Gehen oder bleiben? Grönländer überlegen sich nach Trump-Drohungen Notfallpläne

Von Pierre-Henry DESHAYES/afp

18.1.2026

Trump beharrt auf Grönland-Anspruch – Entsetzen auf der Arktisinsel

Trump beharrt auf Grönland-Anspruch – Entsetzen auf der Arktisinsel

Das Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland endet ohne Einigung. US-Präsident Donald Trump bekräftigt weiterhin seinen Anspruch auf die Arktisinsel. Alles andere sei für ihn inakzeptabel. In Grönland reagieren viele mit Entsetzen.

15.01.2026

Fluchtpläne, Vorräte, Angst um die Kinder: Trumps Drohungen lassen Grönland erzittern. In Nuuk denken Menschen plötzlich über Krieg, Verstecke und Abschied nach.

Von Pierre-Henry DESHAYES/afp

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, Grönland notfalls mit Gewalt zu übernehmen, verunsichern die Bevölkerung massiv.
  • Viele Einwohner denken erstmals über Flucht, Vorratshaltung und Notfallpläne nach, obwohl es keine offiziellen Anweisungen gibt.
  • Während manche bereit sind zu gehen, wollen andere bleiben und ihrem Land trotz Angst beistehen.

Ulrikke Andersen hat bereits einen Plan gemacht: Falls die USA eine Invasion in Grönland starten, will sie gemeinsam mit ihrer Tochter fliehen. «Früher war ich bereit für mein Land zu sterben, aber seit ich ein Kind habe, ist das anders», sagt die 40-Jährige. Andersen gehört zu den vielen Einwohnern der grönländischen Hauptstadt Nuuk, die auf einmal Zukunftsoptionen abwägen, die ihnen noch vor ein paar Monaten nie in den Sinn gekommen wären.

Die ständigen Äusserungen und Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das rohstoffreiche und militärstrategisch günstig gelegene Grönland notfalls mit Gewalt einzunehmen und den USA einzuverleiben, hinterlassen auf der riesigen Insel ihre Spuren. Die Bewohner des zu Dänemark gehörenden autonomen Gebiets verfallen zwar noch nicht in Panik, überlegen sich aber doch ernsthaft, was sie im Notfall tun sollen.

Gefriertruhen auffüllen und Generatoren kaufen

«Ich denke darüber nach, wo ich mich verstecken kann und welche Medikamente ich horten muss», sagt die 35-jährige Studentin Nuunu Binzer. Offizielle Anweisungen, was im Fall einer Zuspitzung der Lage oder gar einer Invasion zu tun ist, haben die Behörden noch nicht herausgegeben. Doch viele Grönländer füllen schon ihre Gefriertruhen auf, legen Vorräte an Trinkwasser und Treibstoff an oder kaufen Generatoren.

Ulrikke Andersen hält einen Krieg nicht für ausgeschlossen. «Ich habe das Gefühl, dass das passieren könnte», sagt sie. «Ständig denke ich darüber nach, was wir dann tun können. Wenn ich mit dem Hund rausgehe, überlege ich mir, wie es dann hier in den Strassen aussehen würde.»

In ihrem mit Inuit-Kunst dekorierten Wohnzimmer zeigt der Fernseher in Dauerschleife Bilder von Trump und seinen Grönland-Drohungen. Der US-Präsident ignoriert die Unabhängigkeitswünsche vieler Grönländer ebenso wie die Einwände der Schutzmacht Dänemark und wiederholt immer wieder, die USA würden sich die Arktisinsel «auf die eine oder andere Weise nehmen».

«Wir sind gewöhnt unter extremen Bedingungen zu leben»

Für diesen Fall hat Andersen zwei Notfallpläne parat: Falls die USA langsam und allmählich die Macht auf Grönland übernehmen, will sie mit ihrer Familie nach Dänemark ziehen, dessen Staatsangehörigkeit sie hat. Im Falle einer plötzlichen Militärinvasion will die Familie per Boot in eine abgelegene Hütte am anderen Ende der Insel fliehen. «Wir können jagen, fischen, von der Natur leben. Wir sind es gewöhnt, unter extremen Bedingungen zu leben, das ist in unserer DNA», ist die 40-Jährige überzeugt.

Ihre 71-jährige Mutter und ihr acht Jahre älterer Vater müssten in dem Fall allerdings in Nuuk zurückbleiben, darüber hat Andersen schon mit ihnen gesprochen. «Sie verstehen das, weil ich ihnen gesagt habe, dass wir Leute brauchen, die überleben und sich an ein Leben mit dem absoluten Minimum anpassen können», sagt Ulrikke Andersen. «Es wäre zu hart für sie, und es würde die Gruppe schwächen.»

Die 62-jährige Unternehmerin Inger Olsvig Brandt dagegen will auf jeden Fall in der Hauptstadt Nuuk bleiben. «Ich gehe nicht, ich werde versuchen, meinem Land zu helfen solange ich die Kraft habe», sagt sie. «Es ist verführerisch zu gehen, aber wir sind so wenige, dass wir einander brauchen.»

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Donald Trump droht Ländern, die sich seinem Besitzanspruch auf Grönland entgegenstellen, mit Zöllen. Mehrere US-Parlamentarier kritisierten indes bei einer Reise nach Dänemark Trumps Ansprüche auf die Arktisinsel.

18.01.2026