Nach Hantavirus-AusbruchSchweizer Crewmitglied ist noch an Bord der «MV Hondius»
SDA
10.5.2026 - 03:20
Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius. Foto: Misper Apawu/AP/dpa/Archivbild
sda
Nach einem Hantavirus-Ausbruch an Bord ist das Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auf Teneriffa eingelaufen. Nun werden die Passagiere evakuiert.
Das Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» mit mehreren Hantavirus-Fällen ist unter strengen Sicherheitsmassnahmen im Hafen von Granadilla auf Teneriffa angekommen, damit die Passagiere ausgeflogen werden können.
Aktuell werden die ersten Menschen an Bord evakuiert.
Die WHO betonte, dass das Hantavirus nicht mit Covid-19 vergleichbar sei und das Risiko für die Bevölkerung sehr gering bleibe.
Insgesamt wurden sechs bestätigte Fälle und zwei Verdachtsfälle registriert, drei infizierte Personen sind gestorben.
Das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff «Hondius» ist am Sonntagmorgen in den Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa eingefahren. Live-Aufnahmen des staatlichen Fernsehsenders RTVE zeigten die Ankunft des Schiffes am frühen Morgen.
Von Granadilla aus sollen die Menschen an Bord der «Hondius», darunter mehrere Deutsche, unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zu einem nahegelegenen Flughafen gebracht und sofort in ihre Heimatländer geflogen werden.
Aktuell werden die Menschen auf dem Schiff evakuiert. Wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilt, haben die ersten Passagiere das Kreuzfahrtschiff am Sonntagvormittag verlassen. Sie stiegen in kleine Boote um, die in Richtung des Hafens von Granadilla auf Teneriffa fuhren.
Sechs spanische Staatsbürger befinden sich bereits im ersten Bus, der sie zum Flughafen Teneriffa Süd bringen soll, wie die spanische Tageszeitung «El Mundo» berichtet. Sie sind mit blauen Overalls und Masken bekleidet. Acht weitere Personen sollen kurz darauf in einen zweiten Bus einsteigen.
Die evakuierten Menschen trugen Schutzanzüge und Masken.
Manu Fernandez/AP/dpa
Schweizer befindet sich an Bord
Ein Schweizer befindet sich noch auf der «MV Hondius». Laut dem Bundesamt für Gesundheit handelt es sich um ein Crewmitglied, wie sie gegenüber «Blick» sagten. Der Mann gilt als Kontaktperson, zeigt bisher jedoch keine Symptome.
Erst nach Ablauf der sechswöchigen Quarantäne wird der Mann in die Schweiz zurückkehren, wie eine Sprecherin des BAG gegenüber «Blick» sagte. Weiter hiess es, dass die niederländischen Behörden für den Transport und die Quarantäne der Crewmitglieder verantwortlich seien.
WHO-Chef versichert: «Kein neues Covid»
Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: «Das ist nicht ein neues Covid.» Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering - zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.
Die Passagiere der «Hondius» sollen von Teneriffa aus sofort in ihre Heimatländer geflogen werden. (Archivbild)
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Zunächst hatte es geheissen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen.
Medizinisches Personal testet Mensch an Bord
Medizinisches Personal soll die Menschen an Bord zunächst auf akute Krankheitssymptome untersuchen, wie die spanischen Behörden mitteilten. Liegen keine vor, werden die Passagiere in Gruppen von maximal fünf Personen ausgeschifft. Nach Angaben Garcías müssen sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen.
Per Bus geht es dann zum wenige Autominuten entfernten Flughafen. Dort sollen die streng abgeschotteten Menschen mit ihren jeweiligen Landsleuten ohne weitere Abfertigung sofort die für sie bereitgestellten Flugzeuge besteigen und in ihre Heimatländer zurückgebracht werden.
Nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde WHO sollen alle Flüge am Sonntag und Montag starten, da später eine Schlechtwetterfront aufzieht. Nach der Ankunft dürften alle Ausgeflogenen in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist.
Ein Passagier auf dem vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiff bedient sich während der Fahrt nach Teneriffa mit Wasser.
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Sobald die Menschen von Bord sind, soll die «Hondius» ihre Fahrt sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.
Virusausbruch löst international Besorgnis aus
Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus - auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äusserten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.
Die Evakuierung lief laut der spanischen Regierung reibungslos an.
Arturo Rodriguez/AP/dpa
Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, «sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem grossflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme». Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei «sehr gering».
Im Hafen von Granadilla sollen Passagiere und ein Teil der Besatzung das Schiff verlassen können.
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Im Fall der «Hondius» spricht die WHO von sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und die Frau aus Deutschland. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.
Spanisches Gesundheitssystem gab den Ausschlag
Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung war. Kap Verde, wo die «Hondius» zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.
Die «Hondius» hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verliess das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai.
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Kontaktperson in Düsseldorfer Klinik
Düsseldorf, 07.05.2026: Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Eine Person, die auf dem Schiff «Hondius» Kontakt zu einem Hantavirus-Fall hatte, kommt am späten Mittwochabend mit einem speziellen Transport-Konvoi zur vorsorglichen Untersuchung im Uniklinikum Düsseldorf (UKD) an. Einsatzkräfte der Feuerwehr Düsseldorf haben die Person zuvor am Flughafen in Amsterdam übernommen.
Nach Infektionen mit dem Hantavirus auf der «Hondius» hatte es auch drei Todesfälle gegeben – ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau starben. Drei Menschen wurden unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Aussenministerium mitteilten.