Wann? Wie? Was?Das sind die 3 drängendsten Fragen zu einem Militärschlag gegen den Iran
Philipp Dahm
26.2.2026
Donald Trump am 23. Februar im Weissen Haus: Wird der selbsternannte Friedensfürst bald den Iran erneut angreifen?
Bild:Keystone
Einerseits laufen in Genf weiterhin Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. Andererseits fährt Washington im Nahen Osten eine militärische Drohkulisse auf, die kaum Hoffnung auf Frieden macht. Wann Trump womit angreifen könnte – und was sein Militär sagt.
Dieser Artikel beleuchtet drei Fragen, die sich im Zusammenhang mit einem möglichen US-Angriff auf den Iran stellen.
Wann könnte ein US-Angriff beginnen? Wie blue News auf die Daten 27. Februar oder 6. März kommt.
Was sagt das Militär zu einem Angriff? US-Generalstabschef Dan Caine warnt, dass es Probleme geben könnte, weil Verbündete und Munition fehlten. Donald Trump widerspricht wütend.
Welche Flugzeuge stehen bereit? Eine Übersicht über die Flotte von Kampfjets und ihre Helfer.
«Vielleicht müssen wir noch einen Schritt weiter gehen, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht werden wir einen Deal machen. Das werden Sie wohl in den nächsten 10 Tagen herausfinden»: Das sagt Präsident Donald Trump ausgerechnet beim ersten Treffen seines «Friedensrats» am 19. Februar.
Am Abend an Bord der Air Force One legt der 79-Jährige nach: 10 bis 15 Tage habe Teheran maximal noch Zeit, einen «Deal» abzuschliessen – oder es würden «wirklich böse Dinge» geschehen. Gleichzeitig hat das Pentagon bereits eine Maschinerie in Gang gesetzt, die Waffen und Munition im Nahen Osten auffährt.
President Trump warned Iran that it must make a deal over its nuclear program or "really bad things" will happen, and set a deadline of 10 to 15 days, drawing a threat from Tehran to retaliate against U.S. bases in the region if attacked.
Washington hat jedoch ein Problem: Staaten wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate erlauben den USA nicht, ihre Lufträume oder Basen für einen Iran-Angriff zu nutzen. Die Golfstaaten fürchten um das Gleichgewicht der Macht in der Region – und dass Israel zu stark wird.
Laut «The Times» stellt sich auch London quer – und verbietet US-Attacken von britischen Basen aus. Das heisst, dass die US Air Force ihre Kampfflugzeuge von den dortigen Standorten verlegen muss. Vor allem aber fällt damit auch der Bomber-Stützpunkt Diego Garcia weg, der auf dem zu Grossbritannien gehörigen Chagos-Archipel liegt.
B-1-Bomber auf Diego Garcia: Weil Grossbritannien die Nutzung der Basis für einen Iran-Angriff angeblich untersagt, werden die beiden Flugzeugträger-Kampfverbände in Nahost wichtiger.
SrA Rebeca M. Luqui
Der Kampfverband um die USS Gerald R. Ford hat am 23. Februar die griechische Insel Kreta angelaufen, um Nachschub aufzunehmen. Nun fährt die Carrier Strike Group 12 weiter an die israelische Küste, wo sie am 2. März eintreffen soll, weiss «The Jerusalem Post».
🇺🇸 The USS Gerald R. Ford arrived at Souda Bay, Greece, with a fully loaded flight deck.
The aircraft carrier is now sailing near Crete en route to the eastern Mediterranean. pic.twitter.com/sBIm6Np0rn
Dort soll der Verband Israel vor Angriffen schützen, kann sich aber auch an Kampfeinsätzen im Iran beteiligen, wenn die Jets in der Luft betankt werden. Die Ankunft der Ford im östlichen Mittelmeer «sendet ein klares Signal», kommentieren die «Gulf News». Die Carrier Strike Group 3 mit der USS Abraham Lincoln hat sich bereits im Golf von Oman platziert.
JUST IN:
Iranian State TV Aired an AI-generated Video of Them Sinking the USS Abraham Lincoln pic.twitter.com/uiFPGGTK0A
Trumps Worten zufolge muss der Iran zwischen dem 1. und dem 6. März mit einer Attacke rechnen – vorausgesetzt, dass es keine diplomatische Einigung gibt. Allerdings präferiert Donald Trump es, unpopuläre Massnahmen an Freitagen zu verkünden oder umzusetzen, wenn die Öffentlichkeit wegen des Wochenendes träger reagiert.
Auch die letzte Attacke Israels und der USA begann an einem Freitag: Auf diesen 13. Juni 2025 folgten zwölf Tage Krieg. Dieser Logik zufolge wird Washington am 27. Februar oder 6. März zum Angriff blasen.
Was sagt das Militär zu einem Angriff?
US-Generalstabschef Dan Caine hat Präsident Donald Trump und dessen Team Medienberichten zufolge vor Risiken eines Militäreinsatzes im Iran gewarnt. Demnach sieht er insbesondere die Gefahr, in einen langwierigen Konflikt verwickelt zu werden und nicht genügend Unterstützung von Verbündeten zu bekommen.
Schiffe der US Navy im Nahen Osten seit 2023.
CSIS
Auf entsprechende Berichte von US-Medien wie dem Nachrichtenportal «Axios» und der «Washington Post» reagierte Trump mit Kritik: «Fake News»-Medien würden behaupten, Caine sei dagegen, dass «wir gegen den Iran in den Krieg ziehen», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Das sei zu «100 Prozent falsch».
Die Berichte beziehen sich auf angeblich mit den internen Diskussionen vertraute Quellen. Nach Informationen der «Washington Post» sieht Caine auch in Versorgungsengpässen bei wichtigen Waffensystemen ein erhebliches Risiko für einen Militäreinsatz und daran beteiligte US-Soldaten.
NEW
Joint Chiefs Chairman Gen. Dan Caine has been advising President Trump and top officials that a military campaign against Iran could carry significant risks, in particular the possibility of becoming entangled in a prolonged conflict.
Full Story: bit.ly/46mcYAc
Demnach äusserte der Generalstabschef seine Besorgnis vergangene Woche bei einem Treffen mit Trump und dessen Beratern im Weissen Haus. Jeder grössere Einsatz gegen den Iran sei nach Caines Einschätzung problematisch, weil die Waffenbestände der USA durch die massive Unterstützung Israels im Gaza-Krieg und der Ukraine gegen Russland geschrumpft seien.
Auf die potenzielle Lebensgefahr für Soldaten habe der Generalstabschef auch in Pentagon-Sitzungen hingewiesen. Warnungen vor den Risiken eines ausgedehnten Militäreinsatzes, die vor allem Caine vorgebracht habe, bekam Trump auch aus dem Verteidigungsministerium, berichtet das «Wall Street Journal». Neben möglichen Verlusten der USA und ihrer Verbündeten sei es auch um eine Überlastung der Streitkräfte gegangen.
BREAKING: U.S. Military Short on Munitions as Trump Floats Iran Strike
This is not a drill.
Gen. Dan Caine, the top U.S. military officer, is warning that any Trump-ordered strike on Iran would carry serious risks. Why?
Einige Beamte sagten der Zeitung demnach, Diskussionen über mögliche Opfer und Kosten seien immer Teil der Planung vor militärischen Einsätzen. Die Optionen für Angriffe auf den Iran reichen dem Bericht zufolge von anfänglich begrenzten Attacken bis hin zu tagelangen Luftangriffen, die auf den Sturz der Führung in Teheran abzielen.
The massive USAF airbridge to support future strikes on Iran continued overnight, with dozens of airlifters moving additional air defense assets and munitions into the Middle East. pic.twitter.com/qIqgc1YjFh
Trump betonte in seinem Post, dass Caine genau wie andere US-Vertreter keinen Krieg wolle. Falls allerdings eine Entscheidung für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran getroffen werde, sei der Generalstabschef der Meinung, dass es ein Leichtes sein werde, zu gewinnen.
This is somewhere between 40-50% of deployable US air power (and it’s still growing). On a scale with the Gulf Wars.
Der US-Präsident hob auch hervor, dass er allein derjenige sei, der die Entscheidungen treffe. Er bekräftigte dabei seine bekannte Darstellung, dass er einen Deal mit dem Iran zwar bevorzugen würde, schob dann aber nach: «Wenn wir keinen Deal machen, wird es ein sehr schlechter Tag für dieses Land.»
Welche Flugzeuge stehen bereit?
48 F-16-Mehrzweck-Kampfflugzeuge bilden neben anderen das Rückgrat der US-Luftstreitkräfte. 24 davon sind in der «Wild Weasel»-Konfiguration unterwegs: Diese Jets fliegen in der ersten Welle in den iranischen Luftraum, um die gegnerische Luftabwehr zu jagen.
Eine F-16CJ des 20th Fighter Wing aus South Carolina.
US Air Force
Auch die 12 Tarnkappen-Jäger vom F-22 Raptor sind in der ersten Welle mit dabei, um etwaige gegnerische Jets abzuschiessen und zudem unerkannt aufzuklären.
Eine F-22 Raptor wird von einem KC-135-Tankflugzeug versorgt.
KEYSTONE
6 EA-18G Growler sorgen für die Oberhand bei der elektronischen Kriegsführung und bekämpfen das gegnerische Radar und die Luftabwehr. Auch sie sind bei einer ersten Welle dabei. 10 bis 12 weitere Exemplare dieses Typs befinden sich auf den beiden USA-Flugzeugträgern.
Diese EA-18G Growler trägt Zusatztanks, Störsender, Antiradar-Raketen vom Typ AGM-88 HARM und AIM-120-AMRAAM-Raketen gegen Flugzeuge.
US Navy
30 F-35A mit Tarneigenschaften können sowohl den iranischen Luftraum kontrollieren als auch Bodenziele attackieren. Hinzu kommen 10 bis 12 F-35C auf den beiden Flugzeugträgern.
Die F-35A ist ein Allrounder: hier zwei Exemplare des 32. Geschwaders der italienischen Luftwaffe.
KEYSTONE
35 F-15E Strike Eagle sind vor Ort: Die schwereren Mehrzweck-Flugzeuge können entweder grosse Bomben- und Raketenlasten gegen Bodenziele tragen oder aber als Jäger den Luftraum kontrollieren.
Eine F-15E Strike Eagle wirft einen Täuschkörper ab.
IMAGO/ZUMA Press Wire
Das Arbeitspferd der US Navy: Auf den beiden Flugzeugträgern warten 70 bis 84 Mehrzweck-Jets vom Typ F/A-18F Super Hornet auf ihren Einsatz.
Eine F/A-18F Super Hornet kurz vor ihrem Start von der USS Ronald Reagan.
US Navy
Was machen 12 Erdkampf-Flugzeuge vom Typ A-10C im Nahen Osten, wenn keine Bodentruppen bekämpft werden? Die Thunderbolt II kann entweder iranische Drohnen abfangen oder Schnellboote im Persischen Golf bekämpfen.
Die A-10 ist für ihre enorme Bordkanone berühmt und berüchtigt.
KEYSTONE
6 E-3E Sentry Frühwarnflugzeuge fungieren als riesige US-Radarstationen in der Luft.
Die E-3 Sentry ist ein so genanntes «airborne warning and control system», besser bekannt als AWACS.
US Air Force
8 bis 10 E-2D Hawkeye können auf den beiden Flugzeugträgern starten und zusätzlich den Luftraum überwachen.
Eine E-2D Hawkeye fliegt über den Marinestützpunkt Norfolk in Virginia. Der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt ist auch zu sehen.
US Navy
Die US Air Force besitzt 8 E-11A Kommunikationsflugzeuge, die als Bindeglied zwischen Lufteinheiten, Truppen und Satelliten dienen. 5 dieser Spezialflugzeuge sind nun im Nahen Osten stationiert.
Die E-11A ist die militärische Variante der Bombardier Global und dient als Kommunikationsknoten – auf Englisch: Battlefield Airborne Communications Node (BACN).
US Air Force
Eine unbekannte Anzahl von Seefernaufklärern des Typs P-8 Poseidon behält die iranische Marine im Blick.
Eine neuseeländische P-8A Poseidon mit geöffnetem Bombenschacht.
New Zealand Defence Forces
Ein Spionageflugzeug vom Typ RC-135V Rivet Joint rundet die US-Luftflotte ab.
Eine RC-135V Rivet Joint im Anflug auf die Kadena Air Base in Japan.
Commons/Balon Greyjoy
Die U-2S Dragon Lady besorgt die Aufklärung in grosser Höhe.
Eine U-2S auf der Al Dhafra Air Base in den Vereinigten Aranischen Emeiraten.
US Air Force
Des Weiteren haben die USA ganze 108 Tankflugzeuge der Typen KC-46 Pegasus und KC-135 Stratotanker platziert, die dafür sorgen, dass Bomber von den USA aus Angriffe auf den Iran fliegen können.
‼️‼️🇺🇲🇮🇷 According to reports, currently in the central area of responsibility (Middle East-CENTCOM) and Europe, the US Air Force has more than 100 refueling tankers (up to 75 KC-135 Stratotankers & more than 25 KC-46 Pegasus aircraft), which will continuously supply fuel to… pic.twitter.com/dOimHoc1YN
Von ihrem Stützpunkt auf der Whiteman Air Force Base in Missouri können dank der Tankflugzeuge Bomber vom Typ B-2 Spirit ihre tödliche Fracht bis in den Iran tragen.
Eine B-2 fliegt über St. Louis, Missouri.
US Air Force
Das 7. und das 28. Bombergeschwader aus Texas und South Dakota kann Bomber vom Typ B-1 Lancer beisteuern.
Eine B-1B im Flug.
Commons/Oletjens
Wenn die iranische Luftabwehr ausgeschaltet ist, schlägt die Stunde des schweren Bombers B-52H Stratofortress.
Eine B-52H mit möglicher Waffenzuladung auf der Barksdale Air Force Base in Louisiana.