«Trump kann der Schweiz wehtun» HSG-Ökonom Legge warnt weiterhin vor Trumps Zollpolitik

SDA

22.2.2026 - 20:00

Trotz des Entscheids des Supreme Courts, wird Trump andere Möglichkeiten finden, die Zölle einzutreiben. 
Trotz des Entscheids des Supreme Courts, wird Trump andere Möglichkeiten finden, die Zölle einzutreiben. 
Mark Schiefelbein/AP/dpa

Trotz juristischer Schlappe für Trump sieht ein Experte keinen Grund zur Entwarnung. Die USA könnten der Schweiz «sehr, sehr wehtun», warnt Stefan Legge – und rät dem Bundesrat zu einer besonnenen, strategischen Linie.

,

Keystone-SDA, Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Trotz des Supreme-Court-Urteils zu den US-Zöllen erwartet Ökonom Stefan Legge kaum Entlastung für die Schweiz, da Präsident Trump auf andere Rechtsgrundlagen ausweichen kann.
  • Die handelspolitische Unsicherheit nehme sogar zu, weil neue Zölle wahrscheinlich seien und Trump verschiedene Instrumente nutzen werde.
  • Legge rät dem Bundesrat zu Besonnenheit und zur Pflege guter Beziehungen, insbesondere um zentrale Exportbranchen wie Pharma vor neuen Zöllen zu schützen.

«Fast nichts» ändert sich für die Schweiz nach dem Urteil des Supreme Courts zu den US-Zöllen, stellt Stefan Legge, Dozent an der Universität St. Gallen, fest. Er rät der Schweiz weiterhin zu Besonnenheit und dazu, auf gemeinsame Interessen hinzuweisen.

«Trump kann der Schweiz nach wie vor sehr, sehr wehtun, wenn er das möchte», stellte der Experte für Steuerpolitik und internationalen Handel in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» fest. Aus diesem Grund sollte seiner Meinung nach der Bundesrat weiterhin auf eine gute Beziehung hinarbeiten – so schwierig dies auch sei.

Sinnvoll sei es weiterhin besonnen zu agieren und zu schauen, dass man die gemeinsamen Interessen unterstütze und identifiziere. «Denn auch die USA haben ein Interesse an guten Beziehungen zur Schweiz*, so Legge.

Dr. Stefan Legge ist Head of Tax & Trade Policy und Vizedirektor an der ILE-HSG.
Dr. Stefan Legge ist Head of Tax & Trade Policy und Vizedirektor an der ILE-HSG.
Universität St. Gallen (HSG)

Er habe mit diesem Urteil des Supreme Courts vom Freitag gerechnet. Auch die Wettmärkte hätten eine etwa 70-prozentige Chance dafür gesehen. Und dass Trump umgehend auf andere rechtliche Instrumente hinweise und sich nun auf den Trade Act berufe, um Zölle einzuführen, sei auch erwartbar gewesen.

Unsicherheit noch grösser

«Zölle sind so zentral für seine Politik, dass er sich das ganze Bouquet an rechtlichen Grundlagen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben, zu Nutzen machen wird», so der Ökonom weiter. Niemand könne sich jetzt bei diesen handelspolitischen Streitigkeiten zurücklehnen, nur weil Trump «ein Spielzeug» verloren habe. Die Unsicherheit sei eigentlich noch grösser geworden. Es stehe nur fest, dass es neue Zölle geben werden.

Die Schweiz habe sich bei ihrem ausgehandelten Deal mit den USA, der eine Reihe von Ausnahmen u.a. für die Pharmabranche vorsieht, «richtig positioniert». Das Gespräch über diese Ausnahmen bleibe wichtig. Die Schweiz habe nämlich «weiterhin ein Interesse daran, dass sie bei den ganz relevanten Exportprodukten nicht ins Visier der Trump-Regierung» gerate, so Legge.