119'000 Franken SchadenIkea-Kassiererin liess Familie und Freunde jahrelang gratis einkaufen
Sven Ziegler
22.4.2026
An den Kassen von Ikea kam es zum Betrug.
KEYSTONE
Eine Ikea-Kassiererin aus Freiburg im Breisgau soll über Jahre hinweg ein ausgeklügeltes Betrugssystem betrieben und ihren Arbeitgeber um rund 130'000 Euro – umgerechnet gut 119'000 Franken – geschädigt haben. Gemeinsam mit ihrem Mann, ihrer Tochter und weiteren Komplizen steht die 50-Jährige nun vor dem Amtsgericht Freiburg.
Eine 50-jährige Ikea-Kassiererin steht in Freiburg vor Gericht: Sie soll gemeinsam mit Familienangehörigen und Bekannten über Jahre Waren im Wert von rund 130'000 Euro gestohlen haben.
Das System funktionierte über unbezahlte Kassendurchgänge und zurückbehaltene Bons – aufgeflogen ist es wegen häufiger Inventurdifferenzen.
Die Angeklagte kündigte ein Geständnis an; bei Kooperation drohen ihr maximal drei Jahre Haft.
Jahrelang soll Stefanie M. ihre Position als Kassiererin in der Ikea-Filiale im Norden von Freiburg systematisch ausgenutzt haben. Das Prinzip war simpel: Freunde und Verwandte passierten ihre Kasse, ohne dass ihre Einkäufe erfasst oder verrechnet wurden. Parallel dazu behielt die Angeklagte Kassenbons regulär zahlender Kunden ein und wies Komplizen an, die entsprechenden Waren zu entwenden, schreibt die «Bild». Mit den Belegen liessen sich die Gestohlenen anschliessend problemlos umtauschen oder erstatten.
Mitangeklagter Marco S., selbst im Einzelhandel tätig, schilderte die Abläufe vor Gericht unverblümt: Das Passieren ohne Bezahlung sei zur Routine geworden. Stefanie M. habe ihm via WhatsApp Bilder von Möbeln geschickt, die sie sich wünschte. Gestohlene Ware wurde laut seinen Aussagen auch im Internet zum halben Preis weiterverkauft.
Gier wurde zum Verhängnis
Insgesamt 218 Fälle von Diebstahl listet die Anklageschrift gegen Stefanie M. auf. Mitprofitiert haben auch ihr Ehemann Vito (46) und Tochter Annah (28). Aufgeflogen ist die Masche letztlich wegen der schieren Häufigkeit der Vorgänge: Bei der Inventur fielen die Verluste auf, und misstrauische Nachbarn der Tochter bemerkten die ständigen Ikea-Lieferungen.
Staatsanwalt Dominik Stahl hat die Hauptangeklagte beim Amtsgericht Freiburg in Baden-Württemberg angeklagt. Bereits am ersten Prozesstag signalisierte Stefanie M. ihre Bereitschaft zu einem Geständnis – der Richter stellte ihr dafür eine Höchststrafe von drei Jahren in Aussicht. Kurz nach der Einigung brach sie in Tränen aus und konnte keine weiteren Aussagen machen. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.