«Obwohl ich recht habe – mit allem» Bezahlbarkeit wird zu Trumps grosser Schwäche – und zur Gefahr für die Republikaner

Philipp Dahm

5.12.2025

#08: Trump – das ist nicht neutral: Trumps Zoll-Märchen – zu schön, um wahr zu sein

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Donald Trump liebt Zölle, wie der Präsident stets betont. Das Gute daran: Zahlen müssen andere, und auf die Preise in den USA wirken sie sich auch nicht aus. Oder stimmt es am Ende etwa gar nicht, was uns das Weisse Haus immer wieder erzählt?

17.11.2025

Erst ernennt sich Donald Trump zum «Präsidenten der Bezahlbarkeit», dann wiederum erklärt er das Thema zum «Schwindel der Demokraten». Die jüngsten Wahlergebnisse und Umfragen von links wie von rechts zeigen jedoch, dass die teure Lebenshaltung seine Achillesferse ist.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Gerade noch erklärt sich Donald Trump zum affordability president, nun bezeichnet er das Thema Bezahlbarkeit als «Schwindel der Demokraten».
  • Trump sagt: «Ich habe recht – mit allem.» Es gebe keine Teuerung.
  • Umfragen von «Politico», aber auch von «Fox News» zeigen, dass viele Amerikaner finanziell unter Druck stehen und die Wirtschaft kritisch sehen.
  • Bezahlbarkeit spielte eine Schlüsselrolle bei den Nachwahlen, bei denen die Demokraten zugelegt haben. Geht das so weiter, verlieren die Republikaner bei den Zwischenwahlen den Kongress.

Die Republikaner «sollten die Zwischenwahlen mit Rekordahlen gewinnen», glaubt Donald Trump. Zumindest schreibt das der Präsident am 29. November auf seiner Plattform Truth Social. Und: «Ich bin der Präsident der Bezahlbarkeit.»

Er habe die Medikamentenkosten gesenkt, wie niemand anderes es vermocht habe, und das müsste seine Partei den Leuten erzählen. «500 Prozent, 600 Prozent, 700 Prozent und mehr», schreibt der 79-Jährige. Nur drei Tage später tönt das in Trumps Kabinettssitzung jedoch völlig anders.

Trump says the GOP should win the midterms because he is “the affordability president”

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— PatriotTakes 🇺🇸 (@patriottakes.bsky.social) 29. November 2025 um 14:57

Nicht etwa, weil Trump endlich seinen Fehler einsieht: Bei einer Preissenkung von 500 Prozent bekäme die Kund Geld auf seinen Einkauf, statt dafür zu bezahlen – das Fünffache des ursprünglichen Preises, um genau zu sein. Vor allem aber will der New Yorker nichts mehr davon wissen, «Präsident der Bezahlbarkeit» zu sein: Dieses Thema betrachtet Trump nun als eine Finte des politischen Gegners.

«Schwindel der Demokraten»

«Unsere Prise für Energie und Benzin sind wirklich tief», sagt Trump in der Kabinettssitzung am 2. Dezember. «[Der Preis für] Elektrizität kommt runter, und wenn das runtergeht, geht alles runter.» Dann folgt der entscheidende Satz: «Aber das Wort Bezahlbarkeit ist ein Schwindel der Demokraten.»

Trump: But the word "Affordability" is a Democrat scam.

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— Acyn (@acyn.bsky.social) 2. Dezember 2025 um 20:41

Wieso? «Sie sagen es, und dann wechseln sie das Thema, und alle denken: ‹Oh, sie haben niedrigere Preise.› Sie hatten die schlimmste Inflation in der Geschichte unseres Landes. Nun werden mich einige Leute korrigieren, weil sie es lieben, mich immer zu korrigieren – obwohl ich recht habe – mit allem.»

«Sie sagen nur das Wort», wütet Trump im Weissen Haus weiter. «Es hat für niemanden eine Bedeutung. Sie sagen es einfach – Bezahlbarkeit. Ich habe die schlimmste Teuerung der Geschichte geerbt. Es gab keine Bezahlbarkeit. Niemand konnte sich etwas leisten.»

Wahlergebnisse nur «eine kleine Warnung»?

Eine aktuelle Umfrage von «Politico» spricht eine andere Sprache: 46 Prozent der Teilnehmenden gibt an, dass die Lebenshaltungskosten so hoch seien wie noch nie. 2024 habe der Wert noch bei 37 Prozent gelegen. Ebenfalls 46 Prozent geben Trump und seiner Administration die Schuld an den hohen Kosten.

Die Demokraten haben diese Schwäche erkannt: Das Thema Bezahlbarkeit spielte eine Schlüsselrolle bei den erfolgreichen Wahlen in Virginia, New Jersey und New York City. Nun hat sich bei einer Abstimmung in Tennessee zwar ein Republikaner mit 9 Prozent Vorsprung durchgesetzt – doch Trump gewann die Präsidentenwahl dort im November 2024 mit 22 Prozent.

«Dies ist nur eine kleine Warnung, sagt der konservative Partei-Stratege Ford O’Connell «Politico» mit Blick auf die jüngsten Wahlergebnisse, «aber die Republikaner müssen verstehen, dass alle auf ihrem Posten sein müssen, um das Repräsentantenhaus im Jahr 2026 zu halten.»

Auch «Fox News» hat schlechte Neuigkeiten für Trump

Der Trend spricht gegen die Regierungspartei, schreibt auch «Time»: In den fünf Nachwahlen in diesem Jahr hätten die Demokraten demnach durchschnittlich 17 Prozentpunkte besser abgeschnitten als Trump ein Jahr zuvor. Wenn sich das im nächsten Jahr fortsetze, sei die republikanische Mehrheit von 219 zu 213 Sitzen im Repräsentantenhaus nicht zu halten.

Auch eine Fox-News-Umfrage belegt, dass Donald Trump bei Wahlen für republikanische Kandidaten zur Bremse werden kann. 76 Prozent der Teilnehmenden sehen die Wirtschaft in einer «nicht so guten» oder «schlechten» Lage – 61 Prozent sind unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik des Weissen Hauses.

Während der Präsident dem Volk weismachen will, dass es keine Teuerung gebe, räumt sogar «Fox News» Probleme ein. «Trump nennt Bezahlbarkeit ‹einen demokratischen Schwindel›, während die Sorgen um die Inflation landesweit anhalten», titelt Rupert Murdochs Sender über die jüngste Kabinettssitzung.

Trump: "They use the word 'affordability.' It's a Democrat hoax."

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 3. Dezember 2025 um 22:02

85 Prozent der Menschen hätten bekundet, dass Lebensmittel teurer geworden seien, heisst es im gleichen Bericht. Die Inflation lag zuletzt mit 3 Prozent leicht über dem 2-Prozent-Ziel der US-Notenbank. Der Wert ist jedoch vom September: Wegen des Shutdowns liegen noch keine neueren Zahlen vor.


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