US-Präsident Donald Trump setzt auf eine radikale Wende in der Aussenpolitik: Er will Russland näher an die USA heranführen – und es damit aus der strategischen Partnerschaft mit China lösen.
Die Idee dahinter: Eine geschwächte Allianz zwischen Moskau und Peking würde die globale Machtbalance zugunsten der USA verschieben. Das enthüllt Trump laut mehreren Berichten hinter den Kulissen. Doch Experten warnen, dass dieser Plan scheitern und stattdessen den Westen spalten könnte.
Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich Russland stark an China gebunden. Angesichts westlicher Sanktionen ist Peking für Moskau wirtschaftlich unverzichtbar geworden. Auch militärisch arbeiten beide Staaten enger zusammen als je zuvor.
Achse Moskau-Peking schwächen
Die USA betrachten dieses Bündnis mit wachsender Sorge – es droht eine Allianz, die selbst Washington herausfordern könnte. Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» versucht Trump nun, diesen Block zu brechen.
Ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs könnte eine entscheidende Rolle spielen. Laut US-Regierungsvertretern setzt Trump darauf, den Krieg möglichst rasch zu beenden, um die Achse Moskau-Peking zu schwächen.
In diesem Zusammenhang sollen bereits Gespräche mit hochrangigen russischen Vertretern stattgefunden haben. Trumps Aussenminister Marco Rubio deutete an, dass es «unglaubliche Möglichkeiten für eine geopolitische Partnerschaft mit Russland» gebe.
Trump will engere Beziehungen zum Kreml
Auch dieser Aspekt könnte beim Eklat zwischen Wolodymyr Selenskyj und Trump am Freitag eine Rolle gespielt haben. Trump stellte die Zusammenarbeit mit Kiew infrage und deutete an, dass die USA sich künftig stärker auf eigene wirtschaftliche Interessen konzentrieren könnten.
John Bolton, Trumps ehemaliger Sicherheitsberater, brachte das Problem auf den Punkt: «Wenn Trump jemanden mag, dann haben wir gute Beziehungen. Wenn er jemanden nicht mag, dann nicht.» Schon im Wahlkampf machte Trump keinen Hehl daraus, dass er wieder engere Beziehungen zu Russland pflegen möchte. Vor einigen Tagen telefonierte der amerikanische Präsident dann direkt mit dem Kreml – ohne Einbezug der Ukraine.
«Die Wahrscheinlichkeit, dass das gelingt, tendiert gegen null»
Doch wie realistisch ist dieser Plan? Kritiker ziehen Parallelen zu Richard Nixons China-Strategie in den 1970er-Jahren, als die USA gezielt die damalige Spaltung zwischen China und der Sowjetunion nutzten. Heute jedoch ist die Situation anders.
Kein gemeinsamer Nenner: Trump und Selenskyj am Freitag.
KEYSTONE
Moskau und Peking haben eine «grenzenlose Freundschaft» erklärt und ihre wirtschaftlichen, militärischen und politischen Interessen sind eng verflochten. Russland ist in vielerlei Hinsicht von China abhängig – etwa bei Technologie und Handelsbeziehungen.
Der frühere Botschafter und Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger äussert sich gegenüber der «Bild» denn auch skeptisch: «Natürlich ist es ein reizvoller Gedanke, einen Keil zwischen China und Russland zu treiben. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass das gelingt, tendiert gegen null.» Ähnlich sieht es CDU-China-Experte Johannes Volkmann: «Die Vorstellung, Russland als Partner der USA gegen China zu gewinnen, erscheint mir Wunschdenken.»
Europäische Staatschefs fürchten, dass ein zu grosses Entgegenkommen gegenüber Russland das westliche Bündnis schwächen könnte. Aber, so schreibt der australische Militär-Analyst Mick Ryan in seiner aktuellen Analyse: «Man kann nur hoffen, dass dies nicht zu einem weiteren europäischen Schwatzfest wird und dass echte Taten folgen.»
Letztlich könnte sich Wladimir Putin aus rein taktischen Gründen auf Trumps Avancen einlassen – ohne dabei die engen Bande zu China zu kappen. Der russische Präsident könnte versuchen, sich wirtschaftliche und politische Vorteile zu sichern, ohne tatsächlich seinen wichtigsten Partner zu verprellen. Wie der Russland-Experte Alexander Gabuev gegenüber der «Bild» betont: «Russland weiss, dass China sein Nachbar ist – und dass die Kommunistische Partei noch lange an der Macht bleiben wird. Ein dauerhaftes Bündnis mit den USA ist für Putin keine realistische Option.»