Gesichtserkennung ohne ZustimmungICE überwacht auch US-Bürger ohne ihr Wissen – Senatoren schlagen Alarm
Dominik Müller
1.2.2026
ICE-Beamten schaffen sich derzeit mit ihrem Handeln viele Feinde in den USA.
Keystone
Die Kombination aus Gesichtserkennung, Standortdaten und KI-gestützter Analyse verschafft ICE ungeahnte Überwachungsmöglichkeiten. Demokraten und Bürgerrechtsgruppen sind besorgt.
Kein Tag, an dem die US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis nicht Schlagzeilen generiert. Das neuste Kapitel: Der Einsatz moderner Überwachungstechnologie stösst auf wachsende Kritik. Auslöser sind mehrere Vorfälle, bei denen auch US-Bürger ohne Einwilligung mit Gesichtserkennung erfasst wurden, wie die «New York Times» berichtet.
Ein besonders aufsehenerregender Fall betrifft die Aktivistin Nicole Cleland. Sie wurde von einem ICE-Agenten erkannt und mit Namen angesprochen – obwohl sie ihn nie zuvor getroffen hatte. Der Beamte erklärte, er nutze Gesichtserkennung und trage eine aktivierte Bodycam.
Laut Aktivistengruppen sind mindestens sieben US-Bürger betroffen. Videos zeigen, wie ICE-Agenten Demonstrierende mit Handys scannen. Die Betroffenen hatten der Erfassung ihrer biometrischen Daten nicht zugestimmt.
ICE setzt dabei mehrere Technologien ein: Gesichtserkennung von Clearview AI und die mobile App «Mobile Fortify», dazu Standortdaten, Social-Media-Überwachung und Datenbanken von Palantir. Ziel sei nicht nur die Identifikation von Migranten, sondern auch die Beobachtung von Protestierenden.
Bürgerrechtsorganisationen schlagen deshalb Alarm. Die Kombination dieser Werkzeuge verschaffe dem Staat eine bisher unbekannte Überwachungsmacht, kritisiert die American Civil Liberties Union. Mehrere demokratische Senatoren fordern deshalb eine Suspendierung der Gesichtserkennung in US-Städten.
Möglich wurde der massive Technikausbau durch eine drastische Budgeterhöhung. ICE verfügt neu über rund 28 Milliarden Dollar jährlich. Allein Palantir erhielt einen Vertrag über fast 30 Millionen Dollar für KI-gestützte Fahndungssysteme.
Für Nicole Cleland hatte der Vorfall konkrete Folgen: Kurz nach der Begegnung entzog ihr das Heimatschutzministerium ohne Begründung Reiseprivilegien wie Global Entry – ein US-Programm für vorab überprüfte, risikoarme Reisende, das eine schnellere Einreise in die USA ermöglicht.
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