Historische Zäsur Stürzt Irans Machtapparat nach Chameneis Tod ins Chaos?

Carlotta Henggeler

28.2.2026

Oberster Führer und geistliches Oberhaupt des Iran: Ajatollah Ali Chamenei. (Archivbild)
Oberster Führer und geistliches Oberhaupt des Iran: Ajatollah Ali Chamenei. (Archivbild)
Office of the Iranian Supreme Leader/dpa

Nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran verdichten sich die Hinweise, dass Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei tot sein könnte. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran gibt es bislang nicht.

DPA

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  • Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen israelischen Offiziellen mit der Aussage, die Leiche von Ajatollah Ali Chamenei sei gefunden worden.
  • Israels Premier Benjamin Netanjahu spricht von «vielen Zeichen», dass der iranische Staatsführer nicht mehr am Leben sei.
  • Eine Bestätigung der iranischen Führung liegt bisher nicht vor, das Machtgefüge in Teheran steht damit vor einer historischen Zäsur.

Ein israelischer Offizieller erklärte laut der Nachrichtenagentur Reuters, man habe die Leiche des iranischen Staatsoberhaupts Ali Chamenei gefunden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben derzeit nicht. Aus Teheran gibt es bislang weder eine Bestätigung noch eine formelle Stellungnahme zum Verbleib des 86-Jährigen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Abend, es gebe zunehmende Anzeichen, dass Chamenei nicht mehr am Leben sei. «Wir haben Chameneis Anwesen zerstört. Es gibt viele Zeichen, dass der Diktator nicht mehr lebt», erklärte Netanjahu in einer Stellungnahme. Zugleich rief er die iranische Bevölkerung auf, gegen die politische Führung auf die Strasse zu gehen. Der Krieg gegen den Iran werde letztlich «zu einem echten Frieden führen», sagte er.

Sollte der oberste iranische Führer im Zuge der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran tatsächlich getötet worden sein, könnte das laut einem Nahost-Experten erhebliche Folgen für das politische System in dem Land haben. «Damit wäre erstmal die zentrale Figur, auf die alles zusammenläuft, ausgeschaltet», sagte Professor Simon Wolfgang Fuchs, der an der Hebräischen Universität in Jerusalem Islamwissenschaft lehrt, der Deutschen Presse-Agentur.

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Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen.  blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.

«Auf der anderen Seite ist Iran natürlich kein Regime, das nur auf eine Familie baut oder auf einen ganz engen Kreis an Leuten, an denen alles hängt», schränkte er ein. Chamenei habe zudem angeordnet, für alle führenden Positionen im Staat mindestens vier Stellvertreter zu ernennen, damit Befehlsketten nicht unterbrochen würden. Das gelte auch für das Staatsoberhaupt selbst.

Die Nachfolge des obersten Führers sei mit der Wahl durch einen Expertenrat klar geregelt. Diese durchzuführen könne aber einige Zeit in Anspruch nehmen. Fraglich sei, ob hier eine Übergangsfigur vom Rest des Machtapparats akzeptiert würde. «Hier könnte es zu Bruchlinien kommen, wenn dieser Prozess zu lange dauert und die iranischen Institutionen, die eigentlich darauf vorbereitet sind, nicht weiter funktionieren können», so der Experte weiter.

Verbleib Chameneis nach Angriffen ist unklar

Bei den israelisch-amerikanischen Luftangriffen wurde Berichten zufolge der Amtssitz Chameneis bombardiert. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das vollständig zerstörte Areal des als «Beyt» bekannten Hochsicherheitsbereichs in der Hauptstadt Teheran. Auch Bewohner in Teheran berichteten davon.

Ob sich Chamenei zum Zeitpunkt der Attacke dort aufhielt, ist unklar. Er hatte sich in den vergangenen Wochen angesichts der militärischen Spannungen selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Es gibt denn auch keine Informationen, wo Chameneis Leiche gefunden worden sein soll. 

Der iranische Staat dürfte dessen Sicherheit zur obersten Priorität gemacht haben. Wo er sich zuletzt aufhielt, ist nicht bekannt. Chamenei steht an der politischen und religiösen Spitze des Landes und ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte.


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