Holocaust-Gedenktag

Israel erinnert an die Shoah

AP / tchs

28.4.2022

Israel erinnert am Holocaust-Gedenktag an ermordete Juden

Israel erinnert am Holocaust-Gedenktag an ermordete Juden

Am Donnerstag heulten landesweit die Sirenen, viele Autos standen still.

28.04.2022

Wie jedes Jahr steht ganz Israel zum Holocaust-Gedenktag still. Ministerpräsident Bennett warnt davor, den Völkermord an den Juden mit anderen Gräueltaten zu vergleichen.

AP / tchs

28.4.2022

Mit einem Moment des Innehaltens haben die Menschen in Israel an die Ermordung von rund sechs Millionen Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg erinnert. Im ganzen Land ertönten am Donnerstag, dem Holocaust-Gedenktag, Sirenen. Fussgänger blieben stehen, Autofahrer stiegen aus ihren Wagen aus und beugten ihre Köpfe in Erinnerung an die Opfer der Shoah.

A holocaust survivor is assisted to place a wreath marking Holocaust Martyrs and Heroes Remembrance Day at the Yad Vashem Holocaust Museum in Jerusalem, Thursday, April 28, 2022. (AP Photo/Maya Alleruzzo)
An der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem legt eine Holocaust-Überlebende einen Kranz nieder.
Bild: KEYSTONE/AP Photo/Maya Alleruzzo

An der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hatte der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett am Mittwochabend zum Auftakt des Gedenkens davor gewarnt, den Völkermord an den Juden mit anderen Gräueltaten gleichzusetzen - ein klarer Verweis auf Äußerungen über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

Solche Vergleiche seien zunehmend zu hören, sagte Bennett. «Aber nein. Kein Ereignis in der Geschichte, so grausam es auch gewesen sein mag, ist vergleichbar mit der Auslöschung der Juden Europas durch die Nazis und ihre Kollaborateure.»

Der Regierungschef rief gleichzeitig Israel zur Einheit auf. Man dürfe nicht zulassen, dass die Differenzen innerhalb der Bevölkerung die Nation aus dem Inneren zersetzen, sagte Bennett. Der Ministerpräsident hatte zuletzt Morddrohungen erhalten.

Israeli Prime Minister Naftali Bennett and his wife Gilat take part in the ceremony marking Holocaust Remembrance Day at Warsaw Ghetto Square at the Yad Vashem memorial in Jerusalem, Thursday, April 28, 2022. (Amir Cohen/Pool Photo via AP)
Auch der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett und seine Frau Gilat gedachten in der Gedenkstätte Yad Vashem den Opfern des Holocausts.
Bild: KEYSTONE/Amir Cohen/Pool Photo via AP

Auch Holocaust-Überlebende aus der ganzen Welt warnten anlässlich des Holocaust-Gedenktags vor den Folgen von Hass und Hetze. In einem Video riefen 100 Zeitzeugen die Menschheit auf, sich den Völkermord in Erinnerung zu rufen, damit sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholten. Ungehinderter Hass könne zu Handlungen führen und Handlungen zum Genozid, hiess es in dem Video, das am Donnerstag von der Claims Conference mit Sitz in New York veröffentlicht wurde. Die Gruppe vertritt Juden bei Verhandlungen um Entschädigung für Opfer des Holocaust.

Das Holocaust-Leugnen «scheint zuzunehmen»

Wenn nicht an die Opfer des Holocaust erinnert werde, «ermorden wir sie ein zweites Mal, weil wir sie vergessen haben», warnte die Holocaust-Überlebende Ginger Lane. «Es ist wichtig, sich zu erinnern, weil das Teil unseres Erbes und unseres Vermächtnisses ist, das wir an die jüngere Generation weitergeben.

Das Holocaust-Leugnen, wir wissen, dass es immer existiert hat, aber es scheint zuzunehmen und...eine grosse Anzahl junger Menschen weiß nicht einmal, was das Wort Holocaust bedeutet.» In dem Video machten die Holocaust-Überlebenden, denn auch noch einmal deutlich, dass vor etwas mehr als 75 Jahren ein Drittel der Juden weltweit systematisch ermordet wurden. Unter ihnen waren mehr als 1,5 Millionen Kinder.

Einer Studie in den 50 US-Staaten von 2020 zufolge wussten 63 Prozent der befragten Millennials und Mitglieder der sogenannten Generation Z nicht, dass während des Holocaust sechs Millionen Juden ermordet wurden. 48 Prozent der Befragten konnten kein einziges Vernichtungslager Nazi-Deutschlands nennen.

Nach einer anderen Studie vom Mittwoch beobachteten israelische Forscher im vergangenen Jahr zudem eine Zunahme von Antisemitismus in zahlreichen Ländern, angetrieben unter anderem durch die Corona-Pandemie mit der schnellen israelischen Impfkampagne und den elftägigen Israel-Gaza-Krieg.