Nur Probleme für den Kreml Kein Tag des Sieges für Putin

Philipp Dahm

8.5.2026

Aus Angst vor ukrainischen Drohnen – Moskau streicht Panzer aus Mega-Parade – nur noch Soldaten marschieren

Aus Angst vor ukrainischen Drohnen – Moskau streicht Panzer aus Mega-Parade – nur noch Soldaten marschieren

Am 9. Mai erinnert Russland mit einer Militärparade an den Sieg im Zweiten Weltkrieg. Die diesjährige Probe in Moskau fällt jedoch deutlich kleiner aus als gewohnt. Das Video zeigt, wie abgespeckt die Parade diesmal wirkt.

05.05.2026

Der Tag des Sieges am 9. Mai ist in Moskau traditionell ein grosser Feiertag, doch dieses Jahr fällt die Parade deutlich kleiner aus. Das steht sinnbildlich für den Krieg in der Ukraine, der dem Kreml zunehmend Probleme bereitet.

Philipp Dahm

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Russland begeht am 9. Mai den Tag des Sieges, hat 2026 aber keinen Grund zu feiern, wie 5 Punkte zeigen.
  • Von wegen Waffenruhe: Wie Wolodymyr Selenskyj Wladimir Putins Pläne durchkreuzt.
  • Putin bekommt Personalprobleme: Die Ukraine hat angeblich erstmals mehr Gegner ausgeschaltet als neue rekrutiert werden.
  • Drohnen vertiefen die Front: Weil die Flugobjekte eine immer grössere Reichweite haben, verliert Russland das Hinterland.
  • Dank Innovationsdruck: Kiews Rüstungsindustrie wird immer besser. Auch lukrative Exporte winken.
  • Luftabwehr immer löchriger: Russland wird vor der Siegesparade massiv auf heimischem Boden angegriffen.

Von wegen Waffenruhe

Wie 2024 und 2025 hat Wladimir Putin auch für die diesjährigen Feiern zum Tag des Sieges eine Waffenruhe ausgerufen: Sie gilt seit dem 7. Mai, 23 Uhr, und endet am 9. Mai um 23 Uhr.

In den Vorjahren wurde diese Waffenruhe aber nicht eingehalten, weshalb Wolodymyr Selenskyj nun in die Offensive geht: Der ukrainische Präsident hat seinerseits angekündigt, dass seine Truppen ab dem 6. Mai nicht mehr angreifen.

Russland hat das ignoriert, und nun attackiert auch die Ukraine wieder: Kiew fühlt sich nicht mehr an eine Abmachung gebunden und kann auch am 9. Mai zuschlagen, wenn in Moskau die Siegesparade stattfindet.

Vor dem Ereignis demonstriert die Ukraine mit einem Drohnenangriff, dass Moskau in Schlagdistanz liegt. Das stellt den Kreml vor ein Dilemma: Das russische Militär muss Luftabwehrsysteme aus anderen Gebieten abziehen, um die Hauptstadt zu schützen.

Das ermöglicht dem Gegner, an anderer Stelle zuzuschlagen: Es ist gut möglich, dass Kiew den Tag des Sieges nutzt, um an der Front vorzurücken.

Putin bekommt Personalprobleme

Die russische Armee hat im März und April hohe Verluste erlitten, berichtet «United24» unter Verweis auf das Verteidigungsministerium: Jeweils über 35'000 Soldaten sollen gestorben, verwundet oder gefangen genommen worden sein. 

Damit könnte Wladimir Putin erstmals mehr Kräfte verlieren, als er rekrutieren kann: In den ersten drei Monaten des Jahres sollen geschätzt zwischen 70'000 und 80'000 Personen angeworben worden sein. Das Defizit wirke sich bereits an der Front aus: Der Kreml sei gezwungen, seine Soldaten zu konzentrieren – etwa in Donezk.

Gleichzeitig sterben mehr Russen, schreibt der «Kyiv Independent»: Während 2025 etwa 35 Prozent der Verluste Tote waren, liegt der Wert laut Selenskyj im März bei 62 Prozent. Oberst Joby Rimmer, Militärberater der britischen Regierung, schätzt, dass sich die Verluste seit Kriegsbeginn auf 1,3 Millionen belaufen.

Russia paid half a million soldiers for about 1% of Ukrainian land. ㅤ Stubb’s point: the gains are tiny, the losses are enormous, and Moscow is no longer replacing them fast enough. ㅤ That is not strength. That is strategic bleeding.

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— Meanwhile in Ukraine (@meanwhileua.bsky.social) 29. März 2026 um 14:54

Viele erfahrene Truppen seien aufgerieben worden: «Da die Zahl der Freiwilligen schrumpft, hat Russland immer weniger Möglichkeiten zur Mobilisierung», schreibt Rimmer. «Finanzielle Anreize sind teurer geworden, und eine gross angelegte Zwangsmobilisierung würde die Gefahr von Instabilität im Land mit sich bringen.»

Drohnen vertiefen die Front

In den letzten zwei Monaten hat die Ukraine laut «United24» immer mehr Drohnen mit grosser Reichweite eingesetzt: Im April sei die Zahl der Angriffe in einer Distanz zwischen 20 und 50 Kilometern um 85 Prozent gestiegen. Attacken in mehr als 50 Kilometer Entfernung seien um 107 Prozent gewachsen. 

Beispiel Donezk: Drohnen mit grosser Reichweite verhindern die Versorgung der Fronttruppen-.
Beispiel Donezk: Drohnen mit grosser Reichweite verhindern die Versorgung der Fronttruppen-.
YouTube/Reporting from Ukraine

Wie sich das an der Front auswirkt, zeigt ein Video von Reporting from Ukraine am Beispiel Donezk: Dort nehmen ukrainische Drohnen 20 Kilometer hinter der Front die Nachschubkonvois ins Visier, die die Soldaten an der Front versorgen.

Drohnen mit grösserer Reichweite attackieren Depots, Kommandoposten und Luftabwehrsysteme tiefer im Hinterland. So entstehen Engpässe an der eigentlichen Kontaktlinie, die den Vormarsch russischer Truppen stark erschweren.

Kiews Rüstungsindustrie wird immer besser

Der Krieg zwingt die ukrainische Rüstungsindustrie zur Innovation – und das zahlt sich aus: Im September 2025 verrät Selensky, dass bereits 60 Prozent der im Krieg eingesetzten Waffen an der Heimatfront produziert werden. Dieser Wert dürfte inzwischen weiter gestiegen sein.

Insbesondere bei Drohnen und auch Raketen macht die Rüstungsindustrie Fortschritte. Im Dezember wird bekannt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate in die Firma Fire Point investieren wollen, die erfolgreich Drohnen, aber auch den Marschflugkörper FP-5 herstellt.

3000 Kilometer Reichweite  – Kiew zeigt Raketenstart – wird die «Flamingo» zur neuen Wunderwaffe?

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Wolodymyr Selenskyj hat Videos veröffentlicht, die den nächtlichen Start der neuen ukrainischen Langstreckenrakete «Flamingo» zeigen sollen. Laut Kiew kann der Marschflugkörper Ziele tief im russischen Hinterland treffen.

06.05.2026

Die FP-5 wird nun sogar auf dem Weltmarkt angeboten, wie ein Verkaufsstand auf der Fachmesse SAHA Expo 2026 in Istanbul beweist, von dem «Army Recognition» berichtet. Ukrainische Abfangdrohnen sind weiterhin im Nahen Osten gefragt, wo einige Golfstaaten mit Kiew kooperieren, iranische Drohnen abwehren zu können.

❗️🇺🇦Ukrainian troops at the front have begun using the Anubis kamikaze drone more and more frequently. The drone is produced by the American-German-Ukrainian company Auterion Airlogix Joint Venture for the needs of the Armed Forces of Ukraine (AFU).

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— 🪖MilitaryNewsUA🇺🇦 (@militarynewsua.bsky.social) 8. Mai 2026 um 13:21

Auch mit europäischen Staaten kooperiert die Ukraine beim Drohnenbau: Die gemeinsam mit Deutschland produzierte KI-Drohne Anubis ist nun offenbar erstmals auf dem Schlachtfeld eingesetzt worden. Weil sich Russland solchen Innovationen jeweils schnell anpasst, testet die Ukraine nun erstmals einen Laser unter realen Bedingungen für die Luftverteidigung.

🇺🇦 The advanced Ukrainian Tryzub laser system has been integrated into a mobile anti-drone system – capable of countering everything from FPV drones to reconnaissance drones. militarnyi.com/en/news/tryz...

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— Militarnyi (@militarnyi.com) 7. Mai 2026 um 15:27

Russland wird angegriffen

Russlands Luftabwehr ist offenbar nur noch ein Schatten ihrer selbst: Ukrainische Langstreckendrohnen treffen eine Raffinerie in Perm, ...

Perm: Season 3 🔥

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— MAKS 25 👀🇺🇦 (@maks23.bsky.social) 8. Mai 2026 um 10:24

... in Jaroslawl und...

The refinery in Yaroslavl, Russia, once again has been hit.

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— (((Tendar))) (@tendar.bsky.social) 8. Mai 2026 um 03:48

... in Rostow am Don.

Rostov, Russia. Sanctions 🔥

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— Kate from Kharkiv (@kateinkharkiv.bsky.social) 8. Mai 2026 um 03:32

Auch ein Büro des russischen Geheimdienstes FSB in Snamenskoje in Tschetschenien wird attackiert.

A Ukrainian long-range drone struck an FSB building in Znamenskoye, Chechnya. #Russia

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— NOELREPORTS (@noelreports.com) 8. Mai 2026 um 11:45