Schah-Sohn wird lauter Ein Name aus der Vergangenheit kehrt in Irans Krise zurück

Lea Oetiker

13.1.2026

Reza Pahlavi lebt seit rund 47 Jahren im Exil.
Reza Pahlavi lebt seit rund 47 Jahren im Exil.
Keystone

Im Iran spitzen sich die Proteste gegen Armut und Misswirtschaft zu. Hunderte sind tot, Tausende festgenommen – und Exil-Prinz Reza Pahlavi ruft zum Widerstand auf. Doch was hat er überhaupt zu sagen?

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Im Iran protestieren seit Wochen tausende Menschen gegen Armut, Inflation und die Wirtschaftskrise.
  • Laut Aktivisten wurden hunderte Demonstrierende getötet und über zehntausend festgenommen.
  • Exil-Prinz Reza Pahlavi ruft zum Widerstand auf. Doch wer ist das eigentlich?

Seit rund zwei Wochen kommt es im Iran zu landesweiten Protesten gegen Armut, die hohe Inflation und die schwache Wirtschaftslage. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 186 Städte ausgeweitet.

Zudem sollen 483 Demonstranten getötet worden sein, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Insgesamt seien bisher 544 Menschen ums Leben gekommen, hier sind auch Kinder und Sicherheitskräfte mitgezählt.  Rund 10'700 Menschen seien festgenommen worden.

Bereits am Donnerstag ist es in der Hauptstadt des Irans zu massiven Protesten gegen die Staatsführung gekommen.
Bereits am Donnerstag ist es in der Hauptstadt des Irans zu massiven Protesten gegen die Staatsführung gekommen.
Uncredited/UGC/AP/dpa

Letzte Woche erreichten die Demonstrationen im Iran ihren Höhepunkt. Auch, nachdem Reza Pahlavi – gleich mehr zu ihm – die Bevölkerung dazu aufgerufen hatte, auf die Strasse zu gehen.

Neben der Besetzung zentraler Strassen in den Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Propaganda der Staatsführung und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, «legitime Ziele», erklärte er auf der Plattform «X». Aktuell äussert sich Pahlavi häufig auf X und zu den Ereignissen im Iran. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, ob und in welchem Ausmass Menschen im Iran seine Forderungen überhaupt zu sehen bekommen.

Pahlavi rief zudem dazu auf, ausserhalb des Irans an allen iranischen Botschaften und Konsulaten die «schändliche Flagge der Islamischen Republik» gegen die alte Flagge auszutauschen.

Seit 47 Jahren im Exil

Nun: Wer ist der Mann, dessen Stimme gerade so laut ist?

Reza Pahlavi wurde im Jahr 1960 geboren. Er ist der älteste Sohn des ehemaligen Schahs von Iran, Mohammad Reza Pahlavi, und der ehemaligen Kaiserin Parah Pahlavi. 

Im Jahr 1978 verliess er den Iran, um sich in den USA als Kampfjet-Pilot ausbilden zu lassen. Dazu machte er 1985 einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft an der University of Southern California (USC).

Mohammad Reza Pahlavi, der ehemalige Schah von Iran.
Mohammad Reza Pahlavi, der ehemalige Schah von Iran.
Wikipedia

Nach seinem Weggang spitzte sich die Situation im Iran dramatisch zu: Immer mehr Menschen gingen gegen das autoritäre Regime von Schah Mohammad Reza Pahlavi auf die Strasse.

Angesichts der anhaltenden Massenproteste und des wachsenden Drucks floh der Schah Anfang 1979 ins Exil nach Ägypten – die Monarchie brach zusammen, und die Islamische Revolution veränderte das Land grundlegend. Zwei Jahre später starb der Schah an Krebs.

Nach dem Tod seines Vaters hätte Reza Pahlavi nach der traditionellen Thronfolge an die Spitze Irans rücken sollen. Doch auf dem Thron sass er aufgrund der Revolution nie. Er ist ein Prinz ohne Reich und Amt.

«Der Wandel muss von innen kommen»

Pahlavi blieb in den USA. Dort führte er ein ruhiges Leben: US-Medien berichten, dass er in Washington häufiger Gast in lokalen Cafés ist, oft ohne sichtbare Sicherheitsvorkehrungen. 1986 heiratete er Yasmine Etemand-Amini, eine Anwältin, mit der er drei Töchter hat.

Ganz verstummt war er jedoch nie. Immer wieder rief er zu Protesten im eigenen Land auf – etwa nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009. Oder 2022 nach dem gewaltsamen Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini, der die «Frauen, Leben, Freiheit»-Bewegung auslöste. «Der Wandel muss von innen kommen», sagte Pahlavi damals.

Doch viele seiner Initiativen blieben ohne Wirkung. Mehrfach versuchte er, eine Exilregierung aufzubauen, und schmiedete immer wieder Bündnisse der Opposition. Darunter den 2013 gegründeten Iranischen Nationalrat für Freie Wahlen.

Nach der Bewegung «Frau, Leben, Freiheit» entstand zuletzt das Bündnis für Demokratie und Freiheit im Iran, das prominente Oppositionelle und unterschiedliche politische Strömungen vereinte. Doch auch diese Koalition zerbrach bald an internen Differenzen.

Eine umstrittene Person

Inzwischen ist sein Ton selbstbewusster geworden. Nach israelischen Luftangriffen im Jahr 2025, bei denen mehrere hochrangige iranische Generäle getötet wurden, erklärte Pahlavi auf einer Pressekonferenz in Paris, er sei bereit, im Falle eines Zusammenbruchs der Islamischen Republik eine Übergangsregierung zu führen. Später legte er sogar einen 100-Tage-Plan für eine Interimsadministration vor.

Seine neue Entschlossenheit, sagt Pahlavi, beruhe auf den Lehren aus dem Exil – und auf dem «unvollendeten Auftrag» seines Vaters. «Es geht nicht darum, die Vergangenheit wiederherzustellen», sagte er in Paris. «Es geht darum, eine demokratische Zukunft für alle Iraner zu sichern.»

Nähe zu westlichen Regierungen sorgt für Skepsis

Wegen der von der Regierung verhängten Internetblockade dringen nur wenige Bilder und Videos der Proteste nach aussen. In den Videos rufen Demonstrierende «Lang lebe der Schah» und zeigen Porträts von Reza Pahlavi. Doch seine Figur polarisiert: Nicht alle Iraner*innen sehen in ihm einen Hoffnungsträger – viele betrachten ihn wegen seiner Herkunft mit Skepsis.

In diesem Bild aus einem Video, hält ein maskierter Demonstrant ein Bild des iranischen Kronprinzen Reza Pahlavi während einer Demonstration in Teheran. 
In diesem Bild aus einem Video, hält ein maskierter Demonstrant ein Bild des iranischen Kronprinzen Reza Pahlavi während einer Demonstration in Teheran. 
sda

Für seine Anhänger ist Pahlavi der einzige Oppositionspolitiker, der international Gehör findet und glaubhaft für einen friedlichen Wandel eintritt. Kritiker hingegen werfen ihm vor, sich zu stark an den Westen anzulehnen, und bezweifeln, dass ein Exil-Prinz das Vertrauen der Bevölkerung im Land gewinnen könnte. Zumal er den Grossteil seines Lebens in den USA gelebt hat.

Vor allem seine Nähe zu westlichen Regierungen und Medien gilt innerhalb der Opposition als Risiko. Mancher fürchtet, ein Machtwechsel unter seiner Führung könnte ausländischen Interessen Tür und Tor öffnen.

Reza Pahlavi und die israelische Geheimdienstministerin Gila Gamliel in Israel 2023.
Reza Pahlavi und die israelische Geheimdienstministerin Gila Gamliel in Israel 2023.
KEYSTONE

Auch Pahlavis offene Haltung gegenüber Israel sorgt für Diskussionen. 2023 traf er Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, im vergangenen Jahr unterstützte er den Zwölf-Tage-Krieg. Während die einen darin eine strategische Annäherung erkennen – ein mögliches Bündnis gegen das Mullah-Regime und die Wiederbelebung vorrevolutionärer Freundschaften –, werten andere sie als Distanzierung von Irans arabischen Verbündeten.

Keine Monarchie mehr

«Der Sieg gehört euch», erklärte Pahlavi kürzlich den Iraner*innen in einer Videbotschaft auf Instagram. In einem Gastbeitrag für die «Washington Post» schrieb er, er wolle das Land auf einen demokratischen Weg führen. 

Pahlavi jedenfalls will keine Monarchie errichten, sollte das Regime stürzen. Er wollte nur beim Übergang zu einem neuen Staat helfen. Er wolle unterschiedliche Kräfte zusammenführen, um Stabilität zu sichern, eine Verfassung auszuarbeiten und freie Wahlen zu ermöglichen. Sein Anspruch sei «nicht das Ergebnis vorzugeben, sondern den Prozess zu garantieren».

Wie gross seine Unterstützung tatsächlich ist, bleibt angesichts der massiven Repression im Land schwer einzuschätzen. Für die einen steht der Name Pahlavi für verlorene Stärke, für die anderen für die Schatten autoritärer Herrschaft.