Countdown im Nahost-KriegTrump droht in 48 Stunden mit dem grossen Knall
dpa
23.3.2026 - 09:50
Krieg gegen den Iran: Pete Hegseth sieht USA «klar im Plan»
Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht am 19. März 2026 über den Verlauf des Krieges gegen den Iran.
19.03.2026
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich dramatisch zu: US-Präsident Donald Trump stellt dem Iran ein Ultimatum, Teheran droht mit massiven Gegenschlägen – und plötzlich stehen auch Europa und die Weltwirtschaft im Fokus. Was gerade passiert – und was das für dich bedeutet.
Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen. blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.
Der Iran reagierte prompt mit der Drohung, die Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen in den mit den USA verbündeten Golfstaaten ins Visier zu nehmen. Eine solche Eskalation könnte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft und die Region haben.
Was du jetzt zur Eskalation wissen musst.
Warum eskaliert der Konflikt gerade jetzt?
Für Öltanker ist die Strasse von Hormus zur Gefahrenzone geworden. (Archivbild)
Durch diese Meerenge wird ein grosser Teil des weltweiten Öls transportiert. Der Iran hat den Schiffsverkehr faktisch blockiert – und setzt damit die USA und ihre Verbündeten massiv unter Druck.
Für den Iran wäre es mit relativ einfachen Mitteln möglich, grossen Schaden anzurichten. So soll der US-Generalstabschef Dan Caine Trump nach einem Bericht der «New York Times» im Oval Office gewarnt haben, ein einziger iranischer Soldat auf einem Schnellboot könnte eine Rakete auf einen langsamen Tanker abfeuern oder eine Mine anbringen.
US-Präsident Donald Trump reagiert mit einem Ultimatum: Innerhalb von 48 Stunden soll die Route wieder geöffnet werden. Andernfalls drohen gezielte Angriffe auf iranische Infrastruktur.
Trump kündigte an, mit dem «grössten» Kraftwerk im Iran zu beginnen – ohne zu spezifizieren, was er damit meint. Möglich ist, dass die USA Gaskraftanlagen ins Visier nehmen wollen.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wurden im Jahr 2023 rund 80 Prozent der iranischen Stromversorgung aus Erdgas gewonnen. Die wichtigste Anlage, das Dampf- und Gaskraftwerk in Damawand, liegt in der Nähe der Hauptstadt Teheran und hat eine Kapazität von mehr als 2800 Megawatt. Ein weiteres liegt in der Provinz Masandaran am Kaspischen Meer mit mehr als 2200 Megawatt Kapazität.
Wie reagiert der Iran auf Trumps Drohung?
Der Iran droht mit Gegenschlägen.
Masoud Nazari Mehrabi/Iranian Army via AP
Teheran kontert mit scharfen Warnungen.
Die iranischen Revolutionsgarden drohen, im Falle eines Angriffs die gesamte Region ins Chaos zu stürzen. Im Fokus stehen dabei Energieanlagen, Wasserentsalzungsanlagen und kritische Infrastruktur in den Golfstaaten.
Gleichzeitig wird auch eine vollständige Blockade der Meerenge in Aussicht gestellt – mit potenziell massiven Folgen für den Welthandel.
Droht Europa oder sogar die Schweiz in den Fokus zu geraten?
Die grössere Gefahr liegt woanders: in den wirtschaftlichen Folgen. Steigende Energiepreise, unterbrochene Lieferketten und ein angespannter Luftverkehr treffen Europa bereits jetzt spürbar.
Die Sorge richtet sich aber vor allem auf Entsalzungsanlagen in der Golfregion. Angriffe auf solche Anlagen oder Schäden durch herabfallende Trümmerteile gab es etwa schon in Bahrain und Kuwait – möglicherweise als eine Art Warnschuss aus Teheran. Systematische Angriffe auf diese Anlagen wären eine weitere schwere Eskalation, mit der die Wasserversorgung von Millionen gefährdet sein könnte.
Kaum eine Weltregion ist so stark auf Entsalzungsanlagen angewiesen wie die Golfstaaten. In der trockenen Wüstenregion auf der Arabischen Halbinsel gibt es kaum Süsswasserressourcen. Gemeinsam haben die Länder etwa 3400 solche Anlagen, in Staaten wie Katar und Bahrain sorgen diese für mehr als 90 Prozent der Trinkwasserversorgung.
Die Anlagen sind auch wichtig, um etwa die chemische Industrie und Datenzentren zu beliefern. Viele Anlagen befinden sich an der Küste des Persischen Golfs und damit nur Hunderte Kilometer vom Iran entfernt.
Was bedeutet die Hormus-Blockade konkret?
Schiffstracking-Websites zeigen, dass zurzeit kaum ein Schiff die Meerenge passiert. (Archivbild)
Julien De Rosa/AFP/dpa
Die Meerenge ist nicht vollständig geschlossen – aber faktisch kaum passierbar.
Reedereien meiden die Route aus Angst vor Angriffen. Gleichzeitig versucht der Iran, den Verkehr zu kontrollieren und teilweise zu regulieren. Berichten zufolge sollen Schiffe sogar Gebühren zahlen, um passieren zu dürfen.
Das Ergebnis: weniger Öl auf dem Markt – und deutlich steigende Preise.
Was passiert als Nächstes?
Ein schneller Frieden ist nicht in Sicht.
Zwar signalisiert der Iran grundsätzlich Gesprächsbereitschaft, knüpft diese aber an weitreichende Bedingungen wie Sicherheitsgarantien und mögliche Entschädigungen.
Auf der anderen Seite bleibt offen, ob Trump tatsächlich militärisch eskaliert – oder ob wirtschaftlicher Druck im Vordergrund bleibt.
Klar ist: Je länger der Konflikt dauert, desto stärker werden die globalen Auswirkungen – auch für Europa.
Was passiert an den Börsen?
Die Märkte reagieren erwartungsgemäss schlecht auf die neusten Entwicklungen. Entsprechend bleibt auch der Ölpreis auf seinem erhöhten Niveau. Am frühen Montagmorgen kostet ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent rund 112 US-Dollar und damit mehr oder weniger gleich viel wie am Freitagabend. Derweil stehen die asiatischen Märkte stark im roten Bereich.
Der japanische Nikkei 225 verliert aktuell 3,7 Prozent, der Hongkonger Hang Seng 3,6 Prozent und der koreanische Aktienmarkt gar 5,8 Prozent.
Auch an den europäischen Aktienmärkten setzt sich der Abwärtsgang fort. Der SMI verliert fast 2 Prozent auf den Schlussstand vom Freitagabend. Der hiesige Leitindex SMI wird am Montagmorgen gemäss dem Broker IG gut 1 Prozent unter dem Schlussstand vom Freitagabend gesehen bei rund 12'180 Punkten. Seit Beginn des Krieges hat der SMI (Stand Freitagabend) rund 12 Prozent eingebüsst, im Vergleich zu Ende 2025 steht er 7 Prozent tiefer.
Mehr zum aktuellen Wirtschaftsgeschehen findest du in unserem Ticker:
Allein letzte Woche büsste der SMI 4,0 Prozent ein, wobei Roche (PS -7,0%), Nestlé (-6,2%), Richemont (-5,4%) sowie Geberit und Sika (je -5,4%) am meisten Terrain verloren.
Am Devisenmarkt hat sich derweil relativ wenig getan im Vergleich zum Freitagabend. Der US-Dollar profitiert weiterhin tendenziell vom Krieg. Das Euro/Dollar-Paar kostete zuletzt rund 1,1540 nach 1,1560 am Freitagabend, bei Dollar/Franken waren es 0,7897 nach 0,7885. Ebenfalls kaum verändert zeigt sich das Euro/Franken-Paar mit zuletzt 0,9111.
Merz kontert Trump: Nato in Strasse von Hormus «nicht gefragt»
Brüssel/Berlin/London, 16.03.2026:
Donald Trump fordert Nato und andere Staaten auf, Kriegsschiffe in die umkämpfte Strasse von Hormus zu schicken – um Öltanker zu schützen.
Deutschland und wichtige Verbündete lehnen die Forderungen von US-Präsident Donald Trump ab.
Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert auch den Umgang von Trump mit den Verbündeten. Der Iran-Krieg sei keine Angelegenheit der Nato.
O-TON Friedrich Merz, Bundeskanzler
«Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis und kein Interventionsbündnis, Und deswegen ist die NATO hier auch überhaupt nicht gefragt.»
Trump hatte die Verbündeten in dem Militärbündnis zuvor mit konfrontativen Worten zur Unterstützung bei der Sicherung von Öltransporten in der Strasse von Hormus aufgefordert. Die Nato werde vor einer düsteren Zukunft stehen, sollten die Partner dabei nicht helfen, sagte er der «Financial Times».