5 Exekutionen täglich Iran und Saudi-Arabien richten so viele Menschen hin wie nie zuvor

Philipp Fischer

4.1.2026

Bei einem weltweiten Protesttag gegen Hinrichtungen im Iran im Jahr 2023 trägt ein Mann symbolisch einen Galgenstrick.
Bei einem weltweiten Protesttag gegen Hinrichtungen im Iran im Jahr 2023 trägt ein Mann symbolisch einen Galgenstrick.
Archivbild: IMAGO/NurPhoto

Die iranischen Behörden haben im Jahr 2025 mindestens 1500  hingerichtet. Auch in Saudi-Arabien erreichten Exekutionen einen Höchststand.

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Agence France-Presse, Redazione blue News

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  • Die Zahl der Hinrichtungen hat 2025 im Iran und in Saudi-Arabien einen neuen Höchststand.
  • Im Iran sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation im vergangenen Jahr mindestens 1500 Menschen hingerichtet worden.
  • In Saudi-Arabien wurde 356 Menschen mal die Todesstrafe verhängt.

Im Iran sind nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation im vergangenen Jahr mindestens 1500 Menschen hingerichtet worden. Dies sei ein Höchststand in den vergangenen 35 Jahren, gab die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) am Donnerstag bekannt. Der Chef der Menschenrechtsorganisation, Mahmood Amiry-Moghaddam, sprach von einem «beispiellosen» Anstieg und einer «sehr besorgniserregenden» Entwicklung.

Im Jahr 2024 hatte die IHR mindestens 975 Hinrichtungen im Iran gezählt. Die Organisation hat ihre endgültige Statistik für 2025 noch nicht veröffentlicht, jedoch konnte sie nach eigenen Angaben bislang mindestens 1500 Hinrichtungen verifizieren. Mehr als 700 Hinrichtungen standen demnach im Zusammenhang mit Drogendelikten.

Neue Protestwelle im Iran

Die Zahl der Hinrichtungen sei seit Ausbruch der Proteste im Iran im September 2022 gestiegen, sagte Amiry-Moghaddam. Die Protestwelle war durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini nach einem Polizeigewahrsam ausgelöst worden war. Amini war wegen eines angeblichen Verstosses gegen die Kleiderordnung festgenommen worden.

Die Zahl der Hinrichtungen sei von mehr als 500 im Jahr 2022 auf mehr als 800 im Jahr 2023 und 975 in 2024 gestiegen, fügte Amiry-Moghaddam hinzu. «Die iranischen Behörden nutzen die Todesstrafe als ein Instrument, um Angst zu säen», betonte Amiry-Moghaddam. Ziel der Hinrichtungen sei es, neue Proteste zu verhindern. Die Proteste in diesen Tagen würden zeigen, dass das nicht gelungen sei.

Ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden steht auf dem Platz der Islamischen Revolution (Enghelab-e-Eslami) im Zentrum von Teheran Wache. 
Ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden steht auf dem Platz der Islamischen Revolution (Enghelab-e-Eslami) im Zentrum von Teheran Wache. 
Archivbild: Keystone

Seit ein paar Tagen gibt es im Iran Proteste gegen die desolate wirtschaftliche Lage im Land. Die spontanen Demonstrationen waren am Sonntag von Teherans grösstem Handy-Markt ausgegangen. Zunächst demonstrierten vor allem Händler, danach schlossen sich auch zahlreiche Studenten an mindestens zehn Universitäten des Landes sowie Menschen in zahlreichen anderen Städten der Protestbewegung an.

Mehr Hinrichtungen in Saudi-Arabien wegen Drogenkonsums

Auch in Saudi-Arabien erreichte die Zahl der Hinrichtungen 2025 einen neuen Höchststand. Im vergangenen Jahr wurden dort 356 Menschen hingerichtet, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Basis von Zahlen der saudiarabischen Behörden ergab. Allein im Zusammenhang mit Drogendelikten wurde die Todesstrafe demnach bei 243 Menschen ausgeführt.

Die Zahl der Hinrichtungen in Saudi-Arabien erreicht damit das zweite Jahr in Folge einen neuen Höchststand. 2024 waren 338 Menschen hingerichtet worden, 2023 waren es 170 Menschen.

Beobachter erklären den starken Anstieg bei der Zahl der Hinrichtungen mit dem vor ein paar Jahren begonnenen «Krieg gegen Drogen» in dem Königreich. Ende 2022 nahm Saudi-Arabien Hinrichtungen wegen Drogendelikten wieder auf. Zuvor war die Verhängung der Todesstrafe in diesen Fällen für etwa drei Jahre ausgesetzt gewesen.

Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Märkte für die Aufputschdroge Captagon. Unter dem inzwischen gestürzten syrischen Machthaber Baschar al-Assad hatte Syrien sich der UNO zufolge zum Hauptproduzenten von Captagon im Nahen Osten entwickelt.

Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, in denen weltweit am häufigsten die Todesstrafe verhängt wird. Mehr Hinrichtungen als in Saudi-Arabien gibt es laut Menschenrechtsorganisationen nur in China und dem Iran.