Wahl-Debakel für Trump Katerstimmung im Weissen Haus

Philipp Dahm

6.11.2025

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Was für eine Wahl-Klatsche für Donald Trump: Seine Republikaner verlieren wichtige Abstimmungen in New York City, Kalifornien, Virginia und New Jersey. Die Niederlagen haben sich abgezeichnet. Nicht nur in Umfragen, sondern auch, weil Trump offenbar denselben Fehler wie Joe Biden macht.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Wahl-Debakel für Donald Trump: In New York City, Virginia, New Jersey und Kalifornien haben die Republikaner bei Abstimmungen das Nachsehen.
  • Trump macht dafür den Shutdown und den Umstand verantwortlich, dass er selbst nicht auf dem Wahlzettel stand.
  • Trump beruft sich dabei auf Umfragen, die er gerade noch kritisiert hatte. Der Grund: Seine Zustimmungswerte sinken deutlich.
  • Die schlechten Werte könnten damit erklärt werden, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht bessert und die Preise hoch bleiben.
  • Trump verneint diese Tatsache – und macht damit potenziell den gleichen Fehler wie sein Vorgänger Joe Biden.

Ein politisches Erdbeben erschüttert die USA. Ob das Bürgermeisteramt in New York City oder die Gouverneursrennen in New Jersey und Virginia: Die Demokraten schlagen die Republikaner bei sämtlichen Wahlen, die aktuell zur Entscheidung standen.

Die Niederlagen sind herbe, wie das Beispiel Virginia zeigt: Dort ist nicht nur Abigail Spanberger zur neuen Gouverneurin bestimmt worden. Im Parlament des Bundesstaates haben die Demokraten ihre Mehrheit von 51 zu 49 Sitzen stark ausgebaut. Sie belegen nun 64 Sitze, während die republikanische Fraktion auf 36 Sitze schmilzt.

Your Governors-elect for New Jersey and Virginia: Democrats Mikie Sherrill and Abigail Spanberger

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— TrumpsTaxes (@trumpstaxes.com) 5. November 2025 um 02:27

Eine solche Mehrheit hatten die Demokraten in Virginia fast 40 Jahre nicht mehr. Und ähnlich deutlich ist das Wahlergebnis in New Jersey: Die Demokratin Mikie Sherrill liegt nach Auszählung von 95 Prozent der Wahlzettel mit 1'792'760 Stimmen 414'369 Stimmen vor dem Republikaner Jack Ciattarelli, der offenbar keine Chance an der Urne hatte.

4 Abstimmungen – 4 Niederlagen für Trump

Für Donald Trump dürfte das alles aber nur die Spitze des Eisbergs sein. In seiner Geburtsstadt New York hat das Wahlvolk den Demokraten Zohran Mamdani zum nächsten Bürgermeister bestimmt, den der US-Präsident unbedingt verhindern wollte.

«Und damit beginnt es», schreibt der 79-Jährige kryptisch auf seiner Plattform Truth Social: Er hat der Stadt zuvor mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht, falls Mamdani gewinnt. Die nächste Niederlage erleidet Trump in Kalifornien, wo die Wählenden die California Proposition 50 angenommen haben.

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Als Gerrymandering bezeichnen die Amerikaner die Verschiebung von Wahlkreisen, um politisch daraus Vorteile zu ziehen. Sowohl Republikaner als auch Demokraten haben es getan – oder wollen es tun. Die Politiker vergessen dabei jedoch etwa, veranschaulicht das blue-News-Video.

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Sie erlauben damit Gouverneur Gavin Newsom, die Wahlkreise neu zuzuschneiden, um fünf neue demokratische Abgeordnete zu produzieren. Damit soll eine analoge Aktion der Republikaner in Texas gekontert und das Gleichgewicht im Repräsentantenhaus erhalten bleiben – siehe auch obiges Video.

Wahl-Debakel: Trump wäscht seine Hände in Unschuld

An diesem Wahl-Debakel hat laut Donald Trump einer keine Schuld: Donald Trump. Denn dass «Trump nicht auf dem Wahlzettel» war, habe neben dem Shutdown die Niederlage der Republikaner besiegelt, schreibt der Präsident und verweist dabei auf Umfragen.

Screenshot Truth Social

Das ist dann doch verwunderlich. Nicht, weil Trump keine Verantwortung für die Wahlergebnisse übernehmen will, sondern vielmehr, weil sich Trump gerade noch über eben jene fake polls beschwert hat: «Die linksradikalen Medien zeigen so viele gefälschte Umfragen, die alle stark auf Demokraten und Linksradikale ausgerichtet sind», schreibt er.

Und: «In den fairen Umfragen und sogar in den vernünftigen Umfragen habe ich die besten Zahlen, die ich je hatte, und warum auch nicht?» Doch das stimmt so nicht: Selbst beim «Rasmussen Report», der sich unabhängig gibt, aber eine Tendenz zu den Republikanern hat, kommt der Präsident nur auf 46 Prozent Zustimmung, während ihn 53 Prozent ablehnen.

Umfragen sprechen eine deutliche Sprache

Am 23. Januar hatte Trump bei Rasmussen noch 56 Prozent Zustimmung. Nach seiner Zoll-Ankündigung im April waren es 47 Prozent. Seine Zahlen «sinken, vor allem bei den Unabhängigen, wie man es bei einem Shutdown erwarten würde», unterstreicht Mark Mitchell von Rasmussen auf Nachfrage von «Newsweek». Das sei schlecht, aber auch keine Katastrophe.

Gemittelte Zustimmungswerte für den US-Präsidenten zwischen dem 27. Januar und dem 3. November laut «Real Clear Polling».
Gemittelte Zustimmungswerte für den US-Präsidenten zwischen dem 27. Januar und dem 3. November laut «Real Clear Polling».
REal Clear Polling

Bei anderen Instituten sind die Werte noch schlechter. Bei «Real Clear Polling» werden die Ergebnisse gemittelt: Der Wert liegt derzeit bei 43,3 Prozent Zustimmung und 54,4 Prozent Ablehnung. Am 27. Januar lagen die durchschnittlichen Zahlen noch bei 50,5 Prozent mit einer positiven Meinung und 44,3 Prozent mit einer negativen.

Das Wahl-Debakel hat sich also abgezeichnet, aber wie kommen die negativen Werte zustande? Als Trump behauptet, er habe die besten Zahlen, begründet er diese Aussage so: «Ich habe acht Kriege, die grösste Wirtschaft in der Geschichte unseres Landes erschaffen und Preise, Inflation und Steuern niedrig gehalten.»

Lebenshaltungskosten bleiben hoch

Das erinnert ein bisschen an die Amtszeit von Joe Biden: Auch damals hat die Regierung dem Volk geantwortet, die Wirtschaft laufe gut und die Inflation sei im Rahmen. Donald Trumps Wahlsieg 2024 ist eng mit seinen Versprechen verknüpft, die Inflation zu begrenzen und die Preise zu senken.

Nun scheint die Situation umgekehrt zu sein: Der 47. Präsident betont permanent, die Inflation sei niedrig und die Konsumentenpreise würden sinken – ausser beim Fleisch. Die Realität beim Einkaufen sieht jedoch anders aus: Die Lebenshaltungskosten bleiben auf hohem Niveau. Angeheizt wird die Lage durch Trumps Zölle und durch den Shutdown.

Vergleich zum Oktober 2024, als Trump mitten im Wahlkampf war: Die Grafik von «NBC News» zeigt, dass beim Posten weiterhin tief in die Tasche gegriffen werden muss.
Vergleich zum Oktober 2024, als Trump mitten im Wahlkampf war: Die Grafik von «NBC News» zeigt, dass beim Posten weiterhin tief in die Tasche gegriffen werden muss.
NBC News

«Bei diesen Wahlen ging es wirklich um die Wirtschaft», bestätigt dann auch Sabrina Siddiqui vom «Wall Street Journal» dem «Times Radio». «Auf eine gewisse Art gilt: Zurück zu den Wurzeln. Der Fokus auf Bezahlbarkeit, die Höhe der Preise im Detailhandel, die Kosten für Gas und Wohnen.»

Macht Trump denselben Fehler wie Biden?

Der rote Faden in den jüngsten Wahlen sei, dass siech die Kandidaten der Demokraten auf diese Wirtschaftsthemen konzentriert hätten. Trump habe nicht geliefert: «Ich glaube, dass die Unzufriedenheit der Wählenden mit seiner bisherigen Leistung einen grossen Einfluss auf die Resultate haben wird.»

Trump denies grocery prices are up and then says people will be fine because "their 401ks are up." (Nearly half of Americans have no retirement savings)

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— The Lincoln Project (@lincolnproject.us) 3. November 2025 um 16:30

Das Interview hat die Reporterin gegeben, bevor klar war, wie herbe das Wahl-Debakel für den 79-Jährigen wird. Das Ergebnis bestätigt ihre Prophezeiung und legt nahe, dass Trump nun tatsächlich auf demselben Holzweg ist, der schon seinen Vorgänger zu Fall gebracht hat: «Trump leugnet, dass die Teuerung den Amerikanern schadet. Es ist derselbe Fehler, der Biden heimgesucht hat», titelt CNN.

Verstärken dürfte diesen Trend die Tatsache, dass das Volk den Shutdown mehrheitlich den Republikanern anlastet. Gleichzeitig wütet Trump, Essenshilfen würden jedem gegeben, der danach frage. Er werde trotz anderslautender richterlicher Anweisung erst Gelder dafür freimachen, wenn die Demokraten sein sogenanntes Big Beautifull Bill durchwinken.

Damit macht sich der US-Präsident keine Freunde.


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