Flüchtling, Asyl

Keller-Sutter besucht in Münsingen BE Ukrainerin am Arbeitsort

sr, sda

1.6.2022 - 10:15

Bundesrätin Karin Keller-Sutter (links) und die Ukrainerin Olga Shymko geben sich in der Küche des "Ochsen" die Hand.
Keystone

Bundesrätin Karin Keller-Sutter will sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Personen mit Schutzstatus S in der Schweiz eine Arbeit finden. Um aufzuzeigen, wie es mit den Jobs klappen kann, reiste sie am Mittwoch zum Gasthof Ochsen nach Münsingen BE.

sr, sda

1.6.2022 - 10:15

Seit Anfang Mai arbeitet dort die Ukrainerin Olga Shymko in der Küche. Der Berner Landgasthof war nach Angaben des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartemens EJPD einer der ersten Betriebe in der Schweiz, welche eine Person mit Schutzstatus S anstellten.

Auf dem Programm von Keller-Sutters Besuch standen ein Austausch mit der ukrainischen Köchin, aber auch mit der Wirtin. Keller-Sutter wollte wissen, welche Erfahrungen beide in ihrem Arbeitsalltag machen. Anschliessend traten alle Beteiligten vor die Medien.

Keller-Sutter sagte im Säli des «Ochsen», es sei wichtig, dass geflüchtete Menschen etwas Sinnstiftendes machen könnten. Zwar sei der Schutzstatus S rückkehrorientiert. Doch schliesse dies eine Arbeit in der Schweiz nicht aus.

Lese man die Botschaft des Bundesrats aus der Zeit, als der Schutzstatus geschaffen wurde, erkenne man, dass Weiterbildung und Arbeit als Beitrag zu dieser Rückkehrfähigkeit erachtet worden seien.

Wirtin Monika Linder sagte, ein ihr bekanntes Ehepaar habe sie gefragt, ob sie für die Ukrainerin einen Job hätte. Bei diesem Ehepaar lebt Olga Shymko. Zuerst habe sie abgewunken. Doch ein paar Tage später habe ihr eine Mitarbeiterin eröffnet, sie wolle wegen gesundheitlicher Probleme kürzer treten.

Shymko, die schon in der Ukraine als Köchin arbeitete, habe einen grossen Willen und sich rasch eingelebt. Nach ein paar Tagen habe die Ukrainerin selbständig Arbeiten ausgeführt. Die Sprachhilfe auf dem Mobiltelefon sei nicht mehr so wichtig wie am Anfang.

Die Sprache sei die grösste Herausforderung: Das sagte die aus Kriwoi Rog im Süden des Landes stammende Shymko. Die Arbeit sei weniger anstrengend als in der Heimat, denn hier gebe es eine Mittagspause. Die Speisen seien ähnlich wie in der Ukraine, doch hier würden viel mehr Lebensmittel püriert – etwa zu Suppen.

Den Besuch der Bundesrätin bezeichnete Shymko als «fantastisch – ich bin sehr stolz».

Lob für Berner Wirteverband

Mit ihrem Besuch in Münsingen hob Karin Keller-Sutter auch ein Engagement von Gastrobern hervor, des Verbands der Wirtinnen und Wirte im Kanton Bern. Dieser schuf schon früh auf seiner Internetseite eine Jobbörse für Ukrainer und bietet ihnen Gastro-Crash- und Deutschkurse an. Das sei eine willkommene Privatinitiative, lobte Keller-Sutter.

Gastrobern-Präsident Tobias Burkhalter sagte, über hundert Berner Betriebe hätten mehr als 130 offene Stellen gemeldet. Von über 70 Ukrainerinnen und Ukrainern habe der Verband Dossiers erhalten. Drei Arbeitsverträge seien abgeschlossen und viele Gespräche sowie Schnuppertage fänden statt. Der Fachkräftemangel in der Branche sei «enorm».

Rund 2000 Schutzbedürftige haben Arbeit

Laut einem Tweet des Staatssekretariats für Mitgration (SEM) vom Dienstag sind in der Schweiz bisher über 54'000 ukrainische Flüchtlinge registriert worden, von denen über 51'000 den Schutzstatus S erhielten.

Über 1000 von ihnen haben nach Angaben des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) von den Kantonen Arbeitsbewilligungen erhalten. Das EJPD geht aber davon aus, dass die Zahl der arbeitenden Personen mit Schutzstatus S höher ist. Keller-Sutter nannte am Mittwoch die Zahl 2000. Das entspricht laut ihrem Departement etwas über drei Prozent der Personen mit Schutzstatus S.

Mit 203 Bewilligungen macht das Gastgewerbe den grössten Anteil aus, gefolgt von Planung, Beratung und Informatik (146), Unterrichtswesen (102) und Landwirtschaft (97). Der Kanton Zürich hat mit 188 am meisten Arbeitsbewilligungen ausgestellt, gefolgt von den Kantonen Aargau (98), Bern (95) und Thurgau (92).

Keller-Sutter trifft Sozialpartner und Kantone

Um die Integration von Personen mit Schutzstatus S in den Arbeitsmarkt zusätzlich zu fördern, hat Keller-Sutter für den 23. August 2022 zu einem Treffen mit den Sozialpartnern und den Kantonen eingeladen. Ziel ist es, die aktuellen Herausforderungen zu identifizieren und konkrete Strategien zu entwickeln. Schon im März gab es ein Treffen mit Sozialpartnern.

sr, sda