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Pete Hegseth sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt. (Archivbild)
Kiyoshi Ota/Bloomberg Pool via AP/dpa
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth lässt sich und seine Familie mit ungewöhnlichem Aufwand schützen. Bis zu 500 CID-Agenten würden einem Bericht zufolge dafür eingesetzt – auf Kosten wichtiger Aufgaben.
Als US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kürzlich gemeinsam mit J.D. Vance die in Washington D.C. stationierte Nationalgarde besuchte, wurden er und der Vizepräsident von Demonstranten ausgebuht. Das Regierungsduo reagierte hämisch – begleitet von zahlreichen Personenschützern.
Dass Hegseth anscheinend überdurchschnittlich viel Wert auf seine persönliche Sicherheit und die seiner Familie legt, sorgt aktuell für Kritik: Laut einem ausführlichen Bericht der «Washington Post» beansprucht der US-Verteidigungsminister dafür mehr Ressourcen als bislang bekannt – und das wohl auf Kosten anderer sicherheitsrelevanter Aufgaben.
Demnach sollen bis zu 500 Agenten der Criminal Investigation Division (CID) ausschliesslich für die Sicherheit Hegseths und seiner Familie abgestellt sein. Das würde etwa einem Drittel der gesamten CID-Belegschaft entsprechen. «Ich habe noch nie für eine Person so viele Sicherheitsteams gesehen. Niemand hat das», zitiert die «Post» einen CID-Mitarbeiter.
Heikel sind diese Enthüllungen nicht nur, weil Hegseth zu Beginn des Jahres erhebliche Sparmassnahmen im Pentagon sowie Kürzungen bei den Militärausgaben beauftragt hatte – unter anderem in der CID. Sondern auch, weil diese Einheit eigentlich für die Aufklärung schwerer Straftaten innerhalb der US-Armee zuständig ist, von Korruption und Betrug bis hin zu sexueller Gewalt.
Doch seit seinem Amtsantritt im Januar scheinen andere Prioritäten zu gelten: Statt Ermittlungsarbeit zu leisten, würden zahlreiche Agenten den Minister und seine Familie an deren Wohnorte in Washington D.C., Tennessee und Minnesota begleiten. Teilweise seien sogar Häuser von Hegseths Ex-Frau unter Schutz gestellt worden sein, so die Zeitung.
Das Pentagon verteidigt das ungewöhnliche Schutzausmass. Ein Sprecher erklärte gegenüber der «Washington Post», dass sämtliche Massnahmen auf Grundlage «der aktuellen Bedrohungslage» und «auf ausdrückliche Empfehlung der Army Criminal Investigation Division» erfolgten.
Dennoch stosse der Umgang mit den Ressourcen intern auf Unmut, wie die Zeitung schreibt. CID-Mitarbeitende berichten, dass wichtige Ermittlungen liegen bleiben oder kaum noch bearbeitet werden können. «Wir haben keine Kapazitäten mehr für unsere eigentliche Aufgabe», wird ein Insider zitiert.
Der Bericht stützt sich auf mehr als ein Dutzend Interviews mit Mitarbeitern des CID, aktuellen und ehemaligen Verteidigungsbeamten sowie weiteren Personen aus Hegseths Umfeld. Ausserdem wurden interne Dokumente ausgewertet.
Ein weiteres Problem: Der Haushalt reiche nicht aus, um diese zusätzlichen Belastungen zu stemmen. Für das kommende Jahr habe das CID 250 zusätzliche Stellen sowie 253 Millionen Dollar mehr Budget für den Personenschutz beantragt. Laut «Post» sehe es nicht danach aus, als würde die Regierung dem Antrag nach mehr Mitteln vollständig nachkommen. Interne Dokumente würden sogar zeigen, dass ein grosser Teil nicht bewilligt wurde.
Seit Jahren habe das CID mit Personalmangel zu kämpfen, die neuen Forderungen zum Schutz Hegseths würden den Druck nun steigern, heisst es in der Zeitung. Um Ausfälle zu kompensieren, seien bereits Reservisten einberufen, Trainingsmassnahmen gestrichen und Ermittlungsreisen abgesagt worden.
Hegseths Sicherheitsaufwand sorgt auch für praktische Probleme, wie die Zeitung berichtet. So habe kürzlich eine grössere Zahl von Agenten den Minister und seine Familie zu einem Baseballspiel in Washington begleitet, obwohl keine private Loge gebucht war. Dies habe den Schutz erheblich erschwert; es musste improvisiert werden – bis der Minister letztlich kurzfristig eine leere VIP-Suite erhielt.
Mitarbeiter berichten von Einsätzen, bei denen sie lediglich Taschen bewachen oder stundenlang in Autos vor den Häusern der Hegseth-Familie warten müssten – Tätigkeiten, die mit dem eigentlichen Auftrag der Behörde wenig zu tun haben. Die Unzufriedenheit im CID wachse, wie auch das Zitat eines befragten Beamten zeigt: «Es nimmt uns die Möglichkeit, das zu tun, wofür wir da sind».