Grönland-Politiker überrascht «Machen Sie weiter so, Präsident Trump!»

Sven Ziegler

15.1.2026

Ein Politiker Grönlands steht den Plänen von US-Präsident Donald Trump überraschend positiv gegenüber.
Ein Politiker Grönlands steht den Plänen von US-Präsident Donald Trump überraschend positiv gegenüber.
Screenshot ARTE

Donald Trumps Pläne rund um Grönland haben weltweit für Irritation gesorgt. Eine neue ARTE-Reportage zeigt nun, dass die Reaktionen auf der Insel differenzierter ausfallen als erwartet – und dass es sogar politischen Zuspruch für den US-Präsidenten gibt.

Sven Ziegler, Teleschau

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine ARTE-Reportage zeigt unterschiedliche Reaktionen in Grönland auf Trumps Übernahmepläne.
  • Viele Einheimische fürchten eine neue Abhängigkeit, andere sehen darin eine Chance für mehr Aufmerksamkeit und Autonomie.
  • Ein grönländischer Parlamentarier begrüsst Trumps Vorstoss ausdrücklich – nicht aus Pro-USA-Haltung, sondern im Namen grönländischer Eigenständigkeit.

Die Idee von Donald Trump, Grönland unter amerikanischen Einfluss zu bringen, hat auf der grössten Insel der Welt zunächst für Fassungslosigkeit gesorgt. Doch eine aktuelle Dokumentation von ARTE zeichnet ein deutlich vielschichtigeres Bild.

In der Reportage «Re: Grönland zwischen Dänemark und Trump» kommen zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner der Insel zu Wort. Viele äussern Sorgen über die wachsenden Begehrlichkeiten der USA – andere wiederum sehen in der Debatte eine Chance, die festgefahrene Beziehung zu Dänemark neu zu verhandeln.

Grönland gehört politisch weiterhin zum dänischen Königreich, verfügt aber seit Jahren über weitgehende Autonomierechte. Der Wunsch nach vollständiger Unabhängigkeit begleitet die Insel seit Jahrzehnten. «Im Moment sind wir unter dänischer Herrschaft und kein unabhängiges Land», sagt der in Grönland geborene Nukannguaq Zeeb in der Reportage. Mehr Selbstbestimmung sei für viele ein Traum – allerdings ein langfristiger.

Zweifel an der Unabhängigkeit

Mehrere Stimmen in der Doku verweisen auf die praktischen Hürden. Grönland zählt rund 56’000 Einwohnerinnen und Einwohner, der Staatshaushalt wird jährlich mit etwa einer halben Milliarde Euro aus Dänemark gestützt. Eine Bewohnerin sagt: «Jedes Land will unabhängig sein, aber die Frage ist, ob das überhaupt möglich ist. Wir brauchen Ärzte, Lehrer – Menschen, die dieses Land verwalten.»

Entsprechend gross ist die Skepsis gegenüber einem Wechsel der Abhängigkeit. Statt dänischer Unterstützung unter amerikanischen Einfluss zu geraten, ist für viele keine attraktive Option. Ein Mann erzählt, man habe Trumps Aussagen anfangs nicht ernst genommen. «Wir haben sogar darüber gelacht», sagt er. Doch als die Pläne konkreter wurden, sei die Sorge gewachsen.

Zustimmung im Parlament

Für Aufsehen sorgt in der ARTE-Reportage jedoch ein grönländischer Abgeordneter, der im Parlament in Nuuk offen Sympathie für Trumps Vorstoss zeigt. Er argumentiert, Dänemark habe Grönland über Jahre mit Isolation gedroht, falls die Insel auf Unabhängigkeit dränge. «Und plötzlich sagte der US-Präsident: ‹Nein, wir kümmern uns um sie. Wir sind bereit.›»

Er habe darauf bewusst positiv reagiert und Trump sogar ermutigt. «Herr Präsident, machen Sie weiter so», sagt der Politiker in der Dokumentation. Nicht, weil er amerikanisch werden wolle, sondern weil er darin eine Chance sehe, Grönlands eigene Position zu stärken. «Wir wollen nicht amerikanisch sein – wir wollen grönländisch sein.»

Die vollständige Reportage ist auf arte.tv abrufbar.