Stadt reagiert mit Überwachung Familientragödie in Istanbul – jetzt ist ein weiterer deutscher Tourist tot

Lea Oetiker

20.11.2025

Nach dem Tod einer Familie in Istanbul haben die Behörden umstrittene Massnahmen angeordnet (Symbolbild).
Nach dem Tod einer Familie in Istanbul haben die Behörden umstrittene Massnahmen angeordnet (Symbolbild).
Onur Dogman/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Nach dem Tod einer Familie in Istanbul haben die Behörden umstrittene Massnahmen angeordnet. Betriebe sollen nun verpflichtet werden, ihre Örtlichkeiten mit Videoaufnahmen zu überwachen. Zudem soll ein weiterer deutscher Tourist in Istanbul gestorben sein.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eine vierköpfige Familie aus Hamburg starb in Istanbul wahrscheinlich durch eine chemische Vergiftung im Hotel.
  • Nun haben die Behörden in Istanbul eine 24-Stunden-Überwachung für Betriebe angeordnet.
  • Laut Berichten ist ein weiterer Tourist aus Deutschland aufgrund einer Vergiftung gestorben.

In Istanbul ist eine vierköpfige Familie aus Hamburg an einer chemischen Vergiftung gestorben. Ein vorläufiger Bericht der türkischen Gerichtsmedizin belastet nun das Hotel weiter, wie mehrere Medien berichten.

Demnach sei der Tod der Familie vor allem auf eine chemische Substanz im Hotel zurückzuführen, berichtete der Staatssender TRT unter Berufung auf ein noch nicht abschliessendes Gutachten. Eine Lebensmittelvergiftung gilt den Ermittlern zufolge als eher unwahrscheinlich. Die Untersuchungen dauern an.

Nun haben die Behörden in Istanbul eine 24-Stunden-Überwachung für Betriebe angeordnet. Alle Unternehmen sind verpflichtet, Tag und Nacht Audio- und Videoaufnahmen zu machen und diese 30 Tage lang aufzubewahren, teilte das Gouverneursamt der Provinz Istanbul nach einem Treffen zu mehr «Lebensmittelsicherheit» mit. Ob sich die Regel nur auf Betriebe bezieht, die mit Lebensmitteln arbeiten, geht aus der Erklärung nicht zweifelsfrei hervor. Zudem sollen Strassenhändler öfters kontrolliert und Unternehmen im Bereich der Schädlingsbekämpfung überprüft werden.

Inzwischen wurden elf Verdächtige festgenommen. Gegen vier von ihnen wurde der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge am Montagabend Haftbefehl erlassen. Dabei handelte es sich um Verkäufer von Süssigkeiten, gefüllten Muscheln und einem Gericht aus Kalbsdärmen (Kokorec) sowie einen Besitzer eines Cafés. Ihnen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen. Die Familie hatte bei den Verdächtigen gegessen.

Weiteres Todesopfer aus Deutschland

Doch die Familie ist nicht das einzige Todesopfer. Wie «t-online» unter Berufung türkischer Medien berichtet, sei es erneut zu Vergiftungsfällen in Istanbul gekommen. So soll ein weiterer Tourist aus Deutschland tot sein.

Er soll am Montag in Istanbul angekommen sein. Zwei Tage später erkrankte er in seinem Hotel im Stadtteil Fatih, heisst es weiter. Im selben Stadtteil hatte auch die Familie ihr Hotel.

Der Tourist wurde schliesslich mit Atemnot und Schweissausbrüchen in eine Klinik eingeliefert, dort starb er schliesslich. Die Todesursache ist noch unklar. Am Tag zuvor soll er Reis und Bohnen gegessen sowie eine Wasserpfeife geraucht haben. Laut Berichten wurden Ermittlungen aufgenommen.

Inzwischen sind auch zwei Touristinnen aus den Niederlanden erkrankt, wie «t-online» weiter berichtet. Die Schwestern waren ebenfalls in einem Hotel im Istanbuler Bezirk Fatih untergebracht, fühlten sich plötzlich unwohl und wurden wegen starker Übelkeit in ein Spital gebracht.

Während die ältere der beiden Frauen nach kurzer Behandlung entlassen werden konnte, blieb die jüngere zur weiteren Kontrolle stationär. Die Behörden prüfen nun auch hier einen möglichen Vergiftungsfall. Konkrete Ergebnisse aus den medizinischen Tests liegen bislang noch nicht vor.

Deutsche Studentin vor einem Jahr in Istanbul gestorben

Damit noch nicht genug: Bereits vor einem Jahr war eine Studentin aus Hamburg in Istanbul gestorben. Die 21-Jährige, die an der Lüneburger Leuphana Universität studierte, war während eines Austausch-Aufenthalts in Istanbul gestorben.

Ihr Tod war zunächst mit einer Lebensmittelvergiftung erklärt worden, sagte der Anwalt der Familie der Deutschen Presse-Agentur. Ein erst in diesem August erschienener forensischer Bericht, der auch dem NDR in Niedersachsen vorliegt, sei jedoch zu dem Schluss gekommen, dass sie mutmasslich durch Pestizide gegen Bettwanzen vergiftet wurde.

Das Mittel war wohl in der Nachbarwohnung angewendet worden und gelangte als Gas in die WG der Studentin. Die Staatsanwaltschaft habe diesbezüglich Ermittlungen aufgenommen.


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