Katar-Krise legte Risse unter den US-Verbündeten offen

Von John Gambrell, AP

6.6.2018 - 18:01

Als Saudi-Arabien im vergangenen Jahr den Boykott gegen Katar anführte, bekundete US-Präsident Trump zunächst seine Unterstützung. Später rückte er davon wieder ab. Vielleicht, weil Washington zurzeit jede Hilfe gegen den Iran gebrauchen kann.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der die USA maximalen Druck auf den Iran ausüben wollen, zeigt ein wichtiger Partner im arabischen Raum Schwächen: Der Golfkooperationsrat ist wegen der diplomatischen Krise um das Emirat Katar gespalten. Die USA entsandten bereits Aussenminister Mike Pompeo in die Region, um ein Ende des Boykotts gegen das kleine Land auf der arabischen Halbinsel zu erreichen.

Am 5. Juni 2017 beendeten Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Ägypten ihre Beziehungen zu Katar. Zur Begründung erklärten sie, das Emirat unterhalte enge Verbindungen zum Iran und unterstütze extremistische Gruppen in der Region. Sie verhängten einen wirtschaftlichen Boykott, liessen die Fluggesellschaft Qatar Airways nicht mehr in ihren Luftraum und schlossen ihre Häfen für Schiffe des Nachbarlands.

Skyline von Doha im Nebel. Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten hatten am 5. Juni 2017 die Grenzen zu Katar geschlossen und eine Blockade verhängt. 
Yoan Valat/EPA/Archiv

Zumindest im Bezug auf die Beziehungen zum Iran erreichten sie damit nichts. Im Gegenteil: Katar stellte die vollständigen diplomatischen Beziehungen zu Teheran wieder. Das Emirat will nicht nachgeben und erklärte, die Forderungen seien eine Brüskierung für die Souveränität des Landes. Vor dem Jahrestag sendete das Kommunikationsbüro der Regierung Textnachrichten mit den Stichwörtern «movingforward» und «Qatarstronger».

Der Golfkooperationsrat mit seinen sechs Mitgliedern Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist angesichts der Spannungen zwiegespalten. Dabei sollte er in der Vergangenheit als regionales Gegengewicht zum Iran dienen und er ist auch für die US-Streitkräfte von grosser Bedeutung. In Bahrain ist die Fünfte Flotte der US-Marine stationiert, in Kuwait befinden sich mehrere amerikanische Militärstützpunkte, genauso wie in den Emiraten, die der US-Marine die Nutzung des Hafens von Dubai erlauben. Und in Katar hat das Zentralkommando der Vereinigten Staaten eine vorgeschobene Kommandobasis eingerichtet.

Der Oman hat zwar keine US-Soldaten aufgenommen, erlaubt dem amerikanischen Militär aber Zugang zu seinen Stützpunkten und dient als Mittler zwischen westlichen Diplomaten und dem Iran. Saudi-Arabien stützt sich im Krieg gegen schiitische Rebellen im Jemen auf militärische Hilfe aus den USA.

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Wechsel der Generationen

Der Disput um Katar hat zu einer öffentlichen Neuordnung im Golfkooperationsrat geführt. Saudi-Arabien und die Emirate haben sich einer immer stärker neokonservativen Aussenpolitik zugewandt, wie ihre Militärintervention im Jemen zeigt. Bahrain, das seit langem von saudi-arabischer Hilfe für seine krisengeschüttelte Wirtschaft abhängig ist, hat sich auf die Seite des Königreichs und der Emirate gestellt.

Kuwait bemüht sich unter der Führung des 88-jährigen Scheich Al Ahmad Al-Sabah um Vermittlungen. Das Emirat war im Dezember Gastgeber eines Gipfels des Golfkooperationsrats und hoffte, den Block wieder einander anzunähern. Stattdessen drängten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate das Gremium in den Hintergrund, indem sie engere Beziehungen untereinander ankündigten. Der Oman und sein 77 Jahre alter Herrscher Sultan Kabus bemühen sich um eine eigene diplomatische Identität abseits des Kooperationsrats. Die Häfen des Sultanats entwickelten sich zu einer wichtigen Lebensader für Katar.

Kuwait und Oman bekommen dafür den Druck des diplomatischen Disputs zu spüren. In beiden Ländern ist der anstehende Generationswechsel in der politischen Führung nicht geklärt. Und ihre Herrscher haben zweifellos die Kritik in Medien aus Saudi-Arabien und den Emiraten gesehen, die am Emir von Katar geübt wurde. So hiess es unter anderem, Katarer im Exil könnten sich um die Nachfolge des 38 Jahre alten Scheich Tamim bin Hamad Al Thani bewerben. Offene Kritik an Herrscherfamilien ist in den arabischen Ländern am Golf äussert ungewöhnlich, selbst in Zeiten von Konflikten.

In den frühen Tagen der Krise um Katar stand sogar ein drohender militärischer Einsatz im Raum. Die Streitkräfte aus Katar, dem Oman und Kuwait wären in einem solchen Fall den Truppen Saudi-Arabiens und der Emirate deutlich unterlegen gewesen. Welche Optionen die USA im Fall einer Konfrontation unter den Ländern am Golf hätten, ist unklar. Eine solche scheint aber auch nicht unmittelbar bevorzustehen.

US-Präsident Donald Trump stehen die Golfstaaten inzwischen skeptischer gegenüber. Zunächst äusserte er vor einem Jahr Unterstützung für die Länder, die Katar boykottierten, nur um wenig später davon wieder abzurücken. Die Ermittlungen in den USA gegen Trump berührten auch die Emirate und Katar.

Bis jetzt hat die Krise die Verbindungen zwischen Katar und dem Iran gestärkt. Die Islamische Republik öffnete umgehend ihren Luftraum für Qatar Airways und schickte Lebensmittel und andere Waren nach Doha. Im Gegenzug stellte Katar die diplomatischen Beziehungen zum Iran wieder her.

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