Für bis zu 80'000 MenschenICE kauft riesige Industriegebäude für Internierungslager
Oliver Kohlmaier
30.1.2026
Die Trump-Regierung will noch mehr Internierungslager errichten.
AP Photo/Mike Stewart/Keystone (Archivbild)
Milliarden für seine Einwanderungspolitik: Die Trump-Regierung hat einem Bericht zufolge in mindestens acht Bundesstaaten Industriegebäude erworben, um sie zu Internierungslagern umzubauen.
Redaktion blue News
30.01.2026, 19:33
Oliver Kohlmaier
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Laut einem Medienbericht hat die Trump-Regierung in mindestens acht US-Bundesstaaten Industriegebäude erworben, die zu Internierungslagern für Migranten umgebaut werden sollen.
Bis zu 80'000 Inhaftierte sollen in den Gebäuden künftig untergebracht werden können.
Experten warnen bereits, dass es schwer werden dürfte, in den Gebäuden staatliche Standards für die Unterbringung einzuhalten.
In den betroffenen Gebieten stossen die Pläne auf Widerstand.
Die US-Einwanderungsbehörde ICE wurde von der Trump-Regierung mit einem gewaltigen Budget ausgestattet. Alleine zwei Milliarden US-Dollar sollen dabei für die Rekrutierung neuer Agenten aufgewendet worden sein.
Doch auch die dutzendfach bereits errichteten oder geplanten Internierungslager verschlingen hohe Summen. Laut einem Bericht der «Washington Post» hat die Trump-Regierung in mindestens acht Bundesstaaten Industriegebäude erworben, um sie künftig zu Haftanstalten umzubauen.
Demnach hat das Heimatschutzministerium allein diesen Monat zwei grosse Gebäude gekauft – eines in Maryland für 102 Millionen Dollar und ein weiteres in Arizona für 70 Millionen Dollar. In den vergangenen Wochen hätten ICE-Beamte zudem begonnen, Eigentümer und lokale Behörden in mehreren anderen Städten über ihr Interesse an bestimmten Immobilien zu informieren.
Internierungslager in Industriegebieten
Die ehemaligen Industriestandorte sollen zu Internierungslagern umgebaut werden, welche künftig bis zu 80'000 Inhaftierte aufnehmen sollen. Dabei warnen Experten bereits jetzt, dass es schwierig werden dürfte, bestimmte Standards des Bundes einzuhalten, etwa bezüglich einer ausreichenden Wasserversorgung.
Beamte in den betroffenen Städten wie Social Circle und Roxbury haben bereits Bedenken hinsichtlich der unzureichenden Wasserversorgung der geplanten Einrichtungen geäussert. Wenn kein Wasser aus einer kommunalen Quelle verfügbar sei, müsste ein staatliches Labor Proben testen, um die Trinkwassernormen zu erfüllen, heisst es in entsprechenden Normen des Bundes.
So beziehe ein Gebäude in Roxbury in New Jersey sein Grundwasser aus einer Kleinstadt, die bereits jetzt fast ihr gesamtes Tageslimit verbraucht. Ein weiterer vorgeschlagener Standort ist ein Lagerhaus in Oklahoma City, das bis zu 1500 Menschen aufnehmen könnte und sich unweit einer Grundschule sowie einer Pfingstkirche befindet. Zudem soll es in einem ehemaligen Autoteile-Vertriebszentrum in Chester, New York, in den Sommermonaten unerträglich heiss werden.
Dutzende Verstösse gegen Bundesstandards
Dabei hat ICE bereits jetzt Schwierigkeiten, die Standards in einigen bestehenden Einrichtungen einzuhalten. So stellten im vergangenen September ihre eigenen Inspektoren 60 Verstösse gegen Bundesstandards im Camp East Montana fest. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung grosser Zelte, die innerhalb weniger Monate auf einem Stück Wüste in El Paso errichtet wurden. Die Einrichtung ist mit 3800 Insassen mittlerweile das grösste ICE-Internierungslager des Landes.
Die meisten der in Betracht gezogenen Gebäude befinden sich dem Bericht zufolge in Gebieten, die für industrielle Zwecke ausgewiesenen wurden. Es handelt sich zumeist um leerstehende Rohbauten, die in der Nähe von Autobahnen und Flughäfen errichtet wurden und kaum mehr enthalten als Wände, einen dicken Betonboden sowie eine Decke, die von Dutzenden Stahlträgern gestützt wird.
Ein bereits in Betrieb befindliches Internierungslager in California City.
AP Photo/Marcio Jose Sanchez/Keystone
«Kriminelle von den Strassen Amerika fernhalten»
In den betroffenen Gebieten stossen die Pläne der Trump-Regierung auf wenig Gegenliebe. In mindestens 15 Gemeinden haben Einwohner dem Bericht zufolge Proteste veranstaltet. In Stadtratssitzungen wurden demnach lokale Mandatsträger mit Fragen zu den geplanten Anlagen überhäuft.
«Ich bin mir nicht sicher, ob dies eine humane Art der Inhaftierung ist», sagte Quinton Lucas, Bürgermeister von Kansas City zu den Plänen, ein dortiges Lagerhaus in eine ICE-Einrichtung mit Platz für bis zu 7500 Menschen umzuwandeln. Mitte Januar verabschiedete der Stadtrat ein fünfjähriges Verbot für alle neuen nicht-kommunalen Haftanstalten.
«Die Planung einer Haftanstalt hinter verschlossenen Türen ist keine Regierungsführung – es ist Einschüchterung», liess die demokratische Abgeordnete April McClain Delaney mitteilein.
Tricia McLaughlin, stellvertretende Staatssekretärin des DHS, lehnte es indessen ab, sich über die Einhaltung von Bundesstandards zu äussern. Stattdessen teilt sie in martialischen Worten mit, dass die Behörde «über neue Mittel zur Erweiterung der Haftanstalten verfügt, um diese Kriminellen von den Strassen Amerikas fernzuhalten». Es solle jedoch «keine Überraschung» sein, dass ICE in verschiedenen US-Bundesstaaten Festnahmen vornehme und aktiv daran arbeite, «die Haftkapazitäten zu erweitern».