Putin, Trump und die NatoDer «Meister der Manipulation» und sein «nützlicher Idiot»
Philipp Dahm
7.3.2025
«Unter Trumps starker Führung»: Selenskyj bereit für Frieden
Wolodymyr Selenskyj geht auf Donald Trump zu: Vier Tage nach dem Eklat im Weissen Haus schreibt der ukrainische Präsident auf X: «Mein Team und ich stehen bereit, unter Präsident Trumps starker Führung, bleibenden Frieden zu erreichen.» Zudem sei er bereit, das Rohstoffabkommen jederzeit und in jeder Form zu unterzeichnen.
05.03.2025
Für die einen ist die Nato obsolet, während andere die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen betonen: Donald Trumps Kurswechsel in der Ukraine-Politik weckt Zweifel bei den Alliierten in Europa.
Für Donald Trumps früheren Sicherheitsberater Michael Flynn gehört die Nato «der Vergangenheit an»: Der frühere Generalleutnant der US Army ist sich sicher, dass Wladimir Putin Atomwaffen einsetzen würde – «wenn Russland sich bedroht fühlt auf seinem souveränen Territorium».
Wenn Europa etwas tun würde, was den Anschein erwecke, es würde diese Souveränität bedrohen, würden «gefährliche Zeiten» anbrechen, sagt der 66-Jährige dem rechten Kanal «Real America's Voice». Auf die Frage, ob die USA die Nato verlassen sollten, antwortet der Ex-Militär: «Ja, ich denke, Trump muss auf den Tisch legen, dass die USA aus der Nato austreten werden, wenn die Europäer nicht verstehen, was hier auf dem Spiel steht.»
Ein Mottowagen mit einem Trump-Putin-Motiv wird am 3. März beim Rosenmontagszug in Düsseldorf gezeigt.
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Flynn fährt fort: «Vielleicht ist der Nutzen und die Nützlichkeit der Nato zum jetzigen Zeitpunkt erschöpft. Vielleicht gehört die Nato der Vergangenheit an, und es muss eine neue Sicherheitsarchitektur geschaffen werden.» Trump sollte sich Putin weiter annähern: «Wir reden hier über zwei der grössten Atomwaffenstaaten der Welt, zwei grosse Nationen, historisch und kulturell gesehen, und ich denke, dass [Trump] das auch tun muss, so wie er es getan hat.»
«Wladimir Putin könnte nicht glücklicher sein»
Auch Herbert Raymond McMaster war einmal Trumps Sicherheitsberater. Dieser Generalleutnant hat aber eine ganz andere Sicht auf den Kurs des neuen US-Präsidenten. «Wladimir Putin könnte nicht glücklicher sein», sagt der 62-Jährige «CBS News». «Denn was er sieht, ist der ganze Druck auf Selenskyj, der ganze Druck auf die Ukraine und kein Druck auf ihn.»
Sicherheitsberater H.R. McMaster und President Donald Trump im August 2017 in Bedminster, New Jersey.
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Mit Blick auf Trumps Pressekonferenz mit Wolodymyr Selenskyj im Weissen Haus sagt McMaster, dass die Diskussion nicht die Realität des Krieges widergespiegelt habe. Der konservative Amerikaner spricht die Menschenrechtsverletzungen an. Die Alliierten würden sich nun fragen, wie der New Yorker den Ukrainer derart habe niedermachen können, während er Putin in den höchsten Tönen lobe.
Trump habe «die Tendenz, sonderbare Dinge zu sagen», meint McMaster. «Manchmal soll das die Situation aufschütteln und ein Gefühl von Wandel kreieren. Aber oft bedenkt er nicht, dass seine Worte seine eigene Agenda behindern, dass seine Worte tatsächlich gegen US-Interessen stehen oder dass sie im Ausland anders aufgefasst werden als in den Vereinigten Staaten.»
«Trump ist derzeit Russlands nützlichster Idiot»
Einer der wenigen Parteigenossen Trumps, die seine Sicherheitspolitik kritisieren, ist der Abgeordnete Don Bacon. «Amerika ist der Führer der freien Welt», sagt der frühere Air-Force-General. «Wir sind eine unverzichtbare Macht. Niemand kann es mit Russland und China aufnehmen, wenn wir kein Teil davon sind. Und die Ukraine ist das Opfer: Putin hat klargemacht, dass er die alten Grenzen wiederhaben will.»
Don Bacon ist einer der wenigen Republikaner, die sagen, dass Trump falsch liegt.
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Und das sei nicht im Interesse der USA, erklärt der Republikaner: «Für mich ist das eine Frage der nationalen Sicherheit, aber auch eine moralische Frage. Wenn [Trump] sagt, dass Russland nicht der Aggressor und alles die Schuld der Ukraine ist, ist das einfach falsch.» Bacon sorgt sich um das westliche Bündnis: «Ich befürchte, dass dieses Gerüst kollabieren wird.»
McMaster nennt Putin einen «Meister der Manipulation», der seinen amerikanischen Amtskollegen benutze. Ins selbe Horn stösst Marcus Keupp. «Trump ist derzeit Russlands nützlichster Idiot. Ein russischer KGB-Agent könnte es nicht besser machen», sagt der Militärökonom der ETH dem SRF.
«Wir brauchen einen Plan, der drei Phasen hat»
Dabei gehe es um mehr als die Ukraine: «Es geht auch um die Pax Americana – die Vormachtstellung der USA. Sie stabilisiert die Welt – auch wenn das manchen nicht gefällt.» Nun müsse sich Europa Putin stellen: «Es müssen jetzt Systeme an die Front geschoben werden, damit die russische Expansion gebremst wird. Polen hat das verstanden und rüstet massiv auf.»
Wie soll es nun weitergehen? Selenskyj und Trump müssten wieder miteinander reden und den Rohstoff-Deal abschliessen, meint der Präsident von Finnland. Das könnte der Wendepunkt sein, sagt Alexander Stubb gegenüber «Bloomberg». Und mit Blick auf Europa und den Krieg in der Ukraine fügt er an: «Wir brauchen einen Plan, der drei Phasen hat.»
In einem ersten Schritt müsste die Verhandlungsposition Kiews gestärkt werden, indem Russland weiter sanktioniert werde und russische Vermögen im Ausland konfisziert würden. «Dann muss man Vorkehrungen für die Sicherheit finden, bei denen die Ukraine die Führung übernimmt, Europa unterstützt und die USA bietet die Absicherung an.»
Stubb: Putin verstärkt nur die Sprache der Stärke
Auf diese erste Phase würde die zweite mit einer Waffenruhe folgen, um in der dritten Phase Friedensverhandlungen zu führen. Wegen des Widerstandes von Ungarn und der Slowakei müsse Europa eine «Koalition der Willigen» aufstellen, so Stubb. Andererseits habe der Finne die EU noch nie so geschlossen erlebt wie in den letzten zehn Jahren: Sie sein «ein bisschen kakophonisch, aber vereint».
Mit Blick auf den neuen US-Präsidenten sagt Stubb: «Ich denke, die transatlantische Beziehung verändert sich. Man muss das analysieren und Schlüsse ziehen.» In multilateralen Organisationen wie den UN oder der WTO würden Washington und Brüssel nicht mehr an einem Strang ziehen. Wichtig sei aber «bilaterale oder regionale Allianzen». Dem Kreml könne man nicht trauen: «Das einzige, was Wladimir Putin versteht, ist Macht. Wenn du irgendeine Schwäche zeigst, greift er dich an.»
Während Stubb optimistisch ist, was die Nato und die Beziehungen zwischen Europa und die USA angeht, sind frühere britische Diplomaten skeptisch. Sie sind sogar so skeptisch, dass sie London warnen: Die Regierung soll Washington keine Geheimdienst-Informationen mehr liefern, fordern laut BBC vier frühere Botschafter in den USA.
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