Drohender US-Angriff «Die Leute können nicht mehr schlafen» – Trumps Grönland-Gier und ihre Auswirkungen

Philipp Dahm

14.1.2026

«Zwei Hundeschlitten statt U-Boote»: Trump verspottet Grönlands Verteidigung

«Zwei Hundeschlitten statt U-Boote»: Trump verspottet Grönlands Verteidigung

Europa sucht einen Ausweg aus dem Konflikt um Grönland – aber US-Präsident Donald Trump blockt ab.

12.01.2026

Donald Trump träumt von der Annexion Grönlands, aber wie der dortige Premier heisst, weiss er nicht. Er ahnt wohl auch nicht, was seine Gelüste mit den Einwohnern der Insel machen. Die aktuelle Situation in 5 Punkten.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Donald Trump erhöht den Druck auf Grönland weiter, den er seit 2019 anfacht. Die aktuelle Lage hier in 5 Punkten.
  • Trump immer erratischer: Grönland sei für ihn «psychologisch wichtig» – den Namen des dortigen Premiers kennt er aber nicht.
  • Eingreifen schon in «Wochen oder Monaten»? Trumps Arktik-Beauftragter macht Dampf.
  • Was das Gezerre mit den Grönländern macht: «Leute berichten von Schlafproblemen. Kinder haben Angst.»
  • Gespaltene USA: Es sind Gesetze geplant, die die Grönland-Aktion verbieten – und erlauben.
  • So reagieren Europa, die Nato und Russland: Dmitri Medwedew giesst mal wieder Öl ins Feuer.

Seit 2019 und seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump ein Auge auf Grönland geworfen. Und der 79-Jährige lässt nicht locker. Er werde «etwas mit Grönland machen – ob sie es mögen, oder nicht», sagt Trump vor ein paar Tagen im Weissen Haus.

Warum ist der New Yorker so besessen von der Insel, die zu Dänemark gehört? «Wenn wir es nicht tun, übernehmen Russland oder China Grönland. Und wir werden Russland oder China nicht als Nachbarn haben.»

Das ist natürlich Seemannsgarn. Denn Russland grenzt an der Beringstrasse an Alaska, das ja bekanntlich zu den USA gehört. Amerika und Russland sind dort gerade mal 83 Kilometer voneinander entfernt. Die Distanz zu Grönland beträgt vom nordöstlichsten Zipfel der USA dagegen über 1900 Kilometer. So viel zum Thema Nachbarschaft.

Die Grenze zwischen Alaska in den USA und Russlands Fernen Osten. Die Länder werden von der Beringstrasse voneinander getrennt. Fun Fact: Das südlich gelegene Beringmeer ist nach dem Dänen Vitis Bering benannt, der es 1728 im Dienste Russlands durchfahren hat.
Die Grenze zwischen Alaska in den USA und Russlands Fernen Osten. Die Länder werden von der Beringstrasse voneinander getrennt. Fun Fact: Das südlich gelegene Beringmeer ist nach dem Dänen Vitis Bering benannt, der es 1728 im Dienste Russlands durchfahren hat.
Google Earth

Dabei gebe es deutlich bessere Gründe, die Trump für seine Grönland-Gelüste ins Feld führen könnte: Da wäre die enorme geostrategische Bedeutung der Insel oder die Tatsache, dass es dort 47 der 50 Mineralien gibt, die Washington als überlebenswichtig erachtet – siehe auch unten verlinkter Artikel.

Das Weisse Haus erhöht nun stetig den Druck: Wenn man sich nicht einige, könnten die USA das Ganze auch «auf die harte Tour» machen, droht Trump seinem Bündnispartner unverhohlen. Die jüngsten Entwicklungen in dem Fall in fünf Punkten.

Trump immer erratischer

Obwohl es gute Gründe für das US‑Interesse an Grönland gibt, wirkt Trump bei dem Thema zunehmend obsessiv – nicht nur wegen seiner unverblümten Drohungen. Der «New York Times» sagt der Präsident, er habe das Gefühl, das Eiland werde «psychologisch für Erfolg gebraucht».

Donald Trump spricht am 13. Januar zum Detroit Economic Club
Donald Trump spricht am 13. Januar zum Detroit Economic Club
KEYSTONE

Auf die Nachfrage der Zeitung, ob damit die Nation oder er selbst gemeint sei, antwortet Trump: «Psychologisch wichtig für mich.» Und: «Vielleicht würde ein anderer Präsident anders denken, aber bisher hatte ich mit allem recht.» Und gleichzeitig weiss er: «Es könnte die Nato in Aufruhr bringen.»

Weiterhin zeigt sich Trump erstaunlich schlecht informiert, als eine Reporterin ihn am 13. Januar auf die Aussage des grönländischen Premiers anspricht. Der hat gesagt, man bleibe lieber bei Dänemark. Der Präsident zeigt sich ganz offen überraschend ahnungslos: «Nun, das ist ihr Problem. Ich stimme nicht mit ihm überein. Ich weiss nicht, wer er ist. Ich weiss nichts über ihn. Aber das wird ein grosses Problem für ihn sein», sagt Trump über Jens-Frederik Nielsen, dessen Heimat ihn so reizt.

Eingreifen schon in «Wochen oder Monaten»?

«USA Today» hat Neuigkeiten von einem Mitglied der Administration erfahren, das seit 2020 an dem Thema dran ist. Es könnten nur «Wochen oder Monate» vergehen, bis die USA auf der Insel eingreifen, sagt Thomas Dans der Zeitung. Und: «Das ist eine Zugverbindung mit mehreren Stopps», bekundet der Investmentbanker, den Trump zum Chef der Arktik-Kommission gemacht hat.

«Es könnte im Expresstempo weitergehen, lokale Stopps könnten übergangen werden und der Zug direkt in den Hauptbahnhof einfahren», erklärt Dans bildhaft.

Europe, including France and Germany, have announced they are working on a plan in the event the United States follows through on its threat to attack Greenland. Denmark is withdrawing troops from other areas to redeploy in defence of Greenland, also requests allied troops.

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— Anonymous (@youranoncentral.bsky.social) 11. Januar 2026 um 01:46

Er weiss zumindest, dass es besser wäre, die lokale Bevölkerung zu überzeugen: «Wir müssen die Grönländer an Bord holen», sagt er über die 57'000 Menschen, die auf der Insel leben. Es müsse einen «Prozess geben, um das Vertrauen und die Unterstützung der Grönländer zu bekommen, und das braucht Zeit und Mühe von US-Seite».

Effekte in Grönland: «Leute berichten von Schlafproblemen»

Dass die USA Grönland annektieren wollen, sei «unfassbar», sagt Naaja Nathanielsen, die Ministerin für Wirtschaft und Rohstoffe auf der Insel ist. Washingtons Rhetorik sei «beleidigend, aber auch verwirrend», wird sie von der türkischen Nachrichtenagentur «Anadolu Ajansı» zitiert.

Das Gezerre um die Insel belaste die Bewohnerinnen und Bewohner: «Das verursacht eine Menge Sorgen über die Zukunft. Leute berichten von Schlafproblemen. Das füllt wirklich die Agenda und sorgt für Diskussionen in den Haushalten», klagt die 50-Jährige. «Kinder haben Angst.»

For years trump and his regime have affected our sleep and frightened U.S. citizens, now that cancer has spread to the world. This older, gentle woman in Greenland says, she's afraid because we have no respect for her or her country. MAGA destroys everything.

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— Jason Dogwood 💙 🏳️‍🌈 🌱 (@jasondogwood.bsky.social) 9. Januar 2026 um 22:13

«Wir haben keine Probleme damit, mehr darüber zu wissen, was um Grönland herum passiert. [...] Wir haben keine Probleme damit, der Nato mehr Zugang zu Grönland zu gewähren», versichert Nathanielsen und warnt vor einem Bündnis-Bruch: «Es impliziert, dass ein Land von einem anderen NATO-Partner angegriffen wird, aber in Wirklichkeit würden wir alle angegriffen werden.»

Gesetze geplant, die Grönland-Aktion verbieten – und erlauben

Die Republikanerin Lisa Murkowski und die Demokratin Jeanne Shaheen haben gemeinsam ein Gesetz eingebracht, das Donald Trump verbieten würde, das Gebiet eines Nato-Staats ohne die Zustimmung des betroffenen Bündnispartners zu annektieren, zu besetzen oder anderweitig zu kontrollieren.

Das Gesetz würde es der Regierung verbieten, Mittel des Pentagons oder des Aussenministeriums entsprechend zu nutzen. Der US-Präsident hat in der Aussenpolitik enormen Handlungsspielraum, aber die Hoheit über Haushaltsmittel liegt bei den beiden Kammern des US-Kongresses.

Es ist unklar, ob der Entwurf eine realistische Chance hat, von einer Mehrheit des Senats und anschliessend auch im Repräsentantenhaus verabschiedet zu werden. Zumal die Gegenseite nun ebenfalls einen Gesetzentwurf in den Ring wirft.

Der Republikaner Randy Fine aus Trumps Wahlheimat Florida bringt ein Gesetz ein, das Trump nicht nur die Annexion Grönlands explizit erlaubt – es ermöglicht dem Weissen Haus auch, die Insel zum 51. Bundesstaat zu machen.

«Die Armutsquote in Grönland ist viel, viel höher als in Dänemark. Das Land wird von Sozialisten regiert, und es ist nicht in Amerikas Interesse, dass ein so grosses Gebiet zwischen den USA und Russland von Sozialisten regiert wird», führt Fine bei «Fox News» aus.

So reagieren Europa, die Nato und Russland

Donald Trump macht sich über Grönlands Verteidigung lustig – siehe Video ganz oben: Die Insel wehre sich «mit zwei Hundeschlitten statt U-Booten». Grönlands Premier setzt deshalb auf das bereits bestehende Bündnis:  «Unsere Sicherheit und Verteidigung sind Sache der Nato», schreibt Jens-Frederik Nielsen auf Instagram. «Das ist eine fundamentale und sichere Verbindung.»

Die Insel werde ihre Kooperation mit dem Bündnis verstärken, versichert Nielsen weiter. Ins selbe Horn stösst der Nato-Generalsekretär: Man arbeite an «den nächsten Schritten», um die Sicherheit in der Arktis zu erhöhen, erklärt Mark Rutte am 12. Januar. 

Ähnliche Rufe kommen aus Deutschland. «Wir müssen davon ausgehen, dass Trump mit Grönland Ernst macht. Europa muss daher viel stärker Präsenz zeigen», fordert Patrick Sensburg, Chef des Reservistenverbandes, auf Nachfrage der «Bild». Eine dauerhafte Stationierung diente auch dem Training europäischer Truppen in arktischen Verhältnissen, heisst es weiter.

«Wir müssen in kurzer Zeit mindestens eine europäische Brigade unter der Führung von Dänemark dorthin verlegen. Auch Deutschland wird hier besonders in der Pflicht stehen», sagt der 54-Jährige. Der EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, Andrius Kubilius, bietet Grönland ebenfalls militärische Unterstützung an, weiss «The Defense Watch».

Und Russland? Der Kreml hat ein Interesse daran, die Nato zu schwächen – und giesst via Wladimir Putins Kettenhund Öl ins Feuer. «Trump muss sich beeilen», wird ein Post von Dmitri Medwedew zitiert. Er ist Ex-Präsident und stellvertretender Leiter des russischen Sicherheitsrats.

Der Grund? «Unbestätigten Informationen zufolge könnte es in wenigen Tagen ein plötzliches Referendum geben, bei dem alle 55'000 Einwohner Grönlands für den Beitritt zu Russland stimmen könnten. Und das war's!» Mit Blick auf die US-Angriffe auf Drogenboote in der Karibik ergänzt er, auch in Grönland könnten die USA ein «Wespennest der Drogenmafia» beseitigen.