Noch Fähigkeiten zum Gegenschlag Was das US-Militär zur Zerstörung im Iran sagt

dpa

10.4.2026 - 21:14

Irans Militärführung zeigt sich von Trumps Drohungen unbeeindruckt. (Archivbild)
Irans Militärführung zeigt sich von Trumps Drohungen unbeeindruckt. (Archivbild)
Bild: Vahid Salemi/AP/dpa

US-Stellen zeichnen das Bild einer praktisch entwaffneten Islamischen Republik. Das US-Militär geht aber noch davon aus, dass das Land weiterhin über Fähigkeiten zur Verteidigung und zum Gegenschlag verfügt.

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DPA, Redaktion blue News

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  • US-Präsident Trump und andere US-Stellen zeichnen das Bild einer praktisch entwaffneten Islamischen Republik.
  • Die iranischen Angriffe in der Golfregion laufen jedoch seit Kriegsbeginn in relativ gleichbleibendem und ununterbrochenem Tempo weiter
  • Auch für das US-Militär verfügt der Iran noch immer über Mittel zum Gegenschlag.

Seit der Ankündigung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran haben sich US-Stellen bemüht, das Bild einer praktisch entwaffneten Islamischen Republik zu zeichnen. Zugleich räumen Militär- und Regierungsvertreter ein, dass das Land noch immer über begrenzte Fähigkeiten zur Verteidigung und zum Gegenschlag verfügt.

Iranische Angriffe gehen ununterbrochen weiter

Laut Generalstabschef Dan Caine hat das US-Militär im Iran mehr als 13'000 Ziele getroffen. Ob bei der Luftverteidigung, der Marine oder in der Waffenproduktion: Für alle Bereiche nannte er hohe Trefferquoten. Die Behauptung von Präsident Donald Trump, die militärischen Fähigkeiten des Irans seien dezimiert worden, belegen diese Werte allerdings noch nicht.

Die US-Organisation ACLED, die weltweit Daten zu bewaffneten Konflikten sammelt, hat ermittelt, dass die iranischen Angriffe in der Golfregion seit Kriegsbeginn am 28. Februar bis Mittwoch in relativ gleichbleibendem und ununterbrochenem Tempo weiterliefen.

80 Prozent der iranischen Luftverteidigungssysteme «zerstört»

Caine sagte am Mittwoch im Pentagon, die USA hätten mehr als 1500 Ziele der Luftverteidigung, mehr als 450 Lagerstätten für ballistische Raketen sowie 800 Lagerstätten für Einweg-Angriffsdrohnen angegriffen. «All diese Systeme sind weg.»

Verteidigungsminister Pete Hegseth äusserte sich ähnlich. Der Iran habe «keine Luftabwehr mehr», die USA «beherrschen ihren Himmel», erklärte der 45-Jährige, nur um kurz darauf einzuräumen, dass der Iran «noch immer schiessen» könne, «wir wissen das». Später präzisierte er, dass Teheran möglicherweise «hier oder da noch ein System» habe, jedoch kein Luftverteidigungssystem mehr, mit dem sich der iranische Luftraum verteidigen lasse.

Weder Caine noch Hegseth sagten, wie die verbliebenen 20 Prozent der iranischen Luftabwehr konkret aussehen oder in welchen Teilen des Landes noch die Fähigkeit zu vereinzeltem Beschuss besteht.

Caine machte auch keine neuen Angaben dazu, mit welcher Waffe die Iraner in der vergangenen Woche einen Kampfjet des Typs F-15E vom Himmel holten. Es war der erste Abschuss eines Kampfjets über dem Iran seit Beginn des Krieges – und ein nicht zu verkennender Hinweis auf verbliebene militärische Fähigkeiten Teherans. Trump hatte am Montag erklärt, der Jet sei mit einer «schultergestützten, wärmesuchenden Rakete» abgeschossen worden.

Mehr als 90 Prozent der iranischen Marine «versenkt»

Die Pressesprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, befand am Mittwoch vor Journalisten, die iranische Marine sei «komplett zerstört» worden.

Generalstabschef Caine zeichnete ein differenzierteres Bild. 150 iranische Schiffe seien «auf dem Grund des Ozeans», erklärte er. Bei den kleinen Angriffsbooten der Revolutionsgarde, die Teheran in der Vergangenheit nutzte, um in der Strasse von Hormus Handels- und Militärschiffe zu bedrängen, gelte das aber nur für etwa die Hälfte.

Caine erklärte weiter, das Militär gehe davon aus, nach mehr als 700 entsprechenden Angriffen mehr als 95 Prozent der iranischen Seeminen zerstört zu haben. Da es keine offiziellen US-Angaben zum Umfang des iranischen Minenbestands vor dem Krieg gibt, ist unklar, wie viele Minen die verbleibenden 5 Prozent ausmachen.

Noch am Donnerstag veröffentlichten die halbamtlichen iranischen Nachrichtenagenturen Isna und Tasnim ein Schaubild, das eine Verminung von Teilen der für den Transport von Öl und Gas wichtigen Strasse von Hormus während des Krieges nahelegt. Nicht auszuschliessen ist, dass die Veröffentlichung vor allem als Druckmittel bei den Gesprächen in Pakistans Hauptstadt Islamabad wirken soll, bei denen Washington und Teheran eine mögliche Lösung des Konflikts ausloten wollen.

Unabhängige Analysten sagen, sie haben seit dem Beginn der zweiwöchigen Waffenruhe noch keine Zunahme des Handelsverkehrs in der Strasse von Hormus beobachten können.

Etwa 90 Prozent der iranischen Waffenfabriken «angegriffen»

Caine sagte am Mittwoch, das Militär habe die Grundlagen der iranischen Rüstungsindustrie zerstört. Schätzungsweise «90 Prozent ihrer Waffenfabriken» seien von den USA und Israel angegriffen worden. Zudem seien «fast 80 Prozent der nuklear-industriellen Basis des Irans getroffen» worden. Das Land könne nun einige Komponenten, etwa Feststoffraketenmotoren, nicht mehr bauen, sagte Caine.

Doch vermied er es, auszuschliessen, dass der Iran seine Produktion wiederaufnehmen oder auf anderem Wege an Waffen gelangen könnte – oder dass die angegriffenen Fabriken tatsächlich zerstört oder unbrauchbar gemacht worden seien.

Dieser Möglichkeit trug Trump Rechnung, als er andere Länder am Mittwoch davor warnte, der Islamischen Republik Waffen zu liefern. Wer das wage, werde sofort mit Zöllen in Höhe von 50 Prozent auf alle an die USA verkauften Waren belegt.

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