaft und Handel». Es sei grossartig, «dass Familien und Freunde auf beiden Seiten des Teichs wieder vereint werden können», schreibt Johnson auf Twitter.

Die Einreisesperre hatte der damalige US-Präsident Donald Trump im März 2020 erlassen, zu Beginn der Corona-Pandemie, sein Nachfolger Joe Biden hat sie bisher beibehalten. Personen aus dem Schengen-Raum – und damit aus der Schweiz –, aus Grossbritannien und Irland wurde es bis auf wenige Ausnahmen verboten, in die USA einzureisen. Auch für Reisende aus Indien, China, Brasilien, Südafrika und dem Iran verhängten die USA weitreichende Einreisesperren.

Die Schweiz dagegen erlaubt geimpften oder getestete US-Bürger*innen bereits seit Ende Juni wieder ungehindert die Einreise. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hatte die USA damals von seiner Liste der Risikoländer gestrichen.

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Auch die EU hatte ihre Mitgliedsstaaten bereits im Juni aufgefordert, Beschränkungen für Reisende aus den USA und mehreren anderen Ländern schrittweise aufzuheben. Auf eine Gegenleistung aus Washington musste der alte Kontinent jedoch lange warten. Das sorgte für Frust: SVP-Nationalrat Thomas Hurter etwa forderte im August im «Blick», dass der Bundesrat mehr Druck machen müsse: «Ich kann nicht verstehen, dass wir kein Gegenrecht verlangen», sagte er der Zeitung. «Schliesslich ist die Schweiz für die USA ein wichtiger Handelspartner.»

Martin Naville, der Geschäftsführer der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, konnte das vorsichtige Vorgehen der USA dagegen nachvollziehen: So bräuchten die USA «keine ausländischen Touristen», sagte Naville im Sommer im Interview mit SRF, «sie haben schon zu viele amerikanische Touristen und zu wenig Mitarbeiter». Ausserdem sei das Thema politisch «ein ganz heisses Eisen». 

Reisebranche atmet auf

Aus dieser Perspektive erstaunt es wenig, liess sich das Weisse Haus Zeit. Noch Ende Juli hatte die Regierung angesichts der rapiden Ausbreitung der Delta-Variante verkündet, vorerst an allen Reisebeschränkungen festzuhalten. Kurz darauf signalisierte die Administration Biden jedoch, sie arbeite an einem einheitlichen Plan für die Ausgestaltung internationaler Reiseregelungen, um schnell reagieren zu können, sobald Expert*innen eine Lockerung für vertretbar hielten. 

Die weitgehende Einreisesperre trennte bislang nicht nur Familien und Freunde. Sie plagte auch die Geschäftswelt und den Tourismus. Unter anderem aus der Reisebranche wurde schon lange eine Lockerung zumindest für geimpfte Reisende gefordert. 

Auch Aktien von Fluggesellschaften reagierten auf die Ankündigung mit zum Teil kräftigen Zuwächsen. So sprang der Kurs der British-Airways-Mutter IAG zeitweise um mehr als 10 Prozent hoch, für die Swiss-Mutter Lufthansa gab es ein Plus von mehr als 5 Prozent.

Von Andrej Sokolow und Christiane Jacke, dpa