Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir in einem von ihm selbst veröffentlichten Video in dem Gaza-Aktivist*innen gedemütigt werden.
Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir provozierte schon öfter. (Archivbild)
Die Gaza-Hilfsflotte versuchte mit 51 Booten die Küste von Gaza zu erreichen. (Archivbild)
Israels Polizeiminister löst diplomatische Kontroverse aus – Gallery
Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir in einem von ihm selbst veröffentlichten Video in dem Gaza-Aktivist*innen gedemütigt werden.
Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir provozierte schon öfter. (Archivbild)
Die Gaza-Hilfsflotte versuchte mit 51 Booten die Küste von Gaza zu erreichen. (Archivbild)
Israels rechtsextremer Polizeiminister Ben-Gvir scheut nicht vor Provokationen zurück. Ein Video sorgt nun für Empörung in Aussenministerien – und auch Kritik aus den eigenen Reihen.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Israels rechtsextremer Minister Itamar Ben-Gvir sorgt mit einem demütigenden Video von Gaza-Aktivisten für Empörung im In- und Ausland.
- Für die Aufnahmen hat Ben-Gvir international heftige Kritik geerntet.
- Das Video zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivist*innen der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod.
- Das EDA hat den israelischen Botschafter und die Behörden des Landes aufgefordert, die Grundrechte der festgenommenen Flottillen-Teilnehmenden aus der Schweiz zu achten.
Ein Video des israelischen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, das Gaza-Aktivisten in demütigender Weise zeigt, hat für grosse Empörung in mehreren europäischen Aussenministerien gesorgt. Auch der israelische Chefdiplomat Gideon Saar sowie Regierungschef Benjamin Netanjahu reagierten mit deutlichen Worten auf den Videopost Ben-Gvirs auf der Plattform X. Die deutsche Regierung kritisierte das Verhalten des Ministers ebenfalls scharf. Diverse Staaten protestierten angesichts des Videos, mehrere Länder bestellten die israelischen Botschafter ein.
Aussenminister Johann Wadephul sagte der dpa, das Verhalten Ben-Gvirs sei «vollkommen inakzeptabel». «Es widerspricht den Werten, für die Deutschland mit Israel gemeinsam stehen will, fundamental», so der CDU-Politiker. Er sei seinem israelischen Amtskollegen Saar dankbar «für die klaren Worte, die er für dieses unsägliche Verhalten gefunden hat». Zuvor hatte der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, ähnliche Worte der Kritik gefunden.
Das Video zeigt den Minister mit einer Gruppe Anhängern und eine israelische Flagge schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten der internationalen Gaza-Hilfsflotte in der israelischen Hafenstadt Aschdod. «Willkommen in Israel, wir sind hier die Hausherren», ruft er auf dem Video, auf dem er die Aktivisten auch verspottet. An der Flotte hatten sich etwa 430 Aktivisten beteiligt, die von Israel festgehalten werden.
Kabinettskollege Saar spricht von «beschämenden Auftritt»
Israels Aussenminister Gideon Saar distanzierte sich auf X mit deutlichen Worten von seinem rechtsextremen Kabinettskollegen, der zu den umstrittensten Mitgliedern der Regierung Netanjahus gehört. Er habe «unserem Staat mit diesem beschämenden Auftritt wissentlich Schaden zugefügt – und das nicht zum ersten Mal», schrieb Saar. Ben-Gvir sei «nicht das Gesicht von Israel». Wenig später postete das israelische Aussenministerium unter der Überschrift «Dies sind unsere Werte» Bilder von israelischen Polizisten, die Wasser an die festgehaltenen Aktivisten austeilen und mit ihnen sprechen.
Netanjahu schrieb, Ben-Gvirs Umgang mit den Aktivisten entspreche nicht den Werten und Normen Israels. Gleichzeitig betonte er, Israel habe das Recht, «Flotillen von Hamas-Unterstützern am Eindringen in unsere Hoheitsgewässer und am Erreichen des Gazastreifens zu hindern.» Er habe die zuständigen Behörden angewiesen, die Aktivisten so schnell wie möglich auszuweisen.
Israelische Botschafter einbestellt
Die Chefdiplomaten mehrerer Staaten reagierten empört auf das Video und bestellten den jeweiligen israelischen Botschafter ins Aussenministerium ein. «Das Video von Minister Ben-Gvir ist absolut inakzeptabel und verstösst gegen jeden elementaren Schutz der Menschenwürde», schrieb Italiens Aussenminister Antonio Tajani auf X. Regierungschefin Giorgia Meloni schrieb, Italien fordere darüber hinaus eine Entschuldigung für die Behandlung der Aktivisten.
Der französische Aussenminister Jean-Noel Barrot kündigte auf X die Einbestellung des israelischen Botschafters an, um die Entrüstung Frankreichs mitzuteilen. Ben-Gvirs Verhalten sei nicht akzeptabel. Französische Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte müssten mit Respekt behandelt und so schnell wie möglich freigelassen werden, schrieb Barrot.
Minister fordern Freilassung der Aktivisten
«Ich habe ein monströses, unmenschliches und unwürdiges Video gesehen, in dem Mitglieder der Flottille, darunter Spanier und Spanierinnen, von einem israelischen Minister und der Polizei ungerecht und auf demütigende Weise behandelt wurden. Das halte ich für äusserst alarmierend», sagte der spanische Aussenminister José Manuel Albares am Rande eines Besuchs in Berlin. Er habe deshalb die Geschäftsträgerin Israels in Madrid dringend einbestellt. Alabares forderte die sofortige Freilassung der Aktivisten und eine öffentliche Entschuldigung Israels. Auch Portugal bestellte den israelischen Botschafter ein.
«Ich bin zutiefst entsetzt über das Video, das der israelische Kabinettsminister Ben-Gvir veröffentlicht hat und in dem er die Teilnehmer der Globalen Sumud-Flottille verhöhnt», schrieb die britische Aussenministerin Yvette Cooper. «Dies verstösst gegen die grundlegendsten Standards von Respekt und Würde im Umgang mit Menschen.» Ihre irische Amtskollegin Helen McEntee schrieb, sie sei entsetzt und schockiert über das Video.
Der niederländische Aussenminister Tom Berendsen schrieb, er habe sich mit Saar wegen des Videos in Verbindung gesetzt. Zugleich begrüsste er, dass Saar und Netanjahu sich klar von Ben-Gvir distanziert hätten.
Belgiens Aussenminister Maxime Prevot sprach von zutiefst verstörenden Bildern. «Menschen werden gefangen gehalten, gefesselt und mit dem Gesicht nach unten gezwungen, während ein Regierungsmitglied ihre Demütigung in den sozialen Medien öffentlich zur Schau stellt.»
EDA pocht auf Achtung der Grundrechte der Aktivisten
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) forderte den israelischen Botschafter und die Behörden des Landes auf, die Grundrechte der festgenommenen Flottillen-Teilnehmenden aus der Schweiz zu achten. Bislang wurde das Departement nicht über die Anzahl der Festgenommenen informiert.
Die israelische Armee hat Anfang der Woche die meisten Boote der internationalen Gaza-Hilfsflotte gestoppt. An Bord waren auch Schweizer Staatsbürger*innen. Diese wurden gemäss Informationen der Schweizer Botschaft in Tel Aviv festgenommen und sollen in das Gefängnis Ktzi'ot überführt werden, wie das EDA auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Mittwoch mitteilte.
Die israelischen Behörden seien wiederholt aufgefordert worden, humane Haftbedingungen, Verfahrensgarantien und das Recht auf Verteidigung, sowie das Völkerrecht und das Seerecht einzuhalten, so das EDA weiter. Jede Intervention gegen die Flottille müsse dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit entsprechen. Die Wahrung der Rechte ihrer Mandanten obliegt nach Aussage des EDA aber primär den Anwält*innen der Festgenommenen. Die Schweizer Behörden leisteten gemäss Auslandschweizer-Gesetz subsidiäre konsularische Unterstützung.
Das EDA hat nach eigenen Angaben die Organisatoren der Schweizer Delegation zur Globalen Sumud-Flottille im April zu einem Treffen eingeladen und sie auf die erheblichen Risiken hingewiesen. «Schweizer Staatsangehörige, die sich trotz dieser Warnungen zur Teilnahme an der Flottille entschlossen haben, handeln fahrlässig und auf eigenes Risiko». so das EDA.
Gaza – Die letzten Mitglieder der Schweizer Flottille sind zurückgekehrt
Die letzten zehn Schweizer Teilnehmer der Flottille für Gaza wurden am Mittwoch repatriiert. Neun Personen landeten in Genf, während das letzte Mitglied der Flottille, ein türkischer Doppelstaatsbürger, am Dienstag in der Türkei eintraf.
08.10.2025