Wenn Politik Gesichter formt In Washington boomt das «Mar-a-Lago Face»

Noemi Hüsser

26.11.2025

Aktivistin Laura Loomer (links), Republikaner Matt Gaetz und Heimatschutzministerin Kristi Noem gelten als prominente Gesichter des «Mar-a-Lago Face».
Aktivistin Laura Loomer (links), Republikaner Matt Gaetz und Heimatschutzministerin Kristi Noem gelten als prominente Gesichter des «Mar-a-Lago Face».
Keystone, Bildmontage blue News

Mit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus erlebt Washington einen neuen Schönheitstrend: Das «Mar-a-Lago Face» ist ein ästhetisches Ideal, das mehr über Macht und Geschlechterrollen sagt als über Schönheit.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In Washington D.C. nimmt seit Anfang von Trumps zweiter Amtszeit die Nachfrage nach Schönheitsoperationen im «Mar-a-Lago Face»-Stil deutlich zu.
  • Das Phänomen wird als ästhetischer Ausdruck politischer Zugehörigkeit und betonter Weiblichkeit gedeutet, beeinflusst von prominenten Trump-Unterstützerinnen.
  • Auch Männer folgen dem Trend zu verjüngenden Eingriffen, während einige Chirurg*innen vor übertriebenen Schönheitsidealen warnen.

Aufgespritzte Lippen, Botox in der Stirn und im Kinn und starre Augenbrauen. Schönheitseingriffe, die ein «Mar-a-Lago Face» erzeugen, haben laut dem Newsportal «Axios» und der britischen Zeitung «Guardian» seit Amtsantritt von Trump im Januar in Washington D.C. zugenommen.

Auch wenn es keine offiziellen Zahlen oder Umfragen gibt, berichten mehrere plastische Chirurg*innen in der Hauptstadt von deutlich mehr Anfragen. Anita Kulkarni aus Washington D.C. sagte gegenüber dem «Guardian», dass sie vor Trumps zweiter Amtszeit kaum solche Anfragen erhalten habe, sie sich seit Januar aber häufen würden.

«Glamour rund um die neue Regierung»

Troy Pittman sagte der Zeitung: «In Washington gibt es diesen Glamour rund um die neue Regierung. Die Menschen haben kein Problem damit, sich verschönern zu lassen.» Auch nicht damit, dass diese Verschönerungen auffallen.

Geprägt wurde das «Mar-a-Lago Face» nämlich von den «Make America Great Again»-Frauen an Trumps Seite. Von seiner Heimatschutzministerin Kristi Noem, seiner Schwiegertochter Lara Trump, oder der Aktivistin Laura Loomer.

Sie haben gemein, dass sie vor einigen Jahren noch völlig anders aussahen und äusserlich eine Verwandlung vollzogen haben. Sie haben sich Lippen aufspritzen, Botox injizieren oder sogar neue Zähne machen lassen.  «Trumpification» nannte es die «New York Times».

Lara Trump, Schwiegertochter des Präsidenten, verkörpert den Look der Trump-Bewegung: aufgespritzte Lippen, geglättete Gesichtszüge.
Lara Trump, Schwiegertochter des Präsidenten, verkörpert den Look der Trump-Bewegung: aufgespritzte Lippen, geglättete Gesichtszüge.
KEYSTONE

Zwei Ansätze versuchen den Trend zum «Mar-a-Lago Face» nun zu erklären: Erstens, der Zuzug von Menschen aus Südflorida, wo sich das Mar-a-Lago befindet. Dort, nur eine halbe Stunde von Trumps Privatclub entfernt, gibt es eine Schönheitsklinik, die gezielt mit dem «Mar-a-Lago Face» wirbt. Es sei eine «subtil geliftete, harmonische und ausgewogene Gesichtsästhetik», steht auf der Website.

Verkörperung traditioneller Geschlechterrollen

Der zweite Erklärungsansatz sieht im «Mar-a-Lago Face» weniger einen Beauty-Trend als ein politisches Schönheitsideal. Es gehe darum, Reichtum und Privilegien zu signalisieren und ein bestimmtes Verständnis von Weiblichkeit zu verkörpern und damit traditionelle Geschlechterrollen zu betonen.

Dahinter stehe auch eine Form visueller Loyalität: ein ästhetisches Signal, das politische Zugehörigkeit zu Trump markiert. Neben dem Gesicht betrifft das auch Kleidung – Trump mag es, wenn seine Mitarbeiterinnen sich «wie Frauen anziehen» – und Make-up.

Anfangs Jahr verbreitete sich auf TikTok ein «Republican Make-up Trend», der zeigen sollte, dass Republikanerinnen sich oft auffälliger und stärker schminkten.

Doch mehr ist nicht immer besser – besonders nicht, wenn es um Schönheitseingriffe geht. Chirurgin Kulkarni sprach sich gegenüber dem «Guardian» deutlich gegen den Trend aus: «Meine Ästhetik muss nicht unbedingt Ihrer entsprechen», sagte sie. «Aber wenn Sie sich ausserhalb des Bereichs bewegen wollen, wie ein normales menschliches Gesicht aussehen sollte, dann ist das ein Bereich, in den ich mich nicht begeben möchte.»

Doch der Trend hält an. Und er erfasst inzwischen auch Männer. Laut Chirurg Pittman lassen sie sich ebenfalls zunehmend Botox injizieren oder Augenlider straffen, um jünger und maskuliner zu wirken – darunter Personen wie Donald Trump Jr., Verteidigungsminister Pete Hegseth oder Republikaner Matt Gaetz.


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