Spannungen verschärftGaza-Hilfsflotte gestoppt – sämtliche Schweizer «von Israel entführt»
SDA
19.5.2026 - 21:55
Boote der «Global Sumud Flotilla» verlassen den Hafen von Marmaris in der Türkei in Richtung Gaza. (Archivbild)
Bild:Keystone/AP/Murat Kocabas
Die israelische Armee hat die meisten Boote der internationalen Gaza-Hilfsflotte gestoppt. An Bord sind auch Schweizer Staatsbürger. Diese wurden nach Angaben der Aktivisten sämtlich festgenommen.
Keystone-SDA
19.05.2026, 21:55
20.05.2026, 04:35
SDA
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Die israelische Marine hat einen grossen Teil der internationalen Gaza-Hilfsflotte gestoppt und zahlreiche Aktivisten festgenommen.
Unter ihnen befinden sich laut Organisatoren auch mehrere Schweizer Staatsangehörige.
Während Israel von einer Provokation spricht, werfen die Aktivisten der Armee einen völkerrechtswidrigen Einsatz auf hoher See vor.
Mitten auf dem Mittelmeer stoppt die israelische Marine eine internationale Hilfsflotte für Gaza – darunter auch Boote mit Schweizer Aktivist*innen an Bord. Die Organisatoren sprechen von einer «Entführung», Israel von einer gezielten Provokation. Der Vorfall verschärft die Spannungen rund um den Gaza-Krieg erneut.
Die Marine sei über Nacht weiter gegen die Global Sumud Flotilla vorgegangen und habe mehr als die Hälfte von insgesamt 57 Booten unter ihre Kontrolle gebracht, berichtete der israelische Rundfunk am Dienstag. Rund 250 Aktivisten seien bei dem Einsatz westlich von Zypern bisher festgenommen worden.
Bereits am Montag hatte die israelische Marine laut den Organisatoren eine Gaza-Flottille vor Zypern gestoppt. Unter den Festgenommenen befinden sich nach Angaben der Aktivisten vier Schweizer*innen, darunter die Lausanner Künstlerin Anne Rochat.
Aktivisten: «Von Israel entführt»
Die Veranstalter der Protestaktion sprachen von einer «Entführung» der Aktivist*innen und teilten mit, zehn Boote seien weiterhin unterwegs in Richtung Gazastreifen. Mehr als 40 weitere seien seit Montag gestoppt worden.
Auf einem Instagram-Post von Swiss Global Sumud vom Dienstagabend wurden insgesamt sieben Schweizer*innen abgebildet, die sämtlich festgenommen worden seien. «Alle 7 Schweizer/innen auf internationalen Gewässern von Israel entführt», heisst es dort wörtlich.
Der Einsatz der israelischen Armee 250 Seemeilen von Gaza entfernt gegen die Hilfsflotte sei «eine weitere illegale Aggression auf hoher See», hiess es in einer Mitteilung auf der Webseite der Organisation. Ziel der Gaza Sumud Flotilla sei es gewesen, «einen humanitären Korridor einzurichten und Israels illegale Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen».
Israel: Bisher keine Hilfsgüter auf Booten gefunden
Das israelische Aussenministerium sprach von einer Provokation und teilte mit, auf den Booten seien bisher keine humanitären Hilfsgüter gefunden worden. Das israelische Nachrichtenportal «ynet» berichtete, die Aktivist*innen sollten nach ihrer Festnahme auf ein Schiff der Marine gebracht werden, auf dem sich ein «schwimmendes Gefängnis» befinde. Von dort sollten sie in die israelische Hafenstadt Aschdod gebracht werden. In der Vergangenheit waren internationale Aktivist*innen stets nach einer Weile wieder in ihre Heimatländer abgeschoben worden.
Die Aussenminister der Länder Jordanien, Indonesien, Spanien, Pakistan, Brasilien, Türkei, Bangladesch, Kolumbien, Libyen und der Malediven verurteilten in einer gemeinsamen Mitteilung «die erneuten israelischen Angriffe auf die Global Sumud Flottilla, eine friedliche zivile humanitäre Initiative, die darauf abzielt, internationale Aufmerksamkeit auf das katastrophale humanitäre Leid des palästinensischen Volkes zu lenken».
EDA hat auf Risiken hingewiesen
Aktuell habe das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) von den israelischen Behörden noch keine Informationen zur Situation der Schweizer Teilnehmenden erhalten, teilte dieses am Dienstag mit. Das EDA habe die zuständigen Behörden in Israel zur Achtung der Grundrechte der Teilnehmenden der Flotille wie auch zur Einhaltung des Völkerrechts und des Seerechts aufgefordert.
Die Schweizer Delegation sei vom EDA ausdrücklich auf die erheblichen Risiken hingewiesen worden. Schweizer Staatsangehörige, die sich trotz dieser expliziten Warnungen für eine Teilnahme an der Gaza-Flotille entschieden hätten, «handeln fahrlässig und auf eigene Verantwortung». Gemäss Auslandschweizergesetz könne die konsularische Hilfe in solchen Fällen verweigert oder eingeschränkt werden.
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