Trump nach Freispruch

«In den kommenden Monaten habe ich euch viel mitzuteilen»

Von Philipp Dahm

15.2.2021

Wenn wieder von «Hexenjagd» die Rede ist, twittert Donald Trump: Nach seinem Freispruch feiert sich Amerikas Ex-Präsident als Gewinner – und kündigt vielsagend weitere Schritte an.

«Save America» prangt auf dem Banner des verifizierten Twitter-Accounts, der ausgerechnet Trump War Room heisst. «Dieser Account schlägt zehn Mal härter zu», steht in der Beschreibung. «Gemanagt von Save America». Dazu eine US-Flagge. Der Ort: «Maga Country». Die verlinkte Website: donaldjtrump.com.

Dass hier Donald Trump noch persönlich formuliert, deutet die Sprache an. «Das war das neueste Kapitel der grössten Hexenjagd in der Geschichte unseres Landes», heisst es im gewohnten Superlativ über das zweite Impeachment-Verfahren gegen ihn, das am Samstag in einem Freispruch zweiter Klasse mündete. «Kein Präsident hat jemals etwas Ähnliches erdulden müssen.»

Donald Trump präsentiert am 6. Februar 2020 nach seinem ersten Impeachment-Verfahren im Weissen Haus eine «Washington Post» mit der Überschrift «Trump acquitted» – «Trump freigesprochen».
Donald Trump präsentiert am 6. Februar 2020 nach seinem ersten Impeachment-Verfahren im Weissen Haus eine «Washington Post» mit der Überschrift «Trump acquitted» – «Trump freigesprochen».
KEYSTONE

Selbst die Momente, in denen man nur erahnen kann, worum es geht, fehlen nicht: «Und es geht weiter, denn unsere Gegner können nicht die 75 Millionen vergessen, die höchste Zahl für einen amtierenden Präsidenten, die für uns vor wenigen Monaten gestimmt haben.»

Was hat Donald Trump daneben noch zu sagen? Na klar, der Ex-Präsident dankt nach seinem Freispruch seinen Verteidigern und den Senatoren, die ihn freigesprochen haben. Und selbstverständlich lamentiert der 74-Jährige, dass den Demokraten «ein Freibrief« erteilt worden sei, das Recht «zu verleumden».

«Wir bleiben ein Volk«

Tatsächlich dreht der New Yorker den Fall einfach um: Die Demokraten hätten «Mobs aufgewiegelt», «Aufständische entschuldigt» und «das Recht in ein Werkzeug der Rache» umfunktioniert. «Ich bin ein Verfechter des wehrhaften Rechtsstaates, und ich werde es immer sein», schreibt Trump. Sein Dank gelte auch den «Millionen von hart arbeitenden, das Gesetz befolgenden Bürgern, die Gott und das Land lieben» und die seine Sache «grossartig unterstützt» hätten.

Neben dem Blick zurück gibt es auch einen Ausblick: «Unsere historische, patriotische und wunderschöne Bewegung, um Amerika wieder gross zu machen, hat gerade erst begonnen. In den kommenden Monaten habe ich euch viel mitzuteilen.» Trump freue sich darauf, «unsere unglaubliche gemeinsame Reise fortzusetzen». Trump weiss: «So was hat es noch nie gegeben!»

Und ungeachtet der von ihm selbst beschriebenen Differenzen endet die Erklärung mit: «Wir bleiben ein Volk, eine Familie und eine glorreiche Nation unter Gott.» Das müsse als Erbe künftigen Generationen bewahrt werden, schliesst Trump.

Prozesse in New York und Georgia

Das Schreiben lässt Trumps Ambitionen erahnen, 2024 wieder für ein Rennen ums Weisse Haus antreten zu wollen. Seine Kriegskasse ist gut gefüllt: Einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag soll Trump bei seinen Anhängern eingesammelt haben.

Allerdings wird der Ex-Präsident auch den einen oder anderen Dollar brauchen, um seine Anwälte zu zahlen: In zwei Bundesstaaten wird gegen Trump ermittelt. In New York geht es um Immobiliengeschäfte, doch die grössere Sprengkraft hat der Prozess in Georgia.

Dort ist der Anruf beim Wahlleiter Gegenstand der Ermittlung, bei dem Trump frank und frei gesagt hat, der Republikaner müsse mehr Stimmen für seinen Parteigenossen auftreiben.



Nicht zuletzt wird mit Spannung erwartet, wen Joe Biden zum neuen General-Staatsanwalt macht. Der Hintergrund: Er oder sie könnte Donald Trump noch einmal vor einem Zivilgericht für die Ereignisse vom 6. Januar zur Rechenschaft ziehen.

Insofern ist sicher: Von Trump wird noch zu hören – oder lesen – sein.

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