«Lizenz sollte entzogen werden» Journalistin stellt mutige Fragen – Trump macht sie nieder und droht ihrem Sender

dpa

19.11.2025 - 09:21

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Erstmals seit sieben Jahren reist der saudische Prinz und De-facto-Herrscher Mohammed bin Salman an diesem Dienstag in die USA. 

18.11.2025

Donald Trump ist erneut mit der Presse aneinandergeraten. Eine ABC-Reporterin, die ihm Fragen zum Fall Khashoggi stellte, bekam den Groll des US-Präsidenten zu spüren.

DPA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • US-Journalistin Mary Bruce hat sich bei der gestrigen Pressekonferenz im Weissen Haus mit Donald Trump und Mohammed bin Salman den Zorn der Mächtigen auf sich gezogen.
  • Bruce fragte Trump nach seinen geschäftlichen Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Kronprinzen nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi.
  • Trump beleidigte die Reporterin und drohte ihrem Sender ABC News mit einer Untersuchung durch die FCC und Lizenzentzug.

US-Präsident Donald Trump hat eine Journalistin des Senders ABC verbal angegriffen. Als die leitende Korrespondentin für das Weisse Haus, Mary Bruce, ihn und den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gestern zum Mord an Jamal Khashoggi befragte, nannte Trump sie eine «schreckliche Person» und «furchtbare Reporterin».

Der Präsident drohte dem Sender zudem und bezeichnete dessen Berichterstattung als «fake». «Ich finde, ABC sollte die Lizenz entzogen werden.»

Reporter: Is it appropriate for your family to do business with Saudi Arabia while you’re president? The us intelligence concluded you orchestrated the murder of a journalist… Trump: Who are you with? Reporter: ABC News

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— Acyn (@acyn.bsky.social) 18. November 2025 um 18:53

Bruce hatte Trump zunächst gefragt, ob es angemessen sei, dass seine Familie in Saudi-Arabien Geschäfte mache. Bevor er antworten konnte, richtete sie eine Frage an den Kronprinzen: «Eure Königliche Hoheit, die US-Geheimdienste sind zu dem Schluss gekommen, dass Sie die brutale Ermordung eines Journalisten organisiert haben.»

Und weiter: «Warum sollten Amerikaner Ihnen vertrauen? Und dieselbe Frage an Sie, Mr. President.»

«Schreckliche, aufsässige und einfach furchtbare Frage»

Der Präsident wies die Erkenntnisse der US-Geheimdienste zurück und sagte, viele Leute hätten Khashoggi nicht gemocht. Kronprinz Mohammed sagte seinerseits, Khashoggis Tod sei schmerzhaft gewesen und «ein grosser Fehler». Trump kritisierte Bruce später dafür, dem Prinzen eine «schreckliche, aufsässige und einfach furchtbare Frage» gestellt zu haben.

The ABC News reporter who pissed off Trump today I STAND WITH MARY BRUCE💙

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— Pinky (@pinky1259.bsky.social) 18. November 2025 um 22:23

Als sie nachhakte, warum das Weisse Haus auf die Zustimmung aus dem Kongress warte, bevor weitere Details zur Korrespondenz des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht werden, entgegnete er: «Es ist nicht die Frage, die mich stört», sagte Trump. «Es ist Ihre Einstellung.» Und weiter: «Es ist die Art, wie Sie diese Fragen stellen.»

Trump in response to an Epstein question: "ABC, your company, your crappy company is one of the perpetrators. I think the license should be taken away from ABC because your news is so fake and so wrong. And we have a great commissioner, a chairman, who should take a look at that."

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— Aaron Rupar (@atrupar.com) 18. November 2025 um 19:12

Trump drohte ABC News indirekt mit einer Untersuchung durch die Federal Communications Commission (FCC): Deren Vorsitzender «sollte sich das angucken». Der Sender äusserte sich zunächst nicht zu Trumps Aussagen. Am 14.  hatte Trump eine Reporterin von Bloomberg News an Bord der Air Force One als «Schweinchen» bezeichnet.

BLOOMBERG REPORTER: “If there’s nothing incriminating in the Epstein files why not…?” TRUMP: “Quiet. Quiet, Piggy.” 😕

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— The Tennessee Holler (@thetnholler.bsky.social) 18. November 2025 um 06:31

Der Kolumnist Khashoggi, der im US-Exil für die «Washington Post» schrieb, war am 2. Oktober 2018 ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Dokumente für die Heirat mit seiner Verlobten abzuholen. Er kam aber nie heraus. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA kam später zum Schluss, dass er auf Befehl des Kronprinzen im Konsulat ermordet und zerstückelt worden sei.

Nach längeren Dementis räumte die Führung in Riad unter internationalem Druck ein, dass der prominente Kritiker des Königshauses in dem Gebäude bei einem schief gelaufenen Versuch getötet worden sei, ihn in seine Heimat zurückzubringen. Bin Salman erklärte, er habe von nichts gewusst.


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