Strategische Festung im LibanonIsrael nimmt Kreuzritter-Burg und hat die Hisbollah im Blick
dpa
1.6.2026 - 17:02
Strategische Festung im Libanon: Israel nimmt Kreuzritter-Burg mit bewegter Geschichte ein
Israel weitet die Einsätze im Südlibanon aus. Die Einnahme einer Kreuzritterfestung könnte dabei strategische Vorteile bringen. Die Hisbollah-Miliz feuert wieder auf Israel.
01.06.2026
Israel weitet die Einsätze im Südlibanon aus. Die Einnahme einer Kreuzritterfestung könnte dabei strategische Vorteile bringen. Die Hisbollah-Miliz feuert wieder auf Israel.
Israel rückt immer weiter in den Libanon vor. Während die libanesische Hisbollah Israel wieder beschoss, nahm die israelische Armee im Südlibanon die strategisch wichtige Kreuzritterfestung Beaufort ein. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz sagten, Soldaten hätten dort die israelische Flagge gehisst. Das Foto eines dpa-Reporters bestätigt dies.
Es ist das erste Mal seit 26 Jahren, dass israelische Soldaten die Festung erreichen. Israels Armee war im Jahr 2000 nach einer rund 20 Jahre langen Besatzungszeit aus dem Gebiet abgezogen. In dieser Zeit hatten israelische Truppen die Festung als Militärbasis genutzt.
Israelische Soldaten bei der Birg Beaufort.
IDF
«Wir sind vereint, entschlossen und stärker denn je zurückgekehrt», sagte Netanjahu in einer Videobotschaft. Mit der Ausweitung der israelischen Bodenoffensive wächst im Libanon die Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besetzung des Südens.
Das israelische Militär warf der libanesischen Hisbollah-Miliz vor, in der Gegend Einrichtungen zu haben und von dort aus auch Angriffe ausgeführt zu haben. Israel geht in dem Gebiet nach eigenen Angaben etwa gegen Raketenabschussrampen der vom Iran unterstützten Schiitenorganisation vor. Ein Armeesprecher bezeichnete die Festung als «Symbol der Arroganz» der Hisbollah.
Katz: Soldaten werden bleiben
Israels Ministerpräsident Netanjahu sprach von einer «dramatischen Wende» in Israels Vorgehen. «Wir haben die Barriere der Angst durchbrochen», erklärte er.
Israel habe «Sicherheitszonen» jenseits seiner Grenzen eingerichtet, um die Bevölkerung zu schützen. Er kündigte zudem die Kontrolle über weitere Gebiete an, die zuvor unter der dem Einfluss der Hisbollah gestanden hätten.
Das Foto der israelischen Soldaten bei der Anlage stammt vom 31. Mai.
IDF
Verteidigungsminister Katz schrieb auf der Plattform X: «Dies ist eine klare Botschaft an unsere Feinde: Wer die Bürger Israels bedroht, wird seine strategischen Positionen eine nach der anderen verlieren.»
Laut israelischen Medien kündigte Katz an, dass Israels Soldaten dort bleiben würden. Die Festung sei Teil der sogenannten Sicherheitszone Israels im Libanon, die die libanesische Führung wiederum als Besetzung libanesischen Bodens bezeichnet.
Einnahme der Festung für Israel mit Vorteilen verbunden
Die Kreuzritterfestung Beaufort wurde im 12. Jahrhundert errichtet und liegt knapp nördlich des Flusses Litani, hinter den sich die Hisbollah laut einer Vereinbarung zurückziehen sollte. Von dem in 700 Meter Höhe gelegenen Bau in der Nähe eines nordöstlichen Ausläufers der israelischen Grenze hat man einen guten Überblick über die Umgebung.
Eine Zeichnung der Anlage von 1877.
Gemeinfrei
Wegen der guten Lage gehen Wissenschaftler*innen davon aus, dass der Ort bereits vor der Ankunft der Kreuzfahrer besiedelt wurde: Der Bergrücken sei über Jahrhunderte genutzt worden, um die Gegend militärisch zu kontrollieren.
Die israelische Nachrichtenseite «Walla» schrieb, Israels Armee könne von dort aus schnell Bewegungen der Hisbollah erkennen und die Miliz in dem Fall angreifen. Israels militärische Präsenz in der Gegend werde den Transport von Kämpfern, Munition und anderen Gütern durch die Hisbollah erheblich erschweren.
Für die Hisbollah sei der Verlust dieses strategisch wichtigen Punktes schmerzhaft. Der israelische Sender Kan berichtete unter Berufung auf Militärkreise, bei der Einnahme der Gegend habe es Gefechte mit der Hisbollah gegeben.
Luftbild der Burg Beaufort von 1936.
Institut français du Proche-Orient (Ifpo)
Zusammen mit weiteren Festungen in dem Gebiet gilt Beaufort als eine der herausragendsten noch erhaltenen Stätten des Mittelalters. Es sei eine der am besten erhaltenen Festungen aus der mittelalterlichen Zeit, schreibt die UN-Kulturorganisation Unesco.
Der damalige König von Jerusalem liess sie um das Jahr 1137 errichten. Die Unesco listet die Festung als kulturelles Erbe, das herausragenden Schutz geniesst. Es ist unklar, ob die Stätte durch Kämpfe Israels mit der Hisbollah beschädigt wurde.
Kritik aus dem Libanon: «Versuch, Geschichte auszuradieren»
Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel vor, den südlichen Libanon weitreichend zu zerstören. Die Angriffe seien ein «Versuch, die Geschichte auszuradieren», sagte er der Staatsagentur NNA zufolge. Die Kosten des Kriegs seien für die Libanesen immens. Das Land dürfe nicht zum «Faustpfand» in regionalen Konflikten werden.
Lage der Burg Beaufort.
Gemeinfrei
Ein israelischer Militärsprecher forderte am Morgen einen Grossteil der Einwohner im Südlibanon dazu auf, sich in das Gebiet nördlich des Sahrani-Flusses – etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze – zu begeben. Eine solch umfassende Fluchtaufforderung hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Mitte April verkündeten Waffenruhe gegeben.
Israels Armee begründete den Fluchtaufruf mit den Angriffen der Hisbollah auf Israel. Am Vormittag meldete Israels Armee schliesslich neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah im Südlibanon, darunter in der Küstenstadt Tyrus. Im Zuge des Iran-Kriegs war es auch zu einer erneuten Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah gekommen.
Von der Burg Beaufort hat man einen weiten Blick über das Land.
Gemeinfrei
Mitte April schlossen die israelische und die libanesische Regierung zwar eine Waffenruhe, die seitdem zweimal verlängert wurde. Die Hisbollah und Israel liefern sich trotzdem tägliche Kämpfe und mitunter schwere Angriffe. Im Libanon wurden im laufenden Krieg nach offiziellen Angaben mehr als 3200 Menschen getötet und mehr als 9800 weitere verletzt.
Sirenenalarm in Nordisrael
Das Gesundheitsministerium unterscheidet bei seiner Zählung nicht zwischen Zivilisten und Hisbollah-Kämpfern. Auf israelischer Seite kamen 25 Soldaten sowie ein Arbeiter, der im Auftrag des israelischen Verteidigungsministeriums im Südlibanon tätig war, ums Leben.
Nahost-Konflikt
Immer wieder kommt es zu Eskalationen im Nahen Osten. Jüngst sorgten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran für Unruhen. blue News informiert dich laufend über alle wichtigen Entwicklungen in Nahost.
Israels Armee meldete erneut mehrfachen Beschuss unter anderem mit Raketen aus dem Libanon. Das Militär fing eigenen Angaben zufolge mehrere Geschosse ab. Die Hisbollah hat zuletzt Angriffe tiefer in Israel ausgeführt. So gab es am 30. Mai erstmals seit Beginn der Waffenruhe wieder Raketenalarm in der Stadt Safed.
Armeeangaben zufolge wurde ein israelischer Soldat im Südlibanon getötet. Er kam demnach bei Drohnenbeschuss der Hisbollah am späten Samstagabend ums Leben. Wegen der Drohnen- und Raketenangriffe der Hisbollah fällt derzeit für Tausende Schüler in mehreren nordisraelischen Orten der Unterricht aus.
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